Stimmkreise Der Super-Grüne

Patrick Friedl hat in Würzburg ein Direktmandat gewonnen, als einziger Nicht-CSUler außerhalb Münchens. Aber knapp war es auch anderswo

Die Direktmandate in Bayern - außerhalb Münchens - gehen wohl alle an die CSU. Vermutlich bis auf eines. Doch spannend war es in vielen Städten.

Patrick Friedl könnte in Würzburg für eine Überraschung sorgen.

(Foto: Niklas Wunderlich/oh)

Würzburg: CSU-Landtagspräsidentin Barbara Stamm wohnt in Würzburg und war bei der vergangenen Wahl unterfränkische Stimmenkönigin, hat aber auf einen eigenen Stimmkreis verzichtet. Wie schon bei den beiden vorherigen Wahlen trat Oliver Jörg in Würzburg-Stadt an. Der hatte das Direktmandat 2008 und 2013 gewonnen, dieses Mal aber schon im Wahlkampf geahnt, dass es eng werden würde. Nun hat der 1972 im baden-württembergischen Aalen geborene Jurist, der seit 18 Jahren in Würzburg lebt und sich dort vom JU-Ortsvorsitzenden über den Kreisvorsitz bis zum Landtagsabgeordneten hochgearbeitet hat, sein Mandat an Patrick Friedl von den Grünen verloren. Bei der Auszählung lag Friedl anfangs mehr als zehn Prozentpunkte vorn, am Schluss waren es nur noch 0,7 Prozentpunkte. Friedl erreichte 29,9 Prozent der Stimmen, Jörg 29,2. Der 48-jährige Friedl ist ebenfalls Jurist, sitzt seit 2008 im Würzburger Stadtrat und hatte bei der vorherigen Landtagswahl 16,1 Prozent bekommen. Er ist Sprecher des Volksbegehrens "Klimaschutz in die Verfassung", das die vollständige Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien erreichen will.

Nürnberg: Was auch immer der Abend noch bringe, sagt Markus Ganserer, der Grünen-Bewerber in Nürnberg-Nord, "das ist ein ganz wunderbarer Abend für uns Grüne". Als Ganserer das sagt, sind gerade Zweidrittel der Stimmen in Nürnberg-Nord ausgezählt. Im historisch heftig umkämpften Stimmkreis war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CSU, der SPD und den Grünen erwartet worden. Immerhin trat dort mit Arif Tasdelen ein prominenter Sozialdemokrat an, der erste Abgeordnete mit türkischen Wurzeln überhaupt. Tasdelen aber spielte im Kampf um den Sieg den ganzen Abend lang keine Rolle, ein Desaster für die Nürnberger SPD. Tasdelen lag permanent weit hinter Ganserer und weit hinter der CSU-Kandidatin Barbara Regitz, einer Nürnberger Stadträtin, die erstmals für ein Landtagsmandat kandidiert hat. Sie hatte sich vor Sonntag optimistisch gezeigt, wusste aber natürlich auch, dass Nürnberg-Nord in der Vergangenheit öfters verloren ging. Aber eben an die SPD, nicht an die Grünen. Am Ende fehlten Ganserer keine zwei Prozentpunkte auf seine Mitbewerberin Regitz, die mit 27,8 Prozent den Stimmkreis gewann. Der glaubt, so oder so, Historisches geleistet zu haben in der historischen Arbeiterstadt Nürnberg. "Ein solches Ergebnis hatten wir Grüne in Nürnberg nie."

Jürgen Mistol lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Regensburg.

(Foto: Landtag)

Regensburg: Franz Rieger (CSU) gab sich entspannt, als er nach der ersten Prognose vor die Kamera trat. Mit Blick auf eine mögliche Koalition mit den Freien Wählern sagte Rieger: "Wichtig ist, dass wir eine stabile bürgerliche Regierung bilden können." Doch als kurz danach die ersten Ergebnisse aus Riegers Stimmkreis durchsickerten, dürfte dem Regensburger CSU-Direktkandidaten das Herz in die Hose gerutscht sein. Plötzlich war nicht mehr klar, ob Rieger einer Regierungskoalition überhaupt angehören würde. Man muss wissen: Im Zusammenhang mit der Regensburger Korruptionsaffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Rieger, der seit 2008 im Landtag sitzt. Weil Rieger bereits bei der Landtagswahl 2013 das schwächste Ergebnis (42 Prozent) aller Oberpfälzer CSU-Direktkandidaten hatte, stand vor der Wahl die Frage im Raum: Kosten ihn die Ermittlungen sein Mandat? Denn es zeichnete sich den ganzen Abend über ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Grünen-Direktkandidat Jürgen Mistol ab. Nach der endgültigen Auszählung konnte Rieger aufatmen: Er konnte sich sein Direktmandat mit 28,2 Prozent sichern.

Landshut: Auch in Landshut spielte sich ein enges Rennen ab. Zwischenzeitlich lag Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger mit gut 30 Prozent knapp vor seinem CSU-Konkurrenten Helmut Radlmeier. Dass es eng werden könnte, damit hatten die Landshuter gerechnet, da Radlmeier vor zwei Jahren bereits die Oberbürgermeisterwahl gegen den FDP-Kandidaten Alexander Putz verloren hatte. Und Aiwanger ist als Spitzenkandidat der Freien Wähler recht bekannt. Am Ende gewann Radlmeier den Stimmkreis dann aber doch noch relativ deutlich.