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Streit um Industriedenkmal:Aufs Abstellgleis

Der Bahnpark Augsburg wird zerschlagen. "Bodenlose Frechheit", sagen die Betreiber

Von Christian Rost, Augsburg

Das in die Mühlen der Bürokratie geratene Eisenbahnmuseum "Bahnpark Augsburg" soll zerschlagen werden. Die Stadt Augsburg will einen Teil des Museums, die alte Dampflokhalle, an einen Investor abgegeben und für den Bahnbetrieb reaktivieren. Als Museumsort und für kulturelle Veranstaltungen steht sie dann nicht mehr zur Verfügung. Überdies will die Stadt den restlichen Museumsbetrieb der Bayerischen-Schwäbischen Museumsbahn übertragen, einem kleinen Verein, hinter dem ein Mitarbeiter der Eisenbahnaufsicht der Regierung von Oberbayern steht. Was die Stadt nun als gute Lösung verkauft, empört die Menschen, die den Bahnpark mühsam aufgebaut haben. Sie empfinden es "als bodenlose Frechheit", wie der Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Bahnpark, Robert Brütting, sagt, dass zuerst ihr Museumsprojekt in einem ausufernden Genehmigungsverfahren zerrieben wurde und sie nun vor die Tür gesetzt werden sollen.

Der Bahnpark ist eines der größten Industriedenkmäler in Bayern. 1906 errichteten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen auf rund 24 Hektar Fläche ein Betriebswerk. Im Jahr 2000 stellte die Deutsche Bahn den Betrieb auf dem Areal ein. Herzstück auf dem Gelände ist das Rundhaus Europa mit Drehscheibe zum Rangieren. Dort sind 25 historische Lokomotiven aus ganz Europa ausgestellt.

Die Stadt hatte vor 15 Jahren beschlossen, im Bahnpark ein museales und kulturelles Angebot zu entwickeln. Ein Förderverein wurde gegründet und eine gemeinnützige GmbH, die beliebte Museumsfahrten mit historischen Zügen veranstaltete und zu Dampflokdinners einlud. Mehrere Vereine mit 350 Mitgliedern unterstützten das Projekt. Für die Nutzung des Geländes stellte die Stadt in der Vergangenheit jeweils Einzelgenehmigungen aus, bis im vorigen Jahr ein Gesamtkonzept von der Bahnpark GmbH gefordert wurde. Seither konnten in dem Eisenbahnmuseum keine Veranstaltungen mehr stattfinden. Die GmbH reichte die nötigen Unterlagen zwar Anfang dieses Jahres ein, seither wechselten aber die Zuständigkeiten für das Projekt - und letztlich passierte nichts. Erst war die Stadt federführend, dann zog die Regierung von Oberbayern den Genehmigungsprozess an sich und leitete ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren ein. Währenddessen musste der Bahnpark geschlossen bleiben und konnte keine Einnahmen mehr erzielen. Drei Millionen Euro sind bereits in das Museum investiert worden, die zwangsweise Schließung brachte die Bahnpark GmbH nun an den Rand der Pleite.

Die Geschäftsführung schickte deswegen einen Brandbrief an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Danach trat dessen Parteifreund, Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, auf den Plan und beschied: "Der Bahnpark ist alleine nicht in der Lage, sich am Leben zu erhalten." Sein "tragfähiges" Konzept sieht vor, dass ein Investor die Dampflokhalle übernimmt, die bislang erfolgreich mit Kultur und Gastronomie bespielt wurde. Außerdem soll die Bayerisch-Schwäbische Museumsbahn, ein übersichtlicher Verein, den Bahnpark übernehmen. Die bisherigen Akteure dort werden ausgebremst - und das wollen sie sich nicht gefallen lassen. Robert Brütting kündigt "Widerstand" an. An diesem Samstag kommen die Mitglieder der betroffenen Vereine zu einem Krisentreffen zusammen.

© SZ vom 19.08.2017

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