Subventionen Warum das Baukindergeld weitgehend wirkungslos ist

  • Für Familien in Städten wie München, Nürnberg und Regensburg ist die staatliche Unterstützung durch das Baukindergeld gemessen am Kaufpreis kaum der Rede wert.
  • Realität wird der Traum vom Familien-Eigenheim nur dort, wo Immobilien sowieso schon erschwinglicher sind.
  • Kritiker wie der Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol nennen das Baukindergeld einen "Griff in die subventionspolitische Mottenkiste".
Von Birte Mensing

Baukindergeld klingt ein bisschen nach Spielplatz. Dabei geht es um große Summen: Zwei Milliarden Euro lässt sich die Bundesregierung das Programm kosten. Über Sinn und Unsinn der Subvention wurde heftig diskutiert. Eine Auswertung für Bayern zeigt nun: Wenn überhaupt, dann wird das Baukindergeld nur auf dem Land eine nennenswerte Entlastung für Bauherren darstellen. Dort aber gibt es schon jetzt besonders viele Eigenheimbesitzer.

Der Plan klingt zunächst gut: Mit 1200 Euro pro Kind greift der Bund Familien, die ein Haus kaufen oder bauen, zehn Jahre lang unter die Arme, solange das Jahreseinkommen der Familie 75 000 Euro plus einen Freibetrag von 15 000 Euro pro Kind nicht übersteigt. Damit das Budget von zwei Milliarden Euro nicht überschritten wird, beschloss die Koalition am Mittwoch, dass das Baukindergeld nur von 2018 bis Ende 2020 beantragt werden kann. Die bayerische Bauministerin Ilse Aigner will für bayerische Familien noch mal 300 Euro pro Kind und Jahr drauflegen und zusätzlich eine einmalige Eigenheimzulage von 10 000 Euro.

Leserdiskussion Baukindergeld - ein gutes Signal für den Wohnungsbau?
Leserdiskussion

Baukindergeld - ein gutes Signal für den Wohnungsbau?

Die Spitzen der großen Koalition haben sich im Streit um die Details des milliardenschweren Baukindergelds für Familien geeinigt. Es soll keine Quadratmeterbegrenzung beinhalten, kann aber nur drei Jahre lang beantragt werden.

Für Familien in Städten wie München, Nürnberg und Regensburg ist die staatliche Unterstützung gemessen am Kaufpreis dennoch kaum der Rede wert: Sie bewegt sich im einstelligen Prozentbereich.

Zu diesem Ergebnis kommt das Nürnberger Immobilienportal immowelt.de, das aus seinem Datenbestand Berechnungen für ganz Deutschland anstellte. Am wenigsten bringt das Baukindergeld demnach in München und in den umliegenden Landkreisen Starnberg, Dachau, Ebersberg und Fürstenfeldbruck. In insgesamt 20 bayerischen Landkreisen macht die Förderung bei Familien mit einem Kind weniger als drei Prozent des Kaufpreises aus. Eingerechnet wurden alle Wohnungen und Häuser mit mindestens vier Zimmern und wenigstens 80 Quadratmetern Wohnfläche, die 2017 über das Immobilienportal zum Kauf angeboten wurden.

In Kronach lag die Eigentümerquote 2011 ohnehin schon bei mehr als 70 Prozent

Realität wird der Traum vom Familien-Eigenheim wohl nur dort, wo Immobilien sowieso schon erschwinglicher sind. Vereinfacht gesagt: vor allem im Osten Deutschlands, in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Blickt man auf Bayern, lohnt sich das Baukindergeld laut immowelt.de im Norden. Nur in den Landkreisen Hof, Wunsiedel und Kronach beträgt die Förderung mehr als zehn Prozent des Immobilienpreises. In Kronach lag die Eigentümerquote im Zensus von 2011 jedoch ohnehin schon bei mehr als 70 Prozent, in der Stadt München hingegen bei 25 Prozent.

Daran wird das Baukindergeld nichts ändern, im Gegenteil: Die Schere wird sich weiter öffnen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söders hatte in seiner Regierungserklärung den Wohnungsbau zum Schwerpunkt gemacht und angekündigt: "Der Traum vom Eigenheim und den eigenen vier Wänden muss auch für den Normalverdiener und die Mittelschicht wieder Realität werden können. Daher werden wir die bayerische Eigenheimzulage und das bayerische Baukindergeld Plus einführen."