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Staatsanwaltschaft Landshut:Anklage gegen Müller-Brot-Verantwortliche

Anklage nach Müller-Brot-Pleite

Knapp zwei Jahre nach der Pleite der Großbäckerei Müller-Brot hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ehemalige verantwortliche Mitarbeiter erhoben.

(Foto: dpa)

Massive Hygienemängel, Insolvenzverschleppung und Betrug in Höhe von 1,65 Millionen Euro: Knapp zwei Jahre nach der Pleite der Großbäckerei Müller-Brot hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die ehemaligen Verantwortlichen erhoben.

Von Beate Wild

Nach der Insolvenz der Großbäckerei Müller-Brot im Februar 2012 müssen die ehemaligen Verantwortlichen nun vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Landshut hat am Donnerstag Anklage gegen die drei früheren Geschäftsführer der Firma Müller-Brot GmbH aus Neufahrn, zu denen auch der ehemalige Mehrheitseigner Klaus Ostendorf gehört, sowie gegen den damaligen Betriebsleiter, den Produktionsleiter und die Leiterin des Qualitätsmanagements erhoben.

Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, in sechs Fällen jeweils große Mengen nicht zum Verzehr geeigneter Lebensmittel in den Verkehr gebracht zu haben. Hintergrund waren laut Staatsanwaltschaft Landshut massive Hygienemängel, die bei sechs Kontrollen im Zeitraum von Oktober 2010 bis Januar 2012 festgestellt wurden. Im Inneren der Backfabrik wurden damals verdreckte und korrodierte Maschinen vorgefunden sowie Schimmel, Mäusekot und Ungeziefer.

In keinem Fall sei es jedoch um gesundheitsschädliche, gesundheitsgefährdende oder sonst bedenkliche Lebensmittel gegangen, teilte die Staatsanwaltschaft mit, sondern ausschließlich um solche, die ein durchschnittlicher und verständiger Verbraucher aufgrund der Produktionsumstände abgelehnt hätte.

Den drei Geschäftsführern wird darüber hinaus Insolvenzverschleppung und Bankrott vorgeworfen sowie Betrug zu Lasten einer Reihe von Lieferanten, weil auch nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit der Müller-Brot GmbH noch Waren beziehungsweise sonstige Leistungen für etwa 1,65 Mio Euro beauftragt wurden und die Gläubiger für die erbrachten Leistungen keine Bezahlung mehr erhielten.

Müller-Brot hatte im Februar 2012 Insolvenz angemeldet und den Verlust von mehr als 1200 Arbeitsplätzen mitverschuldet. Außerdem wurden bei der Pleite des Großbäckers kleine Pächter von Bäckereifilialen und andere Kleinunternehmer mit in den finanziellen Ruin gezogen.

Ein Gutachten des Teams um Insolvenzverwalter Hubert Ampferl war genauso wie ein weiterer bestellter Wirtschaftsprüfer zu dem Schluss gekommen, dass die Großbäckerei schon längere Zeit zahlungsunfähig gewesen sei. Insolvenzverwalter Ampferl hatte bereits Anfang Januar bekannt gegeben, er plane eine private Schadensersatzklage gegen die Ex-Geschäftsführer und habe dazu "umfangreiche Daten und Unterlagen gesichert und in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft ausgewertet".

Gelingt es, die Insolvenzverschleppung vor Gericht nachzuweisen, müssten die drei früheren Geschäftsführer zudem mit ihrem Privatvermögen für den Schaden haften, der von diesem Zeitpunkt an entstanden ist. Es soll sich dabei um eine Haftungssumme von 20 Millionen Euro handeln. Der tatsächliche Schaden ist nach SZ-Informationen jedoch um ein Vielfaches höher.

Das ehemalige Produktionsgebäude, in dem seit dem 30. Januar 2012 nichts mehr gebacken worden ist, soll bis zum Frühjahr endgültig leer geräumt werden. Bei einer Internetauktion kamen im Sommer bereits Dutzende Maschinen unter den Hammer.

© Süddeutsche.de/infu

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