Streit um Ruhestörung:Katerstimmung in Bamberg

60. Bamberger Sandkerwa eröffnet

Sandkerwa in Bamberg. Viele Anwohner stören sich an den Partys in der Altstadt

(Foto: dpa)

Auf Facebook kann man sich neuerdings "Dinge, die man in Bamberg noch verbieten sollte" ausdenken - und nicht alle verstehen die Ironie. Denn in der Studentenstadt streiten sich Studenten, Wirte und Anwohner immer heftiger um Partys in der Altstadt.

Von Katja Auer

Die neueste Entwicklung lässt sich - wieder einmal - im Internet beobachten. Da kann man sich im Netzwerk Facebook neuerdings "Dinge, die man in Bamberg noch verbieten sollte" ausdenken und der Allgemeinheit mitteilen. Rauchbier steht da schon, und damit eine Bamberger Spezialität, Studenten und kostenloses Herumsitzen auf den Bänken.

"Unbürokratisch sollen hier neue Verbote erarbeitet werden, die der Stadt Bamberg als Denkanstoß dienen", schreiben die Betreiber. Allerdings haben die Ironie nicht alle begriffen, die dort einen Beitrag verfassen.

Eine Albernheit, natürlich, und dennoch Ausfluss einer Debatte, die gerade in Bamberg schwelt. Verkürzt geht es darum, wer wie lange wo feiern darf und wer das aushalten muss. Das Problem gibt es auch anderswo, in Fürth zog jüngst ein Anwohner der Gustavstraße, der dortigen Kneipenmeile, vor Gericht, weil er die Stadt zwingen wollte, die Zahl der Festivitäten und ihre Lautstärke zu reduzieren. Das Gericht wies die Klage ab, aber der Streit geht weiter.

Ähnlich in Augsburg, da heißt die Partymeile Maximilianstraße, und um den nächtlichen Lärm einzudämmen, erließ die Stadt vor einigen Jahren sogar ein als "Dönerverbot" berühmt gewordenes nächtliches Verkaufsverbot von Speisen und Getränken auf der Straße. Das allerdings hielt den Klagen der Wirte vor Gericht nicht stand.

In Bamberg nun beklagen sich sowohl die Anwohner wie auch die Feierwütigen, die einen über den nächtlichen Lärm, die anderen über zu starke Reglementierung. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Diskussion mit der Absage des traditionsreichen Unifestes. Das wird schon seit mehr als 30 Jahren in der Innenstadt gefeiert, auch wenn es heute nicht mehr Altstadtfest, sondern uni.fest heißt. Immer am ersten Freitag im Juli. Nur in diesem Jahr nicht.

Wirte gehen auf die Straße

Abgesagt wegen "der restriktiven Genehmigung der Stadt", so teilte es die Uni mit. Musik bis 23 Uhr, Ausschank bis 24 Uhr, das sei viel zu kurz und deswegen nicht finanzierbar. Die Stadt gab nach, wollte das Unifest wieder zu gleichen Bedingungen wie im vergangenen Jahr erlauben, aber da war es schon zu spät. Abgesagt ist abgesagt. Nun soll ein Runder Tisch ein Konzept ausarbeiten, damit das künftig besser läuft.

Waren es beim Unifest eher die Befürworter, melden sich bei anderen Veranstaltungen vor allem die Gegner zu Wort. Weinfest, Spargelfest und das Public Viewing zur Basketball-Meisterschaft waren schon, demnächst stehen "Bamberg zaubert" und das Blues- und Jazzfestival auf dem Programm. Veranstaltungen, mit denen der umtriebige Chef des Stadtmarketings Bamberg attraktiv machen will, was ihm im vergangenen Jahr zumindest einen Preis als Kulturmanager des Jahres einbrachte. Die Anwohner dagegen nervt die ständige Befeierung der Innenstadt, ganz abgesehen von der Diskussion, warum es in der Bierstadt Bamberg unbedingt ein Weinfest geben muss.

Und schließlich gibt es auch in Bamberg eine Kneipenmeile, die in der Domstadt Sandstraße heißt und an Sommerabenden dicht gefüllt ist mit feierndem Jungvolk. Weil die Kneipengäste so lang aushielten, führte die Stadt vor zwei Jahren wieder eine Sperrzeit ein, von zwei Uhr an an Werktagen und von vier Uhr an am Wochenende. Und auch die Ausnahmegenehmigungen für Clubbetreiber, die bei bestimmten Veranstaltungen länger öffnen wollten, wurde drastisch gekürzt, von 149 auf 66 im vergangenen Jahr.

Und nun wehren sich wiederum die Wirte und andere "kulturinteressierte und kulturschaffende Menschen", die zu einer Demo am 1. Juli aufrufen. Durch die Sandstraße soll sie führen und die Bamberger darauf aufmerksam machen, dass die Stadt "durch ihre Sperrzeitpolitik massiv die Kulturarbeit der Veranstalter und Clubs" gefährde. Als Universitätsstadt verliere Bamberg an Attraktivität, wenn die Studenten nur bis zwei Uhr ausgehen könnten.

Mehr als 12 000 Studenten hat Bamberg inzwischen, die Zahl ist rasant gestiegen. Ebenso die der Touristen, mehr als eine halbe Million Übernachtungen verbuchte die Stadt im vergangenen Jahr. Selbst die Einwohner sind ein bisschen mehr geworden, das ist selten in Oberfranken. Jetzt müssen sie nur noch alle irgendwie miteinander auskommen.

© SZ vom 26.06.2013/bela
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