Sperrstunde in bayerischen Unistädten:Wo Studenten am längsten feiern dürfen

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Wenn lärmende Horden durch die Gassen ziehen oder junge Leute pulkweise vor Kneipen rauchen, bekommen manche Anwohner kein Auge zu. Jede Universitätsstadt in Bayern hat eine eigene Methode, mit der Lärmbelästigung durch feiernde Studenten umzugehen. Ein Überblick.

Nadja Boxheimer

Für Studenten ist sie ein spaßbremsendes Übel, für Gastwirte eine existenzbedrohende Gefahr. Manche Anwohner und Stadtverwaltungen sehen in ihr den letzten Ausweg, um Lärmbelästigung, Vandalismus und Fällen von Körperverletzung vorzubeugen. Derzeit sorgt in Passau eine Neuregelung für großen Ärger bei Studenten und Klubbetreibern. Eines ist die Sperrstunde auf jeden Fall: ein Politikum. Die 2005 beschlossene bayernweite Begrenzung der Sperrzeit auf die Putzstunde zwischen fünf und sechs Uhr hat sich jedenfalls nicht durchgesetzt. Inzwischen kocht jede Stadt im Freistaat ihr eigenes Süppchen.

Augsburg

Rund um die Ludwig- und die Maximilianstraße im Zentrum der Stadt gibt es eine große Ballung von Kneipen. Im Sommer klagten die Anwohner vor Gericht wegen exzessiven Lärms und bekamen recht. Augsburg wurde dazu verurteilt, etwas gegen die Lärmbelästigung zu tun. Allerdings lehnte es der Stadtrat mit großer Mehrheit ab, die Sperrzeit über die Putzstunde hinaus zu verlängern. "Wir sind da liberal. Die Sperrzeit löst das Problem nicht", argumentiert Ordnungsreferent Volker Ullrich. Stattdessen versucht man nun, dem Problem mit Nachtbussen, Ordnungsdiensten und reduzierter Geschwindigkeit auf den Straßen Herr zu werden.

Bamberg

Weil Beschwerden wegen Lärmbelästigung sich häuften und in den frühen Morgenstunden vermehrt Polizeieinsätze nötig waren, verlängerte Bamberg im März 2011 die Sperrzeit. Werktags müssen Gastwirte in weiten Teilen der Innenstadt um zwei Uhr schließen, am Wochenende und an Feiertagen ist um vier Uhr Schluss.

Bayreuth

Zwar gibt es in Bayreuth kommunalpolitische Diskussionen, nach wie vor gilt in der oberfränkischen Stadt jedoch der maximale Korridor: Lediglich für die obligatorische Putzstunde zwischen fünf und sechs Uhr müssen Bars und Klubs in der Innenstadt schließen. Ob das so bleibt, ist allerdings unsicher. Hotellerie, Stadtverwaltung und Gastwirte sitzen bereits an einem Runden Tisch zusammen und diskutieren über Lärmbelästigung.

Eichstätt

"Wir haben keine Diskussionen bezüglich der Sperrzeit in der Innenstadt", betont der Leiter des Ordnungsamtes, Karl Ziegelmeyer. Es sei deshalb nicht im Gespräch, von der Putzstunde als Beschränkungsrahmen abzuweichen. Zwar gebe es Einzelfälle, doch diese Probleme würden individuell gelöst werden.

Erlangen

Anders sieht die Lage in Erlangen aus. Sowohl in der Innenstadt als auch in der Altstadt wurde die Sperrzeit auf vier Stunden zwischen zwei und sechs Uhr verlängert. Im Gegensatz zu Passau und Bamberg unterscheiden die Mittelfranken allerdings nicht zwischen Werktagen und dem Wochenende: In Erlangen ist in beiden Fällen um zwei Uhr Schluss. Besteht ein besonderes öffentliches Interesse, vergibt die Stadt in Einzelfällen Ausnahmegenehmigungen.

München

Egal ob Innenstadt oder Außenbezirk: In der Landeshauptstadt kann jeder Wirt selbst entscheiden, wann er zusperrt, nur an die Putzstunde müssen sich alle halten. Ausnahmen gibt es in einzelnen Wohngebieten, in denen um 22 Uhr Zapfenstreich ist. Freischankflächen, wie zum Beispiel Biergärten, schließen um 23 Uhr.

Regensburg

Strikt wird die Sperrzeit in der Oberpfalz gehandhabt. Wegen zunehmender nächtlicher Ruhestörung müssen seit Dezember 2005 Kneipen und Diskotheken in der Altstadt grundsätzlich um zwei Uhr schließen, egal ob werktags oder am Wochenende. An letzterem vergibt die Stadt vereinzelt Ausnahmegenehmigungen. Weil es jedoch nach wie vor geballten Lärm gibt, wenn die Klubs mit Sonderstatus gleichzeitig schließen, stehen die Ausnahmen von der Zwei-Uhr-Regel zur Diskussion.

Würzburg

Momentan gibt es in Würzburg keine Verlängerung der Sperrzeit. Vor Beschwerden wegen Lärmbelästigung ist man aber auch in Unterfranken nicht gefeit. Bürgerinitiativen forderten, dass Diskotheken in der Innenstadt von Montag bis Donnerstag nur bis ein Uhr öffnen dürfen. Die Stadt bildete daraufhin Arbeitskreise, die das Problem jedoch mit kreativen Ideen statt mit einer Sperrzeitverlängerung lösen wollten. So gibt es zum Beispiel das "Safe-Party"-Konzept, das notorische Störenfriede kategorisch von sämtlichen Feiern ausschließt. "Ansonsten heißt es sicherheitstechnisch Präsenz zeigen", erläutert der Pressesprecher der Stadt.

Besonders viel Ärger gibt es derzeit in Passau. Hier gibt es weitere Infos.

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