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Stichwahlen auf dem Land:Hörmann scheitert im Oberallgäu

CSU behauptet aber viele christsoziale Landratsbastionen

Bei den etwa 750 kommunalen Stichwahlen in Bayern waren am Sonntag zig Millionen Menschen aufgerufen, die politischen Weichen in ihren Kommunen neu zu stellen. Erstmals konnten die Wähler nicht in ein Wahllokal gehen. Sie mussten wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus ihre Stimmzettel ausschließlich per Brief abgeben. Im ersten Wahlgang am 15. März waren die Wahllokale noch normal geöffnet gewesen.

Bei den Landräten gibt es im Oberallgäu eine Überraschung: Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Kandidat der CSU, verlor überraschend gegen seine Kontrahentin Indra Baier-Müller (FW). Sie holte 51,85 Prozent. Hörmann, der sich zuletzt in Quarantäne begeben musste, weil sein Sohn positiv auf Corona getestet worden war, war als Favorit in die Stichwahl gegangen. Er ist in der Region schon lange in der Lokalpolitik tätig, musste sich jedoch immer wieder der Kritik erwehren, dass er auch im Fall seiner Wahl nicht als DOSB-Präsident aufhören wollte. Nun kann er sich weiter auf das Amt konzentrieren. Und die langjährige Ära der CSU an der Spitze des Landkreises ist vorbei.

Nachdem Alex Eder im Wettstreit um den Landratsposten im Unterallgäu denkbar knapp mit 50,0 Prozent der Stimmen in die Stichwahl musste, hat er diese nun klar für sich entschieden. Der FW-Kandidat holte 80,1 Prozent, sein Herausforderer Rainer Schaal von der CSU lag bei 19,1 Prozent. Eder folgt seinem Parteifreund Hans-Joachim Weirather im Amt. Im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen wird künftig ebenfalls ein Freier Wähler regieren: Albert Gürtner setzte sich mit 51,5 Prozent gegen Martin Rohrmann (CSU) durch und tritt am 1. Mai die Nachfolge des christsozialen Landrats Martin Wolf an.

Dagegen hat Andrea Jochner-Weiß (CSU) ihr Amt als Landrätin von Weilheim-Schongau verteidigt. In der Stichwahl distanzierte sie den Grünen Karl-Heinz Grehl mit 65,9 Prozent klar und bleibt weitere sechs Jahre im Amt. Der bevölkerungsreiche Landkreis Rosenheim bleibt ebenfalls Bastion der CSU. Zwar steigerte sich die grüne Kandidatin Ursula Zeitlmann von 16 Prozent im ersten Durchgang auf rund 31 Prozent in der Stichwahl. Diese gewann damit aber der bisherige Landtagsabgeordnete Otto Lederer, der so die in Rosenheim seit der Nachkriegszeit ununterbrochene Reihe der CSU-Landräte fortsetzt.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich Alexander Anetsberger (CSU) und Alfons Frey (FW) im Landkreis Eichstätt. Mit 52 Prozent hatte der bisherige Beilngrieser Bürgermeister Anetsberger das bessere Ende. Er folgt auf seinen Parteifreund Anton Knapp und setzt die Reihe der Eichstätter CSU-Landräte fort. Auch das seit 1972 von CSU-Landräten regierte Berchtesgadener Land bleibt in christsozialer Hand. Neuer Landrat ist Bernhard Kern, bisher Bürgermeister von Saaldorf-Surheim. Er gewann die Stichwahl mit vergleichsweise knappen 58,7 Prozent. Sein grüner Gegenkandidat Bartl Wimmer errang im tiefschwarzen Südosten mit 41,3 Prozent einen Achtungserfolg. Kern folgt auf seinen Parteifreund Georg Grabner, der nach 18 Jahren im Amt nicht mehr antrat.

Im unterfränkischen Kreis Würzburg folgt Thomas Eberth (CSU) auf seinen Amtsvorgänger Eberhard Nuß (CSU), der nicht mehr zur Wahl angetreten war. Eberth setzte sich mit 64,3 Prozent klar gegen Karen Heußner (Grüne) durch. Auch der Landkreis Main-Spessart wird künftig von der CSU regiert, die damit eine Hochburg der FW einnimmt. Allerdings war der Erfolg der etablierten Vize-Landrätin Sabine Sitter erwartet worden. Sie gewann mit 60,3 Prozent gegen den FW-Bewerber Christoph Vogel.

© SZ vom 30.03.2020 / ffu, kpf, prz

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