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Streit um Kunstwerk:Dürer und der Druck der Politik

Albrecht Dürer als Vollender der bayerischen Landtagseinheit: Im Streit um die Ausleihe eines Kunstwerks sind sich die Abgeordneten ausnahmsweise einmal einig. Nun fühlt sich der Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen in seiner Autorität in Frage gestellt - und reagiert äußerst heftig.

Der Donnerstag dürfte als besonderes Datum in die Geschichte des Landtags eingehen. Zwar wurde die Debatte über die Ausleihe von Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" verschoben. Aber das nicht ausgelieferte Bild einte das Parlament in überaus seltener Weise: Nachdem SPD und Grüne mit Dringlichkeitsanträgen begonnen hatten, forderten am Ende sämtliche Fraktionen die Ausleihe des Gemäldes.

Gemälde von Albrecht Dürer in der Alten Pinakothek in München, 2012

Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" sorgt derzeit für viel Wirbel in Bayern.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Albrecht Dürer als Vollender der bayerischen Landtagseinheit, eine hübsche Geschichte. Die Reaktion der Staatsgemäldesammlungen kam am Freitag prompt - und sie war von einer Heftigkeit, wie sie von einer staatlichen Behörde ebenfalls nur äußerst selten zu beobachten ist: Die gegenwärtige politische Diskussion über das Bild stelle in "beispielloser Weise die Kompetenz und die Autorität der in der Kultur verantwortlich Tätigen in Frage", erklärte Klaus Schrenk, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen.

Aber damit nicht genug: Jedes "bedeutende Museum" verfüge über einen Bestand kostbarer Kunstwerke, die untrennbar mit dem jeweiligen Haus verbunden seien und für eine Ausleihe nicht zur Verfügung stünden, moniert der Generaldirektor. So zähle Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" aus dem Jahr 1500 zu den herausragenden Gemälden der Sammlung und präge international das Profil der Alten Pinakothek.

Zudem befinde sich das auf Holz gemalte Bild in einem "konservatorisch höchst fragilen Zustand". Im Jahr 1971 - anlässlich der letzten großen Dürer-Ausstellung in Nürnberg - sei es "gegen den entschieden vorgetragenen Rat der Restauratoren" nach Nürnberg ausgeliehen worden. Von dieser Reise sei es, so stellt es Schrenk dar, "mit einer geöffneten Fuge sowie dadurch entstandenen Farbverlusten wieder nach München zurück" gekommen.

"Arroganz einer untergeordneten Behörde"

Zuvor hatten sich nicht nur sämtliche Fraktionen für eine Ausleihe des Bildes starkgemacht. Auch Kabinettsmitglieder und Ministerpräsident Horst Seehofer hatten Sympathie für eine Ausleihe bekundet - Finanzminister Markus Söder sogar mit dem Hinweis, es werde auch Gefahrgut transportiert, da könne die Ausleihe eines Gemäldes kein Ding der Unmöglichkeit sein.

CSU-Fraktionsvize Karl Freller hatte sogar ein Junktim zwischen der Dürer-Ausleihe und dem geplanten neuen Konzertsaal in München hergestellt: Ohne Dürer keine Zustimmung zum Konzertsaal. Auf die Frage, warum er so heftig reagiere, hatte Freller geantwortet: Er habe sich sehr empört über ein Interview, das Generaldirektor Schrenk in der letzten Woche der SZ gegeben hatte - und in dem dieser sich die Einmischung der Politik verbeten habe.

Er sei selbst lange genug Staatssekretär gewesen, sagte Freller, um einordnen zu können, "ob diese Arroganz einer untergeordneten Behörde" zustehe. Immerhin handele es sich um eine wichtige kulturelle Angelegenheit, als Volksvertreter dürfe man dazu eine Meinung äußern.