Straubing Mit dem Traumschiffchen über die Donau

Georg Bogner arbeitet seit einem Vierteljahrhundert als Fährmann - auf einer Fähre ohne Steuerrad und Motor, dafür mit Seil. Der Kapitän aus Niederbayern lässt sich von der Strömung über die Donau tragen.

Von Nadeschda Scharfenberg

Früher war Georg Bogner ein richtiger Kapitän. Zwar nicht auf einem Traumschiff, aber immerhin auf verschiedenen Flussschiffen. Er fuhr Kies hin und her, später lenkte er Personenschiffe über die Donau. Ein ehrwürdiger Binnenschifffahrtskapitän, so heißt das offiziell. Aber so richtig glücklich war Käpt'n Bogner nicht, "den ganzen Tag im weißen Hemd, das ist nichts für mich", sagt er.

Heute trägt er zwar immer noch ein Hemd, aber ein moosgrünes, dazu Jeans. Er ist jetzt nicht mehr Kapitän, sondern Fährmann. Auf einer Fähre ohne Steuerrad. Und ohne Motor. Leise plätschert die Donau, Vögel trällern in der Böschung, gerade ist keine Kundschaft da. Bogner, ein sehr niederbayerischer Niederbayer, hat Zeit zum Sinnieren: "Ich hob des gern da, muss i sogn."

Morgens setzt Fährmann Georg Bogner Berufspendler über, später kommen die Fahrradfahrer. Nur an kühlen Tagen ist nicht viel los.

(Foto: Nadeschda Scharfenberg)

25 Jahre ist das jetzt her, dass Bogner, heute 63 und kurz vor der Rente, binnen zwei Tagen vom Kapitän zum Fährmann umschulte. Seither ist sein Arbeitsplatz die Seilfähre über die Donau zwischen Mariaposching im Kreis Straubing-Bogen und Stephansposching im Kreis Deggendorf. Seit 1870 besteht die Fährverbindung, vor 35 Jahren übernahmen die Landkreise gemeinsam den Betrieb. Immer wieder kommen Gerüchte auf, dass die Behörden das "Fährgefäß", wie es im Amtsdeutsch so schön heißt, abschaffen wollen, aber Markus Fischer vom Landratsamt Straubing widerspricht: "Nein, nein, der Fährbetrieb ist gesichert." (Zeiten und Preise unter www.landkreis-straubing-bogen.de)

Ein alter Kahn auf der Donau

Hoch über die Donau ist ein 326 Meter langes Seil gespannt, an dem ein weiteres, bewegliches Seil befestigt ist. An diesem wiederum hängt die Fähre, ein alter Kahn, Baujahr 1927. Angetrieben wird sie allein durch die Strömung. Die Aufgabe des Fährmannes ist es, den Winkel mit Hilfe des Seils so einzustellen, dass die Strömung die Fähre erfasst und von Ufer zu Ufer trägt. Während der fünfminütigen Überfahrt ist es herrlich still, nur ab und zu rumpelt es, wenn Bogner mit einer Seilwinde das Schiff ein bisschen dreht. "Das hab ich im Gefühl, nachdenken muss ich da nicht", sagt er.

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Es ist ein ruhiger Tag für Georg Bogner in diesem miesepetrigen Sommer. Die Berufspendler, in der Früh seine ersten Kunden, sitzen längst in ihren Büros, die Ausflügler, vor allem die Radfahrer, die bei schönem Wetter die Fähre bevölkern, sind bei Wind und Wolken lieber zu Hause geblieben. Ein älterer Herr, zu Fuß unterwegs, steigt in Mariaposching zu, mit einer Tüte voller leerer Flaschen. Er will zum Einkaufen auf die andere Seite, "bei uns gibt's ja nix", murrt er. Die Autofahrerin, die in umgekehrter Richtung übersetzt, hat auf dem Beifahrersitz einen vollen Einkaufskorb stehen.

Die weiteren Fahrgäste in den nächsten 90 Minuten: eine Halbtagskraft auf dem Heimweg, ein Bauer mit Bulldog, der eine Fuhre Alteisen zu entsorgen hat, eine Familie auf dem Weg in den Kurzurlaub, ein Transporter vom Landratsamt. Und ein Kleinunternehmer, der auf der Landesgartenschau in Deggendorf Schnaps in Dosen verkauft. Zwischen den Fahrten: warten, schauen, Radio hören. Viermal hin, dreimal her in eineinhalb Stunden - das ist mau für einen Sommertag. "Bei Sonne hast' keine Sekunde, wo's stehst", sagt Bogner. Er und seine beiden Kollegen, mit denen er sich die Schichten teilt, bringen pro Jahr 20 000 Fahrgäste von Ufer zu Ufer.

Vieles ist geblieben, wie es immer war

Mariaposching, Stephansposching, Mariaposching, Stephansposching, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Geändert hat sich wenig, seit er hier angefangen hat, sagt Bogner. Gut, die Seilwinde wird seit einiger Zeit von einer Solarzelle angetrieben. "Und die Autos sind breiter geworden." Früher passten zwei nebeneinander aufs Deck, jetzt nicht mehr. Können halt nur noch vier Pkw mitfahren statt acht. Außerdem gibt es öfter Partyvolk, das nachts auf den Kahn klettert und Flaschen und McDonald's-Tüten liegen lässt. Und, noch so eine Mode: Immer mehr Reiter setzen mit ihren Pferden über. "Die lassen gerne mal was fallen", sagt Bogner. "Und ich muss wegputzen." Sonst ist alles geblieben, wie es immer war.

Manchmal aber, da passiert etwas Besonderes. Einmal zum Beispiel kam ein Paar zum Heiraten. Bogner musste die Fähre in der Mitte der Donau quer stellen und anhalten, für eine Zeremonie wie auf dem Traumschiff. Mit Kapitän in Uniform. Das Brautpaar hatte sich dafür einen eigenen Mann mitgebracht. Bogner und die weißen Hemden, das ist so a Sach.

Für den Tipp bedanken wir uns bei Karin Lein aus Deggendorf.