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Statistik:Reihentests in Schlachthöfen

77 Corona-Infizierte in Bogen, zudem Anstieg in Coburg

Im Wiesenhof-Schlachthof im niederbayerischen Bogen haben sich mindestens 77 Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt. Das hat der Reihentest an etwa tausend Mitarbeitern ergeben. Er war angeordnet worden, als Anfang der Woche erste Corona-Infektionen in der Belegschaft bekannt geworden waren. Ungefähr 150 Mitarbeiter müssen noch getestet werden, da sie zum Beispiel wegen Urlaubs nicht angetroffen wurden. Die Corona-Infizierten und ihre Kontaktpersonen sind in Quarantäne. Patienten, die in Gemeinschaftsunterkünften leben und nicht isoliert werden können, wurden in eine zentrale Unterkunft verlegt. Der Wiesenhof-Schlachthof ist die größte Geflügelschlachterei in Bayern. Bis Ende nächster Woche sollen alle Mitarbeiter der 51 Schlachthöfe in Bayern auf Corona getestet werden.

Auch im Landkreis Coburg treten vermehrt Corona-Infektionen auf. Dort wird derzeit die Obergrenze von 50 Neuinfektionen binnen einer Woche und je 100 000 Einwohner überschritten, von der an zusätzliche Maßnahmen gegen die Pandemie fällig werden. Die meisten Neuinfektionen sind laut Landratsamt in Pflegeeinrichtungen passiert und stehen in Zusammenhang mit Dialysebehandlungen. Die Patienten sind in Quarantäne. Für die Einrichtungen wurden Besuchsverbote und Reihentests veranlasst.

Insgesamt bewegt sich die Zahl der Neuinfektionen in Bayern aber weiter auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) meldete Stand Freitag, zehn Uhr, ein Plus von 180 Neuinfektionen und 27 Todesfällen gegenüber dem Vortag. Damit gibt es in Bayern 45 532 bestätigte Corona-Infektionen und 2277 Todesfälle nach einer Corona-Infektion. In der ersten Aprilwoche hatten die Steigerungen bis zu 2000 Neuinfektionen und fast 100 Corona-Tote am Tag betragen. Die Reproduktionszahl (R-Zahl), die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, lag am Freitag bei 0,92, am Donnerstag sogar bei 1,02. Das heißt, dass derzeit ein Infizierter etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Ein Wert ab 1,0 gilt als kritisch, weil er besagt, dass sich die Ausbreitung der Pandemie beschleunigt. Ein LGL-Sprecher betonte, dass die R-Zahl nur einer von mehreren Parametern für die Beurteilung des pandemischen Geschehens sei. Zudem fielen statistische Schwankungen bei geringen Fallzahlen vergleichsweise stark aus.

Wie schnell sich die Pandemie-Parameter derzeit ändern können, zeigt das Beispiel Rosenheim. Mitte der Woche wurde in der Stadt die Obergrenze von 50 Neuinfektionen binnen einer Woche und je 100 000 Einwohner deutlich überschritten. Am Freitag war der Wert laut LGL auf knapp 23,69 gesunken. Hintergrund des Auf und Ab waren laut einem Sprecher Serientests in Flüchtlingsunterkünften. Dabei habe man vermehrt Infektionen festgestellt. Die Patienten und ihre Kontaktpersonen seien sofort unter Quarantäne gestellt worden. Dadurch habe man die Infektionskette offenkundig unterbrochen, so dass der Grenzwert nun wieder unterschritten werde.

© SZ vom 16.05.2020 / cws

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