bedeckt München 31°

SPD-Parteitag in Nürnberg:Alles Ude

288 Ja und nur ein Nein - Bayerns SPD kürt in Nürnberg den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. In seiner Rede umreißt Ude, was er im Freistaat ändern möchte - und attackiert die CSU. Besonders hat er es auf Markus Söder abgesehen.

Da sind sie wieder, die "Ude-Ude"-Rufe. Nicht allzu laut, aber doch wahrnehmbar schallen sie durch die Nürnberger Messehalle. Vorne hält Christian Ude seine vielleicht wichtigste Rede, nach der er vom Parteitag nun endgültig zum SPD-Spitzenkandidaten nominiert werden soll. Unten im Saal schwenken die 300 Delegierten nicht überschäumend, aber eben doch die Fahnen und runde, rote Pappdeckel. "Genau! Ude" steht auf ihnen. "Genau Hier, Genau Heute", steht auf Udes Podium. Genau wie es vielleicht die Amerikaner machen würden, wenn sie einen Bayern-Wahlkampf zu organisieren hätten. Genau so, oder wenigstens ein bisschen.

Die Bayern-SPD gibt sich an diesem Sonntag auf der Nürnberger Messe alle Mühe, wenigstens einigermaßen auf Augenhöhe mit der ewigen CSU zu agieren. In einer veritablen Messehalle hat man sich versammelt, es gibt allerlei unterhaltsame Präsentationen drumherum, es gibt Hochkaräter wie SPD-Chef Sigmar Gabriel als Einpeitscher. Wer es wohlwollend begreift, der sieht die Bayern-SPD auf dem Weg der Professionalisierung. Wer spöttisch ist, so wie Ude den Großteil seines politischen Lebens gegenüber der bayerischen SPD eingestellt war, der fragt sich, warum die große Jazzband zum Einzug ausgerechnet Beerdigungsmusik aus New Orleans spielt und das noch so falsch.

Wer tags zuvor den wuchtigen Auftritt der CSU auf der Münchner Messe verfolgt hat, der mag zu dem Ergebnis kommen, dass das aktuelle Umfrageergebnis auch das reale Kräfteverhältnis widerspiegelt. Da steht es derzeit 48 zu 20 für die CSU.

Es klingt ein wenig entschuldigend, wenn Parteichef Florian Pronold in seiner Auftaktrede sagt: "Die CSU hat zehn bis 15 Mal so viel Geld wie wir - zwei Millionen zu 34 Millionen für den Landtagswahlkampf." Die CSU gebe "mehr Geld für Umfragen aus als wir für den ganzen Wahlkampf".

"Selbstverständlich ist er ein Traumkandidat"

So steuert der ganze Tag auf Ude als einzigen wirklichen Programmpunkt zu. Neben Gabriel und Pronold spricht auch der Kieler Ex-OB und nunmehrige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig - für Ude direktes Vorbild. Immer wieder gibt es kleine Imagefilmchen, einziger Inhalt: Ude.

Der Privatfunkerfahrene SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher moderiert gekonnt eine Talkshow auf der Bühne, die nicht gerade übermäßig kontrovers verläuft. "Ist das aus Ihrer Sicht nicht einfach ein Traumkandidat?", fragt er die Münchner Mietervereins-Chefin Beatrix Zureck. "Ja selbstverständlich ist er ein Traumkandidat", antwortet diese.