bedeckt München

Stellenanzeige in Spalt:"Zapferfahrung und Trinkfestigkeit sind von Vorteil"

O'zapft is

Nach einer Spaßanzeige in einer Faschingszeitung stehen bei der Stadtbrauerei im mittelfränkischen Spalt die Telefone nicht mehr still.

(Foto: dpa)

Eine Jobanzeige im Namen der Stadtbrauerei Spalt macht im Internet die Runde. Zu den Aufgaben gehöre neben dem Umfüllen des Fassbieres in Flaschen auch "das Austrinken von Lagerbeständen".

Von Thomas Balbierer, Spalt

Die Stellenanzeige im Namen der Stadtbrauerei Spalt, die in den sozialen Medien gerade Karriere macht, kommt unverdächtig daher. Man suche, steht da in nüchterner Druckschrift unter dem Brauereilogo, "Aushilfen auf 450-Euro-Basis". Weil sich der Bierkonsum im Zuge der Corona-Pandemie "weg vom Fass, hin zur Flasche" verschoben habe, müsse man das Fassbier in Flaschen umfüllen. Zu den Aufgaben gehöre auch das "Verkorken".

Bierrecycling - warum nicht?, könnte man als Brauereilaie denken. Ins Grübeln kommt man aber spätestens am Ende der Jobbeschreibung, wonach notfalls auch "das Austrinken von Lagerbeständen" von Bewerbern erwartet werde. "Zapferfahrung und Trinkfestigkeit sind von Vorteil." Echt jetzt?

Nachfrage in Spalt (Landkreis Roth), wo sich Marketingchef Markus Böhm unschuldig gibt. "Wir haben die Anzeige nicht in Auftrag gegeben", sagt er. "Wir wissen auch nicht, wer das war." Böhm kann allerdings berichten, wie die Ausschreibung in die Welt kam: Sie wurde in der örtlichen Faschingszeitung "Razet-Bote" veröffentlicht, einem laut Selbstbeschreibung "närrischen Amtsblatt", das die Themen des Jahres aufs Korn nimmt. Die Macher der Anzeige hätten wohl auf die schwierige Situation von Gastronomie und Brauereien aufmerksam machen wollen, sagt Böhm.

"Sie haben einen wunden Punkt getroffen. Der Fassgebinde-Umsatz ist wegen des monatelangen Lockdowns eingebrochen." Weil Kneipen zubleiben und Volksfeste ausfallen, dominiere der Handel mit Flaschenbier. Lagerbestände wegtrinken müsse bislang niemand, beteuert er. Dennoch stehe sein Unternehmen vor der Frage, was ist, wenn der Lockdown noch lange anhalte und viele Kunden ihre Fässer kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums zurückgeben wollen. Das wäre der "worst case", sagt Böhm. Aber auch dann müsse niemand seine Trinkfestigkeit beweisen. "Da finden wir individuelle Lösungen."

Auf die Stellenanzeige, die nun aus dem Kontext gerissen im Internet kursiert, habe es viele Rückmeldungen gegeben, sagt Böhm. Bierwitze ziehen in Bayern immer. Die meisten Anfragen seien eher scherzhafter Natur gewesen, zum Beispiel die Team-Bewerbung einer zehnköpfigen Gruppe. "Sie teilten mit, dass sie sehr interessiert seien und sofort anfangen könnten", so Böhm. Andere hätten, leicht verunsichert, nachgefragt, ob die Ausschreibung ernst gemeint sei. Ein berauschender Job wäre das ja allemal.

© SZ vom 19.02.2021/kafe, van
Zur SZ-Startseite
Brauer fordern weitere Corona-Hilfen

SZ PlusWirtschaft und Corona
:Flasche leer

Die Coronakrise hat sich zu einer Bier-Krise ausgewachsen. Aber schon zuvor sank der Ausstoß seit Jahren. Was das veränderte Trinkverhalten über die Gesellschaft aussagt und warum einige Hoffnung auf Craftbeer ruht.

Von Christoph Koopmann

Lesen Sie mehr zum Thema