Streichquartett-Wettbewerb in Bad TölzVier für die Musik-Utopie

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Das Alinea Quartett wurde in München gegründet.
Das Alinea Quartett wurde in München gegründet. Elza Loginova

Die „International String Quartet Competition Bad Tölz“ findet erst zum zweiten Mal statt. In der Klassikwelt hat der Preis bereits Gewicht.

Von Paul Schäufele

Braucht noch jemand Streichquartette? Oh ja, findet Krzysztof Chorzelski – und das nicht nur, weil er selbst in einem spielt. Für ihn, den Bratschisten des Belcea Quartets, steht das Spiel zu viert für eine Utopie, in der sich Menschen gegenseitig unterstützen und so Höchstes erreichen. „Ich kenne keine andere Zeit, zumindest nicht in meinem Leben, in der die nicht-utopische Welt, in der wir leben, diesen Geist dringender gebraucht hätte als jetzt“, schreibt er als Jury-Vorsitzender in einem Grußwort für den „International String Quartet Competition Bad Tölz“. Der in Jury wie Bewerber-Ensembles hochkarätig besetzte Wettbewerb geht nach der Ouvertüre 2023 in die zweite Ausgabe, von Freitag, 10. April, bis Sonntag, 12. April.

Das Interesse war groß, 35 Bewerbungen aus aller Welt sind eingegangen, das ist eine mehr als beim letzten Mal. Denn innerhalb kürzester Zeit hat der Tölzer Wettbewerb Strahlkraft gewonnen. Das dürfte auch am Gewinner von 2023 liegen. Damals machte das Chaos String Quartet das Rennen, nachdem es schon im Jahr zuvor einen dritten Preis beim Münchner ARD-Wettbewerb gewonnen hatte. Nach dem Preis in Tölz wurde es in den erlesenen Kreis der BBC New Generation Artists aufgenommen, wie vor ihnen etwa schon Lisa Batiashvili oder Benjamin Appl. Bad Tölz steht damit bereits jetzt in einer Reihe mit den anderen großen Quartett-Wettbewerben wie Banff oder Osaka.

Heuer kommen die Quartette etwa aus Spanien, Südkorea, der Schweiz, Japan oder Dänemark. Mit dem Alinea Quartett ist auch eine Gruppe vertreten, die in München gegründet wurde. Das Ensemble studiert derzeit an der Kunstuniversität Graz. Die Quartette sind jung – keiner der Teilnehmenden ist älter als 35 Jahre – und sind doch alle schon ausgezeichnet worden mit namhaften Kammermusik-Preisen. Bedingung für die Bewerbung war das aber nicht. Dazu musste ein Video eingesendet werden, das die achtköpfige Jury im Winter bewertet hat.

Auch diese Tölzer Jury garantiert dem Wettbewerb weit über die Region hinausreichende Wirkung. Neben Chorzelski vom Belcea Quartet sind unter anderem Oliver Wille vom Kuss Quartett dabei oder Mark Steinberg, der im Brentano String Quartet spielt und daneben an der New Yorker Juilliard School unterrichtet. Eine Besonderheit: Neben den Mitgliedern weltbekannter Quartette sitzen auch Andrea Hampl von der gleichnamigen Berliner Konzertagentur und Holger Busse, Geschäftsführer und Tonmeister des Klassik-Labels Genuin Classics.

„Unser Anliegen ist nicht nur der Wettbewerb“, erklärt Christoph Kessler, der als Vorsitzender des Vereins Klangerlebnis den Wettbewerb organisiert. „Wir wollen die Karrieren dieser jungen Quartette fördern.“ Den Kontakt zum Musikbetrieb sieht Kessler als „Starthilfe“, wie er sagt. Diese Starthilfe ist auch in der Liste der Wettbewerbspreise verankert: Die Erstplatzierten bekommen (neben einer Geldprämie von 12 000 Euro) eine Karriereberatung. Einer der Sonderpreise ist die Aufnahme eines Albums bei Genuin Classics.

Christoph Kessler will den jungen Quartetten Starthilfe geben.
Christoph Kessler will den jungen Quartetten Starthilfe geben. Manfred Neubauer

In drei Runden präsentieren sich die Quartette, mit Programmen, die sich nach den Repertoire-Vorgaben des Wettbewerbs richten. Die Freitagsrunde bestreiten die Ensembles mit Haydn und je einem frei gewählten Quartett aus Romantik und Moderne. Für diese Runde sind kostenlose Platzkarten erhältlich. Im Semifinale spielen die Teilnehmenden späten Mozart und die Auftragskomposition des Wettbewerbs, die der Schweizer Komponist Jean-Sélim Abdelmoula beigesteuert hat. Für diese Runde können Tickets gekauft werden, ebenso für das Finale, in dem die Kandidaten-Quartette je ein Bartók- und ein mittleres oder spätes Beethoven-Quartett aufführen.

„Jede Plattform, auf der sich junge Quartette vorstellen, ist gut“, sagt Christoph Kessler. Deshalb bleibt es nicht bei den drei Wettbewerbsrunden. Direkt ans Finale schließt sich noch eine Konzerttrilogie an mit den ersten drei Preisträgern, vom 13. bis 15. April – weil wir Streichquartette brauchen, mehr denn je.

International String Quartet Competition Bad Tölz + Preisträgerkonzerte, 10.– 15. April, Kurhaus Bad Tölz, Tickets unter www.muenchenticket.de

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