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Statistik:Pandemie breitet sich moderat aus

Ein Infizierter steckt derzeit weniger als einen Menschen an

In einer Klinik im unterfränkischen Münnerstadt ist am Montagabend ein Asylbewerber im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Das hat die Regierung von Unterfranken mitgeteilt. Der 60-jährige Flüchtling aus Armenien, der an schweren Vorerkrankungen litt, war im "Ankerzentrum" Geldersheim/Niederwerm nahe Schweinfurt untergebracht und vor einiger Zeit mit mittelschweren Corona-Symptomen in das Schweinfurter Krankenhaus gebracht worden. Als sich sein Zustand verschlechterte, wurde er in die Klinik in Münnerstadt verlegt, wo er schließlich starb. In dem "Ankerzentrum" sind laut Bezirksregierung aktuell 570 Asylbewerber untergebracht. 89 sind positiv auf Corona getestet worden, 46 sind in Quarantäne, 43 gelten als genesen. Auch zwei Mitarbeiter und 14 Sicherheitsleute sind positiv getestet worden, ein Mitarbeiter und sechs Sicherheitsleute sind in häuslicher Isolation. Bis auf den nun gestorbenen Armenier hätten alle Infizierten keine oder nur leichte Symptome, teilte die Bezirksregierung mit. Der Wortteil "Anker" ist aus den Anfangsbuchstaben der Wörter An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung) gebildet und steht für die Aufgaben, die diese Zentren erfüllen sollen.

Derweil setzt sich bayernweit das vergleichsweise moderate Voranschreiten der Corona-Pandemie fort. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen meldete am Dienstag 38 618 bestätigte Infektionen (Stand 10 Uhr). Das ist ein Plus von 386 oder einem Prozent gegenüber dem Vortag. Die Zahl der gemeldeten Corona-Toten stieg von 1299 um 55 oder 4,2 Prozent auf 1354 an. Knapp 19 000 Infizierte gelten inzwischen als genesen. Die sogenannte R-Zahl liegt in Bayern derzeit bei 0,73. Das hat die Ludwigs-Maximilians-Universität in München in Kooperation mit dem LGL ermittelt. Die R-Zahl gibt an, wie viele andere Personen ein Corona-Infizierter rechnerisch ansteckt. Um die Pandemie beherrschen zu können, solange es keine Medikamente und keinen Impfstoff gibt, sollte die R-Zahl laut LGL möglichst weit unter eins liegen. Das heißt: Ein Corona-Infizierter sollte deutlich weniger als einen anderen Menschen infizieren.

Um die Eindämmung der Pandemie zu forcieren hat die Staatsregierung am Dienstag den weiteren Ausbau der Testkapazitäten beschlossen. Ziel sei es, im Freistaat dauerhaft Laborkapazitäten für 25 000 bis 30 000 Tests auf Sars-CoV-2 pro Tag vorzuhalten, hieß es. Außerdem sollten die Laboruntersuchungen binnen zwei Tagen abgeschlossen sein und die Testpersonen entsprechend kurzfristig über das Ergebnis informiert werden. Vor wenigen Tagen lagen die Testkapazitäten noch bei maximal 18 000 Stück am Tag. Eine möglichst hohe und schnelle Testkapazität gilt als zentrale Voraussetzung für weitere Erleichterungen der Ausgangsbeschränkungen. Denn nur mit ihr kann man infizierte Personen rasch ermitteln und ebenso rasch deren Kontaktpersonen überprüfen. Für den Ausbau stellt die Staatsregierung sechs Millionen Euro bereit.

© SZ vom 22.04.2020 / cws

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