NahverkehrVerdi ruft erneut zu Streik in München und Nürnberg auf

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„Ein positives Signal seitens der Arbeitgeber hätte den zweiten Streiktag verhindert“, sagt der stellvertretende Landesbezirksleiter Sinan Öztürk.
„Ein positives Signal seitens der Arbeitgeber hätte den zweiten Streiktag verhindert“, sagt der stellvertretende Landesbezirksleiter Sinan Öztürk. Imago

Hunderttausende Pendler müssen in den zwei größten Städten Bayerns für Mittwoch nach Alternativen zum ÖPNV suchen.

Verdi ruft für Mittwoch zu einem ganztägigen Nahverkehrs-Warnstreik in München und Nürnberg auf. Betroffen sind der Gewerkschaft zufolge U- und Straßenbahnen sowie Buslinien, die nicht von privaten Dienstleistern bedient werden. Die von der Bahn betriebene S-Bahn sowie Regionalbahnen sind nicht betroffen.

Es ist der zweite Warnstreik in Bayern in der aktuellen Tarifrunde. Am vergangenen Montag hatte Verdi bereits im Rahmen einer annähernd bundesweiten Aktion den Nahverkehr in mehreren größeren bayerischen Städten teilweise lahmgelegt. Auch damals waren München und Nürnberg bereits betroffen.

Damit habe man Bewegung in die Tarifrunde bringen wollen, hieß es von der Gewerkschaft. Diese Hoffnung wurde allerdings enttäuscht: „Ein positives Signal seitens der Arbeitgeber hätte den zweiten Streiktag verhindert“, sagt der stellvertretende Landesbezirksleiter Sinan Öztürk. Dass es zwei Tage vor der zweiten Verhandlungsrunde nun erneut zum Warnstreik komme, sei „alleine der Tatsache geschuldet, dass die Arbeitgeber mit ihren Äußerungen überdeutlich machen, dass sie die Nöte der Beschäftigten nicht ernst nehmen“.

In Nürnberg stehen am Mittwoch alle drei U-Bahnlinien und alle Straßenbahnen still. Auch das übliche Angebot an Bussen werde entfallen, teilt die Verkehrs-Aktiengesellschaft (VAG) mit. Stattdessen setzen die Verkehrsbetriebe auf private Anbieter. Sie sollen auf 16 Buslinien auf Basis des nächtlichen Night-Liner-Netzes unterwegs sein und vom Hauptbahnhof aus sternförmig in alle Richtungen ausrücken. Abfahrt am Hauptbahnhof sei immer zur vollen Stunde. Zudem werde man versuchen, weitere Busse zu besetzen, um vielleicht sogar alle 30 Minuten eine Fahrt anbieten zu können. Auch die Deutsche Bahn und damit die S-Bahn sollen verkehren.

Auch die Münchner Verkehrsgesellschaft setzt auf Busse mithilfe privater Unternehmen. Allerdings sei hier nur ein stark eingeschränkter Betrieb möglich, zudem sei mit unregelmäßigen Abfahrten zu rechnen, schreibt die MVG im Internet. Auch bei der Tram hänge das Angebot vom verfügbaren Personal ab. Falls Fahrzeuge fahren könnten, würden sie auf der am stärksten nachgefragten Linie 20 in der Dachauer Straße eingesetzt.

Die U-Bahnen fahren nicht – aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Denn für den Betrieb sei genug Personal in der Leitstelle und genug Fahrpersonal notwendig. Ein Hoffnungsschimmer etwa für Studierende, die sich derzeit in der Klausurenphase befinden: Die von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen und die Regionalbusse sollen fahren.

Auch in Bayreuth sind nach Angaben der dortigen Stadtwerke Streiks geplant – und das sogar am Dienstag und am Mittwoch. Mithilfe von Bussen von Partnerunternehmen will die Stadt aber ein Grundangebot aufrechterhalten.

Wer mit dem Auto als Alternative plant, sollte viel Zeit mitbringen. Der Automobilclub ADAC rechnet mit deutlich mehr Verkehr und spürbaren Verzögerungen vor allem im Berufsverkehr. Bereits frühere Streiktage hätten gezeigt, dass sie zu mehr und längeren Staus führten, auf Autobahnen, Bundesstraßen und auf wichtigen Verkehrsachsen in den Städten. In München werde dies am Abend zudem auch das Fußballspiel im DFB-Pokal zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig betreffen. Staus rund um die Allianz-Arena bei der An- und Abreise seien vorprogrammiert.

668,75 Euro mehr pro Monat gefordert

In Bayern fordert Verdi unter anderem eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro für alle Tarifgruppen, dazu zählen Bus-, U-Bahn- und Tramfahrer, aber auch etwa Fahrscheinkontrolleure und Ingenieure. Die Lohnerhöhung würde bestehende Unterschiede im Lohngefüge ausgleichen – sowohl innerhalb der Werkstätten der Stadtwerke als auch bei den Einstiegsgehältern im Fahrdienst, die damit in Bayern an das Niveau in Baden-Württemberg heranrücken könnten. Zudem verlangt die Gewerkschaft eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit. Eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden und längere Ruhezeiten sollen die hohe Belastung im Schichtbetrieb reduzieren und sind ein zentraler Baustein des Gesundheitsschutzes.

Die bayerischen Städte weisen das als zu teuer zurück. Die Finanzlage vieler Kommunen ist wegen der stark gestiegenen Kosten ohnehin schlecht, im öffentlichen Nahverkehr sind die Defizite der kommunalen Verkehrsgesellschaften in den vergangenen Jahren gestiegen.

Der Tarifvertrag Nahverkehr gilt in Bayern laut Verdi für etwa 20 Unternehmen mit 9000 Beschäftigten. Den bislang letzten Tarifabschluss im bayerischen ÖPNV gab es 2023. Dieser „Tarifvertrag Nahverkehr“ (TV-N) war schon 2024 ausgelaufen. Verdi hatte sich damals jedoch entschieden, den bayerischen Tarif nicht separat neu zu verhandeln, sondern abzuwarten, bis auch in den übrigen Bundesländern wieder Verhandlungen anstehen.

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Starke Beeinträchtigungen beim letzten Mal

Beim Warnstreik vergangene Woche hatte es starke Beeinträchtigungen gegeben. In München waren U-Bahnen außer Betrieb, außerdem mit Ausnahme der Tramlinie 20 auch alle Straßenbahnen. Allerdings hielt die Verkehrsgesellschaft MVG den Busverkehr auf sämtlichen Linien aufrecht, wenn auch teilweise mit stark ausgedünntem Fahrplan. In Nürnberg standen U-Bahnen und Straßenbahnen ebenfalls still, das kommunale Verkehrsunternehmen VAG hielt einen Notfahrplan mit 16 Buslinien aufrecht.

Der Streik schlug dabei auch auf den Autoverkehr durch: In München stieg der Staulevel dem Verkehrsdatenexperten TomTom zufolge im morgendlichen Berufsverkehr auf mehr als das Dreifache des Jahresdurchschnitts für diese Uhrzeit.

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