SPD-Landtagsabeordnete Adelheid Rupp Die rabiate Rote

Die Münchner SPD-Landtagsabeordnete Adelheid Rupp ist mit der Arbeit eines Mitarbeites unzufrieden - und zahlt ihm ein offenes Honorar nicht aus. Deswegen muss sie vor Gericht. Ihre Genossen reagieren nicht mitleidig oder verständnisvoll - sondern schadenfroh.

Von Frank Müller

Ein Arbeitgeber zahlt das Gehalt nicht, der Arbeitnehmer erwirkt einen Pfändungsbeschluss, dann fließt das Geld endlich: So einfach klingt die Lage im jetzt hochkochenden Fall der Münchner SPD-Landtagsabgeordneten Adelheid Rupp. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Die Geschichte ist etwas komplizierter.

"Das Mitgefühl hält sich in Grenzen", sagt ein Fraktionskollege über den Fall Adelheid Rupp.

(Foto: Robert Haas)

Dabei bestreitet noch nicht einmal Adelheid Rupp selbst, dass sie im Fall ihres früheren Mitarbeiters Michael B. einen Fehler gemacht hat. Der war bis vor zwei Jahren ihr persönlicher Mitarbeiter im Abgeordnetenbüro des Landtags, davor hatte er verschiedene Funktionen in der bayerischen SPD. 2008 gab Rupp ihm einen Job - und meinte, damit auch ihm etwas Gutes zu tun: B. leidet seit 2005 unter Depressionen und tat sich in der Arbeitswelt offenbar nicht leicht.

Damit seien auch beide Seiten offen umgegangen, erinnert sich B. heute. Rupp allerdings hatte zunehmend das Gefühl, dass die abgelieferte Arbeit selbst bei großem Verständnis für die Umstände nicht akzeptabel war: "Ständig blieb alles liegen, immer wurde ich vertröstet", sagt sie der SZ. Am Ende einigten sich beide auf eine Therapie - und Rupp zog die Notbremse.

Zum August 2009 kündigte sie ihm. Übrig aus der Abwicklung blieb schließlich ein noch offenes Honorar aus einem Werkvertrag über 1000 Euro. Für diese Summe habe Mitarbeiter B. eine Adressdatei für die Abgeordnete erarbeiten sollen. Er bestand auf Zahlung, Rupp war verärgert: In die Datei habe B. genau eine einzige Adresse eingetragen, sagt sie heute empört. Sie habe ihn aber nicht auf Mängel hingewiesen, sagt B. selbst, der ansonsten nun aber lieber nach vorne als zurück blicken will.

Inzwischen gingen bereits Anwaltsschreiben hin und her, ein Vergleich scheiterte eher an Details, B. zog vor Gericht und gewann: Für die 1000 Euro zuzüglich Auslagen von 408,24 Euro erstritt sein Anwalt Klaus Körner im März 2011 ein Zahlungsurteil gegen Adelheid Rupp.

Von dem Zeitpunkt an geraten auch der Abgeordneten die Dinge außer Kontrolle: Sie zahlt einfach nicht, lässt Fristen verstreichen, all das endet mit der für eine Landtagsabgeordnete höchstmöglichen Peinlichkeit: Ihre Diäten werden gepfändet, Landtagspräsidentin Barbara Stamm muss die Ersatzzahlung aus der Staatskasse veranlassen.

"Ich habe mich einfach weggeduckt", sagt Adelheid Rupp und weiß, dass das keine richtig schlüssige Entschuldigung ist, schon gar nicht für eine Anwältin für Arbeitsrecht wie sie. Sie sei des Themas schlicht überdrüssig gewesen und zu dem Zeitpunkt zudem in familiär schwieriger Lage. "Der kriegt jetzt natürlich sein Geld", sagt sie zerknirscht.

Andere Abgeordnete würden in so einem Fall womöglich Solidarität aus der Fraktion bekommen. Doch selbst darauf kann Adelheid Rupp nicht zählen. Zu oft ist sie mit ihrer Art in der Partei angeeckt. Diese verübelt ihr zahlreiche Extratouren, etwa dass sie früh gegen den damaligen Fraktionschef Franz Maget stichelte oder dass sie sich unsolidarisch gegen Fraktionskollegen verhalten habe. "Das Mitgefühl hält sich in Grenzen", sagt ein Kollege, das vorherrschende Gefühl sei Schadenfreude.

Dazu mag auch beigetragen haben, dass sie sich erst vor wenigen Tagen im BR-Magazin "Kontrovers" gegen den möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ins Zeug legte. Der solle seine Nebentätigkeiten einstellen, forderte sie, "und seine ganze Zeit und Kraft im Bundestag verbringen". Da staunten viele in der Landtags-SPD: Adelheid Rupp habe schließlich die meisten Fehlzeiten in der ganzen Fraktion.