Stellenabbau bei Airbus Zwischen Schockstarre und Verärgerung

Die Mitarbeiter in Manching bekommen von den politischen Beileidsbekundungen nichts mit. Fast 3000 von ihnen sind am Dienstagnachmittag in die Lackierhalle gekommen, um zu hören, was ihnen Bernhard Gerwert, der Chef der Airbus-Rüstungssparte, zu sagen hat. Ihre Stimmung changiert zwischen Schockstarre und Verärgerung, wie es heißt. Auch Pfiffe gibt es. An der Entschlossenheit des Unternehmens dürften sie kaum etwas ändern. Gerwert kündigt an, dass er betriebsbedingte Kündigungen vermeiden wolle. Ausschließen kann er sie nicht. Die Zielmarke bleibt: 1010 Stellen bis 2017.

So lange sind die Auftragsbücher noch gut gefüllt. Der Eurofighter wird hier montiert, die Bundeswehr lässt ihre Maschinen warten. Manching sei nicht nur der größte Standort, sondern auch einer der profitabelsten, sagt Betriebsratschef Pretzl: "Die Kollegen kommen am Wochenende rein und machen Überstunden."

Wie das Pensum mit einer derart geschrumpften Belegschaft zu bewältigen sein soll, sei ihm ein Rätsel. Tatsache ist aber auch, dass die Auftragslage nach 2017 anders aussehen wird. Die letzte Tranche des Eurofighters wurde vom Verteidigungsministerium bereits vor zwei Jahren abbestellt, ein Milliardengeschäft war damit geplatzt.

Kahlschlag als Druckmittel?

Immer wieder werden am Dienstag daher auch Forderungen laut, die Bundesregierung solle ihrer Pflicht nachkommen. "Die Politik ist gefordert", sagt Pretzl. Der Staat müsse die einst georderten Eurofighter auch abnehmen, Verträge müssten eingehalten werden. Aus Gewerkschaftskreisen heißt es, Deutschland riskiere in einem wesentlich Gebiet seine Position als Technologiestandort, sollte die Luftfahrtindustrie jetzt aufgegeben werden.

Es gibt Stimmen in Manching, die eine eigene Theorie entwickelt haben. Und die geht so: Airbus wolle durch den angekündigten Kahlschlag lediglich Druck auf die Regierung aufbauen, nachdem EADS die angestrebte Fusion mit der britischen Waffenschmiede BAE verwehrt worden sei. Der Konzern versuche nun wohl, auf diese Weise seine Aufträge zu sichern. In der Gewerkschaft teilt man diese Einschätzung nicht. Aus taktischen Gründen mit den Ängsten der Mitarbeiter zu spielen, das traut man der Unternehmensführung dann doch nicht zu.

Zwei Stunden dauert die Betriebsversammlung, dann steht Betriebsratschef Thomas Pretzl wieder vor dem Tor. Er sei immer noch geplättet ob der großen Zahl. Doch er schaut schon nach vorn: "Dieser Standort ist bereit zu kämpfen für die Arbeitsplätze", sagt er.

Luft- und Raumfahrtkonzern

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Rüstung und Raumfahrt standen die längste Zeit für Zukunft: Airbus gibt Details seiner Entlassungswelle bekannt. Im oberbayerischen Manching soll gar ein Viertel der Stellen wegfallen. Wer bleibt, soll auf Geld verzichten.