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Studie des Umweltministeriums:Mikroplastik-Teilchen belasten Bayerns Gewässer

  • Eine Untersuchung im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums zeigt, dass bayerische Gewässer stark mit Mikroplastik belastet sind.
  • Das Umweltministerium spricht von einer "geringen bis mittleren" Belastung.
  • Bisher galt Mikroplastik als Problem der Weltmeere. Erst seit Kurzem deutet sich an, dass auch Binnengewässer belastet sind.

Von Christoph Behrens

Bayerische Gewässer sind überraschend stark mit Mikroplastik belastet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums. Demnach schwimmen im Chiemsee, in der Isar oder in der Trinkwassertalsperre Mauthaus viele Plastikteilchen herum, die kleiner als fünf Millimeter sind. Das Umweltministerium spricht von einer "geringen bis mittleren Belastung". Forscher der Uni Bayreuth und des Landesamts für Umwelt hatten vor etwa acht Monaten damit angefangen, Proben zu nehmen; an jeder untersuchten Stelle wurden sie fündig. Am Chiemsee sind es 0,1 Teilchen Mikroplastik je Quadratmeter, in der Isar halb so viele. Im Ufersediment des Starnberger Sees entdeckten die Forscher beachtliche 831 Partikel pro Quadratmeter.

Mikroplastik gilt als bedenklich, da es von Tieren verschluckt werden kann. Die Kunststoffe können sich somit in der Nahrungskette anreichern und potenziell auch Menschen gefährlich werden. "Bislang liegen keine Hinweise auf Gesundheitsgefahren vor", erklärte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). Allerdings ist diese Frage auch noch nicht von den Forschern untersucht worden.

Auch Binnengewässer belastet

Bisher galt Mikroplastik vor allem als Problem der Weltmeere. Die Partikel stammen hauptsächlich aus unachtsam weggeworfenen Verpackungen. Diese werden im Wasser zu kleinen Stücken zermahlen und gelangen so ins Ökosystem. Zudem enthalten manche Kosmetika Kunststoffteilchen, etwa zur Hautpflege. Erst seit kurzem deutet sich an, dass auch Binnengewässer belastet sind. So entdeckten Forscher kürzlich im Gardasee große Plastikmengen. Dies deute darauf hin, "dass die Kontamination von Makro- und Mikroplastik auch in Süßwasserökosystemen bedeutende Ausmaße angenommen hat", folgert der Ökologe Christian Laforsch von der Uni Bayreuth. Die bayerische Untersuchung ist die erste dieser Art in Deutschland, Vergleiche mit anderen Bundesländern sind daher schwierig.

Scharf forderte in einem Brief Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf, weitere Forschungsvorhaben zum Thema finanziell zu unterstützen. Zudem kündigte sie ein breit angelegtes "Bündnis gegen Mikroplastik" an, dem Vertreter aus Industrie und Verbraucherschutz angehören sollen. Ziel sei etwa ein freiwilliger Verzicht auf Mikroplastik vonseiten der Hersteller. Auch die Verbraucher müssten für das Thema sensibilisiert werden. So verbraucht jeder Deutsche nach Angaben des Ministeriums im Schnitt 65 Plastiktüten pro Jahr.

© SZ vom 17.03.2015/lime

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