In Aschaffenburg, Schweinfurt, Bayreuth, Hof, Erlangen und Nürnberg stehen am Sonntag sechs Duelle bevor, sechsmal CSU gegen SPD, sechsmal kann sich keiner der Duellierenden sicher sein. Und dann gibt es da noch die Sonderfälle Bamberg, Ansbach und Kulmbach. Ein Rundblick.
Aschaffenburg
Historisches könnte sich am Sonntag in Aschaffenburg zutragen. Sollte CSU-Kandidat Markus Schlemmer, der im ersten Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte, als Sieger aus der Stichwahl hervorgehen, so wäre er der erste christsoziale Oberbürgermeister Aschaffenburgs seit mehr als 70 Jahren.
Kommunalpolitisch gilt Aschaffenburg als rote Hochburg. Die prägenden Rathauschefs der Nachkriegsgeschichte gehörten allesamt nicht der CSU an: Sozialdemokrat Willi Reiland begründete 1970 eine Ära, danach folgen die Sozialdemokraten Klaus Herzog und der amtierende OB Jürgen Herzing. Zwar war Aschaffenburgs dominierender Rathauschef in den Jahren nach dem Krieg, Vinzenz Schwind, ursprünglich CSU-Mitglied. Dies aber nur bis 1952. Nach einem Zerwürfnis mit der Partei trat er danach für eine „Überparteiliche Einheitsliste“ an – und siegte gegen die CSU.
Ohnehin war Schwind anfangs, in seiner CSU-Zeit, noch vom Stadtrat zum OB erkoren worden. CSU-Kandidat Schlemmer wäre im Falle einer Wahl folglich sogar der erste direkt gewählte CSU-Oberbürgermeister seit 1945. Seine Chancen stehen gut. Zwar gilt Aschaffenburg aufgrund der Nähe zu Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet als urbaner, als es die 73 000 Einwohner vermuten lassen. Die CSU tut sich in diesem Milieu traditionell schwer. Mit dem örtlichen Chef der Kriminalpolizei, Schlemmer, ist der CSU aber ein Kandidaten-Coup geglückt.
Mit 41,1 Prozent lag er beim ersten Wahlgang fast drei Prozentpunkte vor dem amtierenden SPD-Rathauschef Herzing, der am Wahlabend sichtbar angeschlagen wirkte. Ob also ein historisches Ergebnis ins Haus steht? Wagt am Untermain kaum einer mit Gewissheit vorauszusagen.
Schweinfurt
Während der SPD in Aschaffenburg ein schwerer Tiefschlag droht, könnte in Schweinfurt eine tiefe Wunde der Sozialdemokratie geschlossen werden. Das Rathaus in Schweinfurt, in der Industriestadt Nordbayerns schlechthin, galt bis 1992 für die CSU als nahezu uneinnehmbar. Sämtliche Oberbürgermeister waren bis dahin immer Sozialdemokraten.
In der heraufziehenden Krise der Wälzlagerindustrie aber wechselten die Schweinfurterinnen und Schweinfurter die Partei. Mit Gudrun Grieser gewann 1992 sensationell eine CSU-Frau das Rathaus am Main. Danach blieb es 34 Jahre in christsozialer Hand. Nachdem CSU-Amtsinhaber Sebastian Remelé angekündigt hatte, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen, rechnete sich sogar die AfD Chancen aus, zumindest auf eine Stichwahl. Zwar gelang der Partei im Stadtrat eines ihrer besten Ergebnisse bayernweit, die AfD kommt dort auf 19,1 Prozent. Ihr OB-Kandidat, ein Hochschullehrer, aber verfehlte den zweiten Platz um mehr als sieben Prozentpunkte.
In die Stichwahl geht SPD-Mann Ralf Hofmann als klarer Favorit. Nicht nur lag er in der ersten Runde mehr als 14 Prozentpunkte vor CSU-Bewerber Oliver Schulte. Auch gelang es der SPD im Stadtrat – gegen den bayernweiten Trend – mehr als acht Prozentpunkte zuzulegen. In der wohl schwersten Industriekrise der Stadt seit den Neunzigerjahren scheint die historische Arbeiterpartei SPD in Schweinfurt also wieder an Statur zu gewinnen.
