Süddeutsche Zeitung

Straubing:"Entweder du triffst die Schüssel oder zahlst mir 20 Euro"

Sie ist Modeberaterin, Sanitäterin und wenn nötig auch Gouvernante: In der Diskothek "Stars" kümmert sich eine Klofrau um viel mehr als nur um Toiletten - und hat darüber ein Buch geschrieben.

Über das unliebsame Phänomen des Wildbieselns wurde an dieser Stelle schon umfassend berichtet, es ging um den Auftakt der Volksfestsaison und das Lamento von Veranstaltern, wonach Gäste ihr Geschäft nicht dort verrichten, wo es vorgesehen wäre. Tatsächlich sind manche Festwirte selbst schuld daran, weil sie zu wenig Toiletten aufstellen, und ja keiner warten will. Oder kann, nach etlichen Mass Bier.

Hinzu kommt aber wohl der Geiz der Leute, die der Klofrau - oder dem Klomann - keinen Obolus gönnen für die verdienstvolle Arbeit. Und die sich an den dreisten Spruch aus manchem Klobüchlein halten: "Will die Klofrau zu viel Mäuse, mach' ihr einfach vors Gehäuse!" Daher nun die Ehrenrettung für die Zunft: Klopersonal gehört zu den Helden des Alltags. Selbst ein Sanitärzerberus, der allzu mürrisch vor sich hin putzt, hat Trinkgeld verdient! Von denen, die mehr bieten, ganz zu schweigen.

Damit nach Straubing und zu Helga Bauermann. Die 62-Jährige arbeitet an Wochenenden in der Diskothek "Stars". Sie wusste, worauf sie sich einlässt, hatte sie doch davor schon auf dem Gäubodenfest gearbeitet. Ihr Portfolio ist enorm: Sozialarbeiterin und Trösterin, wenn selbst reichlich Wodka-Bull nicht den Liebeskummer einzudämmen vermag. "Besonders die Mädels schütten mir weinend ihr Herz aus."

Die zehnfache Oma ist als Modeberaterin tätig oder Sanitäterin. Wenn nötig, als Gouvernante - falls sich einer übergeben muss: "Sehe ich einen Burschen, der speiben will, dann sag ich: Entweder du triffst die Schüssel oder zahlst mir 20 Euro." Die allermeisten träfen dann. Man weiß das, weil Bauermann nun ein Buch veröffentlicht hat: "Lassen Sie mich durch - Ich bin Klofrau."

Vielleicht ist es die Mischung aus Milde und Strenge, die man im Job braucht. Schließlich hat keiner was davon, wenn das Personal nur, sagen wir mal, scheißfreundlich ist, aber Anarchie duldet. Andererseits ist Umgänglichkeit unabdingbar. Beim Weinfest in Landau an der Isar im Sommer soll eine Klofrau handgreiflich geworden sein, nachdem eine Besucherin gerügt hatte, dass Frauen zahlen müssen und Männer nicht. Ebenso rigoros ist die Ansage, die in einem österreichischen Wirtshauslied vorkommt: "Gibt er mir kein Trinkgeld, dann kriegt er von mir - statt an seidnen a Schmirglpapier."

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SZ vom 23.08.2019/amm
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