Stilkritik: Markus Söder:Der Django der CSU

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Markus Söder ließ sich im Urlaub ein "Sommerbärtchen" stehen - einzig und allein, um der CSU-Stilikone Karl-Theodor zu Guttenberg mal eins auszuwischen.

Christian Mayer

Zu den Verdiensten von Markus Söder zählt, dass er den senfbraunen Anzug in der CSU salonfähig gemacht hat. Der bayerische Umweltminister, der ja nicht ganz zufällig für den Senf im Freistaat zuständig ist (ein Erbe seiner fulminanten Tätigkeit als christsozialer Generalsekretär), hatte schon immer ein Faible für knallige Auftritte.

Stilkritik: Markus Söder: Markus Django Söder - frisch zurück aus dem Türkei-Urlaub.

Markus Django Söder - frisch zurück aus dem Türkei-Urlaub.

(Foto: Foto: dpa)

Als es vor zwei Jahren mit seiner Karriere als großfränkischer Staatsmann nicht so richtig weiterging, ließ er sich dicke Koteletten wachsen, die wenig später Cem Özdemir von den Grünen dazu inspirierten, sich als backenbärtiger Rebell mit Migrationshintergrund zu inszenieren.

Damit war kurzzeitig Schluss, als Söder Staatsminister wurde; die senfbraunen Anzüge blieben im Schrank, die Wangen glattrasiert. Doch nun, kurz vor der Bundestagswahl, ist wieder alles anders: Als Politiker muss man jetzt unbedingt auffällig werden.

Im Türkei-Urlaub, den der Politiker mit seiner Frau Karin und den Töchtern verbrachte, ließ er sich ein "Sommerbärtchen" stehen. Das hat er der Bild-Zeitung verraten. Ein "Sommerbärtchen", wie verschämt es auch wirken mag, verleiht dem Gesicht eine gewisse Kontur und die Andeutung eines Profils. Eigenschaften, die sein heißgeliebter Parteifreund Karl-Theodor zu Guttenberg bereits besitzt - und darauf kommt es an.

Der 42-Jährige trägt die Barttracht allein deshalb, um den für seine Frisur und seine Anzüge gerühmten Bundeswirtschaftsminister endlich mal abzuhängen. So was soll sich der Guttenberg mal trauen!

Das "Sommerbärtchen" wird gewiss dazu beitragen, seinen Träger einmal mehr als Django der CSU zu profilieren, als fränkischen Franco Nero, der irgendwann doch noch mal an allen vorbeizieht, die sich ihm in den Weg gestellt haben. Hauptsache, er kann dabei noch in den Spiegel schauen.

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