Bayreuth
Auch Bayreuth war lange rote Hochburg, die Sozialdemokraten stellten sämtliche prägenden Rathauschefs der Nachkriegszeit. Mit Michael Hohl gelang es der CSU zwar 2006, das Rathaus für sich zu gewinnen. Eine Ära aber war ihm nicht vergönnt – nach nur einer Amtszeit wurde er abgewählt.
Dies droht nun auch dem amtierenden CSU-Oberbürgermeister, dem 68 Jahre alten Thomas Ebersberger. Mit knapp 35 Prozent lag der SPD-Herausforderer Andreas Zippel, promovierter Jurist, im ersten Wahlgang mehr als sechs Prozentpunkte vor dem Amtsinhaber.
Eine CSU-Schlappe trotz Amtsbonus wäre in der Hauptstadt Oberfrankens keine Sensation. Schon vor dem ersten Wahlgang galt Zippel, 34, als leicht favorisiert. Die CSU hatte sich in einer Debatte um ein Baugebiet über Monate Vorhaltungen ausgesetzt gesehen. Wegen des Vorwurfs nicht mitgeteilter Befangenheit vor einer Abstimmung hatte der Stadtrat gegen zwei CSU-Räte ein Ordnungsgeld verhängt. Die Affäre hatte die Stimmung vor der Wahl nachhaltig geprägt, viele plädieren überdies für einen Generationenwechsel an der Stadtspitze.
Hof
Exakt andersherum stehen die Vorzeichen in Hof. Mit der Sozialdemokratin Eva Döhla wird das Hofer Rathaus bereits zum zweiten Mal von einer Person dieses Nachnamens regiert. Dieter Döhla (SPD), der Vater der Oberbürgermeisterin, regierte bis 2006 insgesamt 18 Jahre und prägte die Jahre der Grenzstadt nach dem Fall der Mauer.
Nach dem ersten Wahlgang aber ist die Amtsinhaberin in der Defensive. Im ersten Wahlgang lag der CSU-Herausforderer Stefan Schmalfuß mehr als fünf Prozentpunkte vor der amtierenden Oberbürgermeisterin, obwohl die Grünen keinen eigenen OB-Kandidaten aufgestellt hatten. Schmalfuß leitet seit 28 Jahren das Central-Kino in Hof, den zentralen Spielort der renommierten „Hofer Filmtage“.
In der tendenziell strukturschwachen und von demografischem Wandel geprägten Stadt könnten die Zeichen damit auf erneutem Wandel stehen. Seit 1950 folgt in Hof auf die Amtszeit eines SPD-Oberbürgermeisters stets ein Rathauschef mit CSU-Parteibuch.
Nürnberg
Eher nicht auf Wandel scheinen die Zeichen nach dem ersten Wahlgang in Nürnberg zu stehen. Zwar hoffen die Sozialdemokraten noch immer, die erste politische CSU-Ära der Nachkriegsgeschichte verhindern zu können. Vor CSU-Amtsinhaber Marcus König war es nur einem christsozialen Bewerber gelungen, Oberbürgermeister von Nürnberg zu werden. Der aber war nach nur einer Amtszeit wieder abgewählt worden. Eine zweite Amtsperiode eines CSU-Bewerbers wäre also historisch.
Bei der CSU aber ist nach dem ersten Wahlgang der Sekt bereits kaltgestellt. König lag im ersten Wahlgang nahezu 20 Prozentpunkte vor Nasser Ahmed (SPD). Und der SPD-Kandidat kann, anders als der SPD-Bewerber im nahen Erlangen, nicht auf eine Empfehlung der Grünen hoffen. Die Sozialdemokraten und vor allem deren Dritter Bürgermeister galten in Nürnberg lange als maßgebliche Verfechter für einen innerstädtischen Ausbau des „Frankenschnellwegs“. Einer der Punkte, die die beiden Parteien weit voneinander entfernt hat.
Erlangen
Ebenfalls CSU gegen SPD heißt es in Erlangen. Dort könnte das Duell am Sonntag mit am knappsten ausfallen. Anders als in den anderen großen Städten Frankens ist in Erlangen vor der Stichwahl eine klassische Lagerbildung zu beobachten. Die konservativen Stadtratsparteien positionieren sich klar für CSU-Herausforderer Jörg Volleth.
