Endlich ist wieder Bundesliga. Was wäre ein Leben ohne Fußball und ohne die Sachverständigen im Fernsehstudio. Diese besitzen die seltene Gabe, stundenlang über den juckenden Zeh eines Ersatzspielers quasseln zu können und dabei den Eindruck zu erwecken, es gehe um die Rettung der Welt. Spätestens hier drängt sich die Frage auf, welche Rolle eigentlich der Lungenhering im modernen Fußball spielt. Von den Fußballnarrischen hört man zu diesem Thema wenig.
Vielleicht, weil der niederländische Verteidiger Rijkaard bei der WM 1990 den deutschen Helden Völler angespuckt hatte. Nach diesem Eklat wurde Rijkaard Lama genannt, dann wurde es still. Jetzt ist das Spucken wieder voll im Schwange. Zielgenau richten sich die Kameras der TV-Sender auf die Mäuler der Spieler, wenn diese auf den Rasen spucken und ihre Nasen ungeniert vom Rotz befreien.
Neulich sprang beim Besuch einer Dorfkirche ein altes Schild ins Auge, das die Kirchgänger mahnt, das Spucken auf den Boden sei nicht gestattet. Bei aller Gottesfurcht: Dieses Verbot hat wenig bewirkt. Dem Autor bleibt unvergessen, wie sich die Männer früher auf der Empore zwischen Kyrie und Gloria lautstark räusperten, um sodann die sich lösenden Batzen martialisch aus der Lunge zu husten. Nicht immer fand der Lungenhering seinen Weg ins Schneuztüchl.
Gerne denkt man bei diesem Thema an die Auster des kleinen Mannes, die einst der Kabarettist Gerhard Polt ins Spiel gebracht hatte. Man sollte sich jedoch hüten, den Lungenhering und die Polt’sche Auster als Synonyme zu verwenden. Nachdem dies in diesem Blatt einmal geschehen war, fand ein erfahrener Leser energische Widerworte. Die Auster des kleinen Mannes, so schrieb er, komme mitnichten aus dem Bronchialraum und werde auch nicht ausgeworfen. Sie in den Begriffszusammenhang mit dem Lungenhering zu stellen, sei schlichtweg falsch.
Vielmehr werde diese Auster aus dem nasalen Rachenraum gewonnen, fuhr er fort. Diese geschehe, wie einst von der SZ richtig beschrieben, mit einem grunzenden Saugen in Nase und Gaumen. Jedoch, so folgerte der Experte, wo bliebe ihr goût de la mer, wenn man sie ausspuckte? Nein, holte er aus, „geschluckt muss sie werden!“ Je nach Katarrh ergäben sich unterschiedliche Geschmackserlebnisse. Und preiswert sei diese Ware auch. So erfreulich das auch sein mag, einem Fußballkrösus wird das eher wurscht sein.

