Preisverleihung:Bairische Sprachwurzel geht an Ex-Minister Marcel Huber

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Preisverleihung: Im vergangenen Jahr erhielt Marcel Huber, der auch Präsident des bayerischen Musikrates ist, die Bairische Sprachwurzel. Den Preis verleiht der Bund Bairische Sprache an Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit konsequent bayrischen Dialekt verwenden.

Im vergangenen Jahr erhielt Marcel Huber, der auch Präsident des bayerischen Musikrates ist, die Bairische Sprachwurzel. Den Preis verleiht der Bund Bairische Sprache an Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit konsequent bayrischen Dialekt verwenden.

(Foto: Uwe Lein/dpa)

Der Bund Bairische Sprache würdigt den früheren Staatskanzleichef "als bekennende muttersprachliche Ausnahmeerscheinung unter Bayerns Landespolitikern". Der Preisträger verriet nebenbei, wie er zu seinem Vornamen kam.

Von Hans Kratzer, Weyarn

Als am Freitagmittag im Garten des Gasthauses Gotzinger Trommel in Weyarn (Kreis Miesbach) an den früheren Staatskanzleichef und Umweltminister Marcel Huber, 63, die "Bairische Sprachwurzel" überreicht wurde, herrschte Kaiserwetter. Das Klima war viel angenehmer als damals im Jahr 2013, als Marcel Huber zusammen mit Ministerpräsident Horst Seehofer im Regen stand. In Niederalteich nämlich, wo eine Hochwasserkatastrophe über die Region hereingebrochen war. Huber sprach damals durchgehend im Dialekt, "mir wärs ned anders eigfoin", sagte er in Weyarn. Gerade in einer solchen Situation müsse man als Politiker ebenso authentisch schmatzen (reden) wie die von der Katastrophe heimgesuchte Bevölkerung.

Der CSU-Politiker habe als langjähriges Mitglied der Staatsregierung das mittelbairische Idiom bei offiziellen Anlässen "auf Augenhöhe mit unserer Standardsprache gebracht", sagte Vorsitzender Sepp Obermeier vom Bund Bairische Sprache. Damit habe Huber "als bekennende muttersprachliche Ausnahmeerscheinung unter Bayerns Landespolitikern" das Preisvergabekriterium erfüllt. Bayerische Politiker sollte man auch am Zungenschlag erkennen, forderte Obermeier.

Das angestaubte Sepplklischee sei ohnehin unbegründet

Bedingt durch die Corona-Pandemie fand die 17. Verleihung des Sprachpreises in diesem Jahr ohne den Rahmen des Straubinger Gäubodenvolksfestes statt. Auch Laudator Reinhard Wittmann, der frühere Literaturchef des Bayerischen Rundfunks, lobte Huber für dessen öffentlichen Gebrauch der dialektalen Muttersprache. Huber verstehe es, souverän zwischen basisdialektaler Mundart und südlichem Hochdeutsch - den beiden Ebenen der angestammten Sprachkultur in Altbayern - zu wechseln. Das sei ein Code Switching oft in einem Satz, welches das altbackene Klischee der Überlegenheit des norddeutschen Regiolekts zuverlässig widerlege. Damit sei Huber ein Vorbild für seine Landsleute, die häufig unter einem kulturellen Minderwertigkeitskomplex litten und norddeutsche Umgangssprache nachahmten, um nicht als provinziell zu gelten. Das dafür ursächliche Vorurteil werde stereotyp auch durch bayerische Medien verbreitet.

Wittmann führte aus, das angestaubte Sepplklischee aus dem 18. Jahrhundert sei nicht nur hoffnungslos aus der Zeit gefallen, sondern ohnedies unbegründet, handle es sich doch beim Bairischen um eine ebenso geschichtsträchtige wie moderne Sprache, geprägt von der Weltkultur der Römer und mit wesentlichem Anteil an der Geschichte der deutschen Literatur. Deshalb sei Bairisch bestens geeignet für die internationalisierte Lebenswelt des 21. Jahrhunderts, in der Mehrsprachigkeit zur Normalität werde.

Die Freude des Publikums an den Rednern und am Preisträger gipfelte letztlich darin, dass Marcel Huber verriet, wie er zu seinem Vornamen kam. Seine Urgroßmutter, so erzählte er, hieß Marcellina, so hieße auch er, wäre er ein Mädchen geworden. Letztlich wurde aus ihm eben ein Marcel - oder Massl, wie ihn Horst Seehofer nannte.

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