SPD-Politiker Regener Landrat Adam gesteht Alkoholproblem

Adam sieht seinen rasanten Aufstieg nun offenbar als Hauptgrund für seine Probleme.

(Foto: Michael Adam/dpa)
  • Michael Adam (SPD) hat ein Alkoholproblem. Das hat der Regener Landrat in einer schriftlichen Erklärung zugegeben.
  • Adam ist derzeit in einer Kurklinik im Schwarzwald.
Von Andreas Glas, Regen

Der Regener Landrat Michael Adam (SPD) steckt erneut in Schwierigkeiten. In einer ausführlichen schriftlichen Erklärung hat der 31-Jährige am Freitag zugegeben, dass er ein Alkoholproblem hat und sich derzeit in einer Kurklinik im Schwarzwald befindet. Ursprünglich, so Adam, habe er sich wegen einer Diabeteserkrankung in Behandlung begeben, doch hätten sich bereits nach wenigen Tagen Symptome eingestellt, "die mir zeigten, wie sehr ich mich psychisch bereits an Alkohol gewöhnt hatte". In dem Schreiben räumt Landrat Adam ein, zuletzt täglich getrunken zu haben und kündigt an, nach dem Ende seiner Kur komplett auf Alkohol zu verzichten. "Ich bitte alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, dies zu respektieren", schreibt Adam.

In seiner Erklärung äußert sich der SPD-Politiker ausgesprochen offenherzig zu seinem Seelenleben und berichtet, wie schwer es ihm zuletzt fiel, sein Amt als Landrat auszuüben: "Das Leben als Kommunalpolitiker verlangt dem Körper viel ab: Stress, kaum freie Abende oder Wochenenden, wenig Urlaub, wenig Schlaf. Erschwerend hinzu kamen bei mir in der Vergangenheit schlechte und unregelmäßige Ernährung, Medikamente, Nikotin und Alkohol." All dies habe Spuren hinterlassen, schreibt Adam, der in den vergangenen Jahren erheblich an Körpergewicht zugelegt hatte und an Diabetes erkrankt war. Nun, während seiner Kur, habe er festgestellt, "dass psychosoziale Faktoren bei meiner Erkrankung eine erhebliche Bedeutung haben".

R.I.P., Hündin Emma :´(

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Es ist nur ein paar Jahre her, da galt Michael Adam als einer der größten Hoffnungsträger der bayerischen SPD. Die Tatsache, dass ein schwuler, protestantischer Sozialdemokrat mit 23 Jahren zunächst Bürgermeister in Bodenmais wurde und sich nur drei Jahre später bei der Landratswahl im eher konservativen Landkreis Regen durchsetzen konnte, bescherte ihm Aufmerksamkeit in der gesamten Bundesrepublik - und damit ein entsprechendes Gewicht in der eigenen Partei.

Diesen rasanten Aufstieg sieht Adam nun offenbar als Hauptgrund für seine psychischen Probleme. "Ich wollte und musste mich in einem unglaublichen Tempo mental weiterentwickeln." Für eine emotionale Reifung sei kaum Zeit gewesen, schreibt Adam, "dies konnte und wollte ich mir sehr lange Zeit selbst nicht eingestehen". Er habe nun damit begonnen, "meine Arbeit und mein Tun der letzten Jahre auch mit etwas Distanz kritisch zu betrachten".

Schonungslose Offenheit

Man kann diese Zeilen als Anspielung verstehen auf manche Eskapade, die er sich in der jüngeren Vergangenheit geleistet hat. Im November 2013 war er in die Schlagzeilen des Boulevards geraten, weil ein damals 20-Jähriger der Bild-Zeitung erzählt hatte, er habe mit Adam in dessen Büro im Landratsamt Sex gehabt. Auch damals reagierte der Landrat mit schonungsloser Offenheit und räumte in einer Pressekonferenz ein, dass er sowohl als Regener Bürgermeister als auch als Landrat mehrfach mit Männern in seinen Büros verkehrt hatte. Er habe moralisch einen großen Fehler begangen, sich in der Amtsführung aber nichts zuschulden kommen lassen, sagte Adam damals.

Als SPD-Nachwuchshoffnung hatte er sich zu dieser Zeit bereits selbst demontiert - weil er zunächst öffentlich über Bayern-SPD-Chef Florian Pronold gelästert hatte und am Abend der Bundestagswahl 2013 damit kokettierte, seine Zweitstimme der CSU gegeben zu haben, weil er die führenden Köpfe der SPD-Landesliste "für nicht wählbar" hielt.

Zwei Wochen wird Michael Adams Kur im Schwarzwald noch dauern, in der Zwischenzeit übernehmen seine drei Stellvertreter die Chefrolle im Landratsamt. Am 4. Oktober will er dann zurückkehren, um "auch künftig mit vollem Einsatz als Landrat für eine positive Entwicklung des Landkreises Regen zu arbeiten", wie er es in seiner Erklärung formuliert. Es dürfte nicht leicht werden, zur Tagesordnung überzugehen in einem Landkreis, in dem Michael Adam die Toleranz mancher Menschen bereits arg strapaziert hat.

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