Die in Erlangen starken Grünen wiederum stehen deutlich hinter SPD-Amtsinhaber Florian Janik. Der lag nach dem ersten Wahlgang mehr als sechs Prozentpunkte hinter seinem Herausforderer und ist folglich in der Defensive. Janik hat aber seit 2014 bereits zwei OB-Stichwahlen sieghaft bestritten.
Die politische Lagerbildung in Erlangen hat einen offensichtlichen Grund: Der Bürgerentscheid über die heftig umstrittene Stadt-Umland-Bahn hat die Stadt in zwei gesellschaftliche Lager gespalten. Der Entscheid von 2024 fiel zwar mit 52 Prozent knapp zugunsten der Drei-Städte-Tram aus. Die städtische Haushaltskrise aber verschaffte den Gegnern anschließend wieder Aufwind. Die örtliche CSU und ihr OB-Bewerber Volleth gelten – anders als Parteichef Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann – als Skeptiker des Infrastrukturprojekts.
Bamberg
Sechsmal CSU gegen SPD also in Frankens großen Städten. Die Ausnahme ist Bamberg. Nach einem hoch spannenden Triell ist die CSU-Bewerberin und ehemalige Ministerin Melanie Huml dort bereits im ersten Wahlgang gescheitert. Und damit ausgerechnet jene Bewerberin, der die meisten politischen Beobachter einen sehr wahrscheinlichen Platz in der Stichwahl vorausgesagt hatten.
Während sich die Grünen in anderen Städten Frankens vor dem zweiten Wahlgang lediglich vor die Frage gestellt sehen, inwiefern sie einen der Bewerber aktiv empfehlen, ist ihr Kandidat Jonas Glüsenkamp in Bamberg nach dem ersten Wahlgang in Führung gegangen – wenn auch lediglich 1,3 Prozentpunkte vor dem SPD-Bewerber Sebastian Niedermaier.
Würde Glüsenkamp gewinnen, wäre er der zweite grüne Oberbürgermeister in Bayern nach Würzburgs Rathauschef Martin Heilig. Würde Niedermaier gewinnen, käme dies einer staunenswerten Wiederauferstehung der Bamberg-SPD gleich. Die schien nach der sogenannten Rathaus-Boni-Affäre am Boden zu liegen, der scheidende Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) akzeptierte überdies insgesamt zwei Strafbefehle gegen sich. Auf einen Sieg eines SPD-Bewerbers dürfte 2022, nach dem zweiten Strafbefehl, kaum noch jemand höhere Summen gesetzt haben.
Ansbach
Am wenigsten Spannung in den großen Städten Frankens verspricht wohl die OB-Wahl in Ansbach. Nach dem ersten Wahlgang lag CSU-Amtsinhaber Thomas Deffner in Mittelfrankens Hauptstadt knapp 24 Prozentpunkte vor dem Zweitplatzierten Hans-Jürgen Eff von der unabhängigen Gruppierung „Die Ansbacher“. Inzwischen hat sich sogar die SPD für den Amtsinhaber ausgesprochen, alles andere als ein klarer Sieg Deffners wäre demnach eine Überraschung.
Ganz anders liegen die Dinge im Landkreis Ansbach. Im flächenmäßig größten Kreis des Freistaats ist die medizinische Versorgung auf dem Land ein dominierendes Thema, Debatten um eine mögliche Schließung kleinerer Kliniken prägten die vergangenen Jahre. CSU-Amtsinhaber Jürgen Ludwig bekam das im ersten Wahlgang offenbar schmerzhaft zu spüren, er landete fast 13 Prozentpunkte hinter dem Erstplatzierten Marco Meier von den Freien Wählern. In der Geschichte des Kreises gab es bislang ausschließlich CSU-Landräte. Würde sich das nun ändern, wäre auch dies historisch.
Kulmbach
Trösten könnte sich Landrat Ludwig im Falle einer Niederlage lediglich mit einem Blick in die Stadt Kulmbach. Nach einer Folge unglücklicher Stadtdebatten schaffte es Amtsinhaber Ingo Lehmann (SPD) dort nicht einmal in eine Stichwahl und landete beim ersten Wahlgang mehr als zwölf Prozentpunkte hinter dem Zweitplatzierten Frank Wilzok von der CSU. In der Stichwahl tritt Wilzok an gegen Ralf Hartnack von der „Wählergemeinschaft Kulmbach“.






