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Straubing:"D'Leit muassd mögn"

'Bairische Sprachwurzel' für Pfarrer Schießler

Rainer Maria Schießler ist nicht nur Pfarrer zweier Münchner Gemeinden, er kellnert auch auf dem Oktoberfest.

(Foto: dpa)

Rainer Maria Schießler ist Münchens bekanntester Pfarrer, der das Evangelium nach wie vor in feinem altem Stadtdialekt verkündet. Dafür wird er jetzt mit der Bairischen Sprachwurzel geehrt.

Der feine alte Stadtdialekt ist in München schon fast verschwunden, ein kunterbuntes Sprachgemisch hat ihn verdrängt. Umso erstaunlicher, dass der bekannteste Münchner Pfarrer das Evangelium nach wie vor in einem sehr münchnerischen Tonfall verkündet. Für diese sprachliche Beharrlichkeit hat Rainer Maria Schießler nun die Bairische Sprachwurzel erhalten, die alljährlich beim Straubinger Gäubodenvolksfest verliehen wird.

In den vergangenen Jahren wurden ausschließlich Kabarettisten und Musikanten mit diesem Preis geehrt. Außerhalb des Kleinkunst-Biotops finden sich nämlich kaum noch Prominente, die sich in der Öffentlichkeit authentisch im Dialekt äußern - eine Grundvoraussetzung für diese Auszeichnung, die der Bund Bairische Sprache vergibt.

Dessen Vorsitzender Sepp Obermeier würdigte vor allem Schießlers Auftreten in der BR-Sendung "Jetzt red i", die zu einer "Sternstunde des Dialekts" geworden sei, etwa durch das priesterliche Bekenntnis: "Sakramente muasst spürn, Liturgie derf ned wehdoa und d'Leit muassd mögn." Der Münchner Historiker Ludwig Holzfurtner sagte in seiner Laudatio, der Dialekt sei Teil von Schießlers Persönlichkeit und Identität und er passe trotz des vielfältigen Drucks der Moderne durchaus zu seiner seelsorgerischen Strategie.

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Vor zehn Jahren hatte schon einmal ein Mann der Kirche die aus Glas geformte Sprachwurzel erhalten, nämlich Papst Benedikt XVI. Diese Parallelität verleitete den Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr in seiner Rede zu einem ironischen Seitenhieb auf den in der Amtskirche oft aneckenden Schießler: "Das hätten S' nicht gedacht, dass Sie mal der Nachfolger vom Papst Benedikt werden, gell?" Schießler bewies freilich umgehend, dass auch er nicht aufs Maul gefallen ist und fragte Pannermayr zurück, auf dessen neue, noch gstarrade Lederhose eingehend, ob er, wenn er mit dieser nicht sitzen könne, auf dem Gäubodenvolksfest nur Stehmassn zu trinken gedenke.

Überhaupt war Schießler bei seiner Dankesrede kaum zu bremsen. Einmal in Schwung gekommen, holte er zu einer lockeren Grundsatzrede aus, in der er nahtlos von der Geschichte und Bedeutung des Dialekts zu den Grundfragen moderner Theologie und Politik überleitete. Aus diesen Erörterungen ging zum Beispiel hervor, dass die Bayern gerne im Konjunktiv beten, weil es ihrem Wesen entspreche und dass Dialekt nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun habe. Das Publikum bedachte den Vortrag mit kräftigen Ovationen, woraufhin Sprachvereinschef Sepp Obermaier Schießler als den "bisher authentischsten Preisträger überhaupt" pries - und so mancher Zuhörer seufzte: "Is des ein varreckter Hund! Mei, so an Pfarrer wenn wir hätten!"

Der 56-jährige Pfarrer, der zu den bekanntesten Kirchenmännern in Bayern zählt, leitet seit 1993 die Pfarrei St. Maximilian in München, seit 2011 ist er auch für die Heilig-Geist-Gemeinde am Viktualienmarkt zuständig. Bekannt wurde er auch durch seine Tätigkeit als Kellner auf dem Oktoberfest. Vor einigen Monaten erschien sein Buch "Himmel, Herrgott, Sakrament", in dem er sich kritisch mit der Erosion der Kirche und mit der Frage nach Veränderungen auseinandersetzt.

Das Gäubodenvolksfest in Straubing ist am Samstag von Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) eröffnet worden. Bis zum 22. August werden zum zweitgrößten Volksfest in Bayern bis zu 1,4 Millionen Besucher erwartet. Parallel läuft die Ostbayernschau mit 750 Ausstellern. Als Konsequenz auf die jüngsten Terroranschläge sind die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Fest verstärkt worden: Die Besucher erleben mehr Polizei, mehr private Sicherheitsfirmen sowie mehr Personen- und Taschenkontrollen.

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