Neun Monate nach dem Start des Projekts #lostwords haben die Staatlichen Archive Bayerns und die Arolsen Archive 14 Familien von NS-Opfern ausfindig gemacht. So hätten freiwillige Helfer auf Social Media Spuren zu der 82-jährigen Helga Knott gefunden, deren Vater Lorenz Frühschütz am 12. Oktober 1943 in der zentralen Hinrichtungsstätte München-Stadelheim ermordet worden war, teilten die Arolsen Archive in einer Presseerklärung vom Dienstag mit. Weil ihre Mutter früh verstorben sei, habe sie von der Hinrichtung des Vaters erst durch #lostwords erfahren, sagte Knott laut Mitteilung.
Im Gefängnis Stadelheim ermordete das NS-Regime von 1933 bis Kriegsende 1188 Menschen. Mehr als 50 Abschiedsbriefe, die nie zugestellt wurden, finden sich in den 844 sogenannten Hinrichtungsakten. Ziel der Aktion #lostwords sei es, diese Briefe mit mehr als 80 Jahren Verspätung an die Angehörigen der ursprünglichen Adressaten zu übermitteln.
Durch das Projekt hätten sich überdies überraschende Querverbindungen zu anderen Forschungsvorhaben ergeben. So seien Anfang 2025 in der Sammlung des Instituts für Anatomie in Erlangen mikroskopische Präparate von mehreren Hingerichteten aus München-Stadelheim entdeckt worden. „Zur NS-Zeit war es gängige Praxis, die sterblichen Überreste der Hinrichtungsopfer nicht zu beerdigen, sondern an nahegelegene anatomische Institute abzugeben, die sie für Forschung und Lehre nutzten“, erklärten die Arolsen Archive.
Auch die Anatomie Erlangen beteilige sich nun an der Suche nach Hinterbliebenen. Ferner seien in verschiedenen Archiven weitere Bestände von nicht abgeschickten Abschiedsbriefen aus der NS-Zeit gefunden worden.


