Soziales Unterstützung für pflegende Kinder

Grüne wollen mit Hilfsangeboten Belastung und Ängste minimieren

Von Dietrich Mittler

Es ist noch keine drei Monate her, da schaffte ein 14-jähriges Mädchen etwas, was selbst versierten Lobbyisten selten gelingt: Als Lana Rebhan aus Bad Königshofen im Landtag aus eigener Erfahrung über die Ängste, Nöte und Belastungen von Kindern und Jugendlichen berichtete, die ihre Angehörigen pflegen müssen, da hörten ihr die Mitglieder des Sozialausschusses gebannt zu. "So still und aufmerksam habe ich den Ausschuss selten erlebt", staunte hinterher die Grünen-Abgeordnete Kerstin Celina, die das Thema der jungen Pflegenden auf die Tagesordnung gebracht hatte. Nun, so betonte Celina am Dienstag, sei es an der Zeit, Hilfsmaßnahmen für die jungen Menschen auch faktisch auf den Weg zu bringen - und zwar mit einem Antragspaket im Landtag.

Am Donnerstag wird sich im Sozialausschuss zeigen, ob der Eindruck, den die 14-jährige Lana hinterließ, den Tag ihres Besuchs im Maximilianeum überdauert hat. An diesem Mittwoch bereits wollen die Sozialpolitiker der CSU intern über die Grünen-Anträge beraten. Was die Grünen jetzt auf den Weg bringen wollen, ist ehrgeizig: ein jugendgerechtes Online-Informationsportal für pflegende Kinder und Jugendliche etwa, über das sich die jungen Pflegenden untereinander austauschen oder Hinweise auf Hilfsangebote finden können. Zudem wünschen sich die Grünen, dass die Staatsregierung endlich eine Bestandsaufnahme macht, wie viele junge Menschen in Bayern überhaupt von dieser Problematik betroffen sind und welche Hilfestellungen es für sie gibt. Im Freistaat fehlen dazu jegliche Erkenntnisse. Nur so viel ist dank einer Studie der Universität Witten bekannt: Deutschlandweit stehen weit mehr als 478 000 Kinder und Jugendliche in einer "Pflegeverantwortung".

Geht es nach den Grünen, so sollen an jeder Schule Bayerns kompetente Ansprechpartner bereitstehen, an die sich pflegende Kinder und Jugendliche wenden können, wenn sie ihren schulischen Aufgaben nicht mehr gerecht werden können. Die 14-jährige Lana hatte den Abgeordneten bei ihrem Besuch im Landtag nahegebracht, wie wenig Verständnis oft jenen Schülerinnen und Schülern entgegenbracht wird, die sich zu Hause in der Freizeit mit aller Kraft um ihre Angehörigen kümmern müssen. Laut Celina sei den betroffenen Familien aber auch schon damit geholfen, wenn sie auf mehr Unterstützung zurückgreifen könnten, um zumindest bisweilen eine Hilfskraft im Haushalt zu beschäftigen.

"Die CSU hat bislang keine Gegenanträge gestellt", sagte Celina auf Nachfrage. Sie hoffe daher, "dass wir einen Konsens in dieser Sache finden können". Auch ein gemeinsamer Antrag sei für sie denkbar. "Aber ich bin nicht bereit, einen Antrag auf ultimo zu verschieben - oder extrem zu verwässern", sagte sie.