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Sportstadt München:Der Schub bleibt aus

Eventarena auf dem Olympia-Gelände, 2009

Anstelle der Event-Arena möchte Red Bull ein Eishockey-Stadion bauen - wohl das einzige Projekt, das im Olympiapark nun realisiert wird.

(Foto: Stephan Rumpf)

Olympiapark und Sportamt fürchten die Folgen des Neins für die Olympiabewerbung. Es ist von einer "verpassten Chance" die Rede. Auch Impulse für den Breitensport würden nun ausbleiben.

Von Ralf Tögel

Mit einem Schlag, so sagt Arno Hartung mit etwas Sarkasmus in der Stimme, hätten sich nun ein paar Termine erledigt. Das Nein der Bürger zur Olympia-Bewerbung 2022 ist für die Olympiapark München GmbH (OMG) "ein Rückschritt", daraus macht der Pressechef kein Hehl. Auch Thomas Urban, Leiter des Sportamts der Stadt München, nimmt das Votum enttäuscht zur Kenntnis. Zwar ändere dies nichts Grundsätzliches an der zukünftigen Arbeit, aber auch Urban spricht von einer "verpassten Chance".

Die Gründe lägen auf der Hand, erklärt Hartung, die Winterspiele hätten eine "beschleunigte Abwicklung von Sanierung und Veränderungsmaßnahmen" im Park gebracht. Nun müsse im Gegenteil sogar der eine oder andere Posten hinterfragt werden. Die Investitionen von 460 Millionen Euro, die die Stadt von 2007 bis 2033 in den Olympiapark stecken will, bleiben davon freilich weitgehend unberührt. Das gilt auch für den Bau der Multifunktionshalle, wie Urban bekräftigt. Der Getränke-Riese Red Bull sei dazu nach wie vor fest entschlossen. Die Stadt München, sagt der Sportamtsleiter, führe "gute Gespräche" mit den Österreichern, die ihre Halle gerne auf das Gelände der Eventarena bauen würden.

Eine Option, die laut Hartung derzeit geprüft werde, ist, dass die Red-Bull-Arena anstatt der Olympia-Eishalle entsteht. Zwei Hallen werden aber, das ist seit Sonntag klar, definitiv nicht gebaut. Im Fall der Vergabe der Winterspiele nach München wäre das eine Forderung vom IOC gewesen. Die zweite Halle hätte nach den Spielen auch dem Breitensport zur Verfügung stehen können, sagt Hartung. Nun sind diesbezüglich alle Planspiele auf Null gestellt.

Ein weiterer Aspekt sei die Tatsache, dass nun ein "paar vorolympische Veranstaltungen" ausblieben, wie Hartung anmerkt. Für die bevorstehenden Verhandlungen zur Verlängerung von bestehenden Veranstaltungen wie den Ski-Weltcup am Olympiapark oder den Deutschland-Cup im Eishockey hätte die Bewerbung zudem eine positive Signalwirkung gehabt. "Für uns geht jetzt die Welt nicht unter", sagt Hartung, man müsse vielmehr die Bemühungen in Sachen Akquise verstärken. Ein positiver Effekt wie bei den Sommerspielen von 1972, die von München als Jahrhundertgeschenk betrachtet worden seien, bleibe aber aus. Hartung erinnert daran, dass seinerzeit auch viele Mittel von Bundes- und Länderebene geflossen seien.

Sportamtschef Urban betont, dass sich für die Vereine in der Stadt nicht viel ändern werde. Pro Jahr wird München weiterhin zwölf Millionen Euro in den Sport investieren. Aber auch Urban spricht von Impulsen, die nun ausbleiben werden: "So etwas motiviert die Menschen, Sport im Verein zu betreiben." Eine neue Studie, die sich auf die Sommerspiele von London beziehe, bestätige dies. Auch das Projekt "Sport und Inklusion", für das es einen Stadtratsbeschluss gebe, hätte von den Spielen profitiert. Projekten, wie etwa den behindertengerechten Ausbau von städtischen Sportanlagen, hätten die Spiele einen Schub gegeben, glaubt Urban: "Ich war in London und habe das dort erlebt." Die Aufgaben für Stadt und Sportamt blieben, sagt Urban, seien nun aber "schwerer zu finanzieren".

© SZ vom 11.11.2013/segi

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