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Sozialpolitik:Pflegende Angehörige brauchen mehr Hilfe

Studie belegt hohe Belastung: SPD fordert zusätzliche Angebote zur Unterstützung und bei der Beratung

Angehörige tragen in Bayern nach wie vor die Hauptlast bei der häuslichen Pflege ihrer alten und kranken Verwandten, doch sie finden dabei nicht die Entlastung, die sie eigentlich bräuchten. Dies geht aus einer Studie der Prognos AG hervor, die im Auftrag des bayerischen Gesundheits- und Pflegeministerium erstellt wurde. Nach Auswertung der Studie will die Landtags-SPD nun an diesem Dienstag im Gesundheitsausschuss mit einer Reihe von Anträgen anstoßen, dass pflegende Angehörige in Bayern künftig auf effektivere Hilfsangebote bauen können. Etwa durch eine auf sie zugeschnittene Anleitung zur häuslichen Pflege - oder über eine verstärkte Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer.

Für bereits bestehende und für künftige Pflegeberatungsstellen müsse in diesem Sinne eine Datenbank geschaffen werden, auf der auch ehrenamtliche Berater Zugriff auf alle aktuellen Hilfsangebote in ihrer Region bekommen, forderte die SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann am Montag. Die SPD erwartet sich dabei von der Staatsregierung konkrete Angaben, wie sie die Unterstützungs- und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige ausbauen will. Mehr zu achten sei hier künftig auf die Bedürfnisse jener Kinder und Jugendlichen, "die in die Pflege von Angehörigen eingebunden sind".

Kürzlich erst hatte der neue Pflegereport der Krankenkasse Barmer ergeben, dass viele der pflegenden Angehörigen im Freistaat von der häuslichen Pflege ihrer Verwandten so erschöpft sind, dass sie kurz davorstehen, "das Handtuch zu werfen". Andere hätten gesagt, sie würden nurmehr "mit mehr Unterstützung" weiterpflegen.

Aus Sicht der SPD-Landtagsfraktion kommt die Staatsregierung folglich nicht umhin, sich im Bereich der Pflegeberatung stärker einbringen. Bislang sei diese von Region zu Region unterschiedlich. "Pflegeberatung ist in Bayern wie eine Pralinenschachtel. Ein paar gute Sachen sind dabei, aber man weiß nie, was man bekommt", sagte Waldmann. Um landesweit einheitliche Standards zu schaffen, müsse der Freistaat ein verbindliches Qualitätssiegel Pflegeberatung etablieren.

Die für die Prognos-Studie Befragten stuften zwar das regionale Angebot in der Pflegeberatung überwiegend als "voll ausreichend" oder als "ausreichend" ein. Allerdings stellten sie bei den Unterstützungsangeboten noch "einen großen Entwicklungsbedarf" fest. Viele der von Prognos Befragten erhofften sich zudem, dass pflegende Angehörige künftig verstärkt auf ehrenamtliche Helfer zurückgreifen können, die stundenweise die Betreuung ihrer pflegebedürftigen Verwandten übernehmen - etwa im Rahmen einer organisierten Nachbarschaftshilfe.

Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) verweist indes darauf, dass laut Prognos-Studie dem bestehenden Beratungsangebot durchaus ein hohes Niveau bescheinigt werde. Die Vielfalt und Heterogenität der Beratungslandschaft werde "als Chance gesehen". Ihr Haus treibe bezüglich häuslicher Pflege den Ausbau von Angeboten zur Unterstützung pflegender Angehöriger weiter voran. In diesem Sinne seien bereits viele Anregungen aus der Praxis aufgegriffen worden, um pflegende Angehörige "im Alltag" zu entlasten.

© SZ vom 12.02.2019

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