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Soziale Netzwerke:Hass ohne Grenzen

Facebook Soziale Netzwerke

Der Hass in den sozialen Netzwerken lässt einen am eigenen Verstand verzweifeln.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Drei aktuell herausgegriffene Vorfälle aus einem Umkreis von wenigen Kilometern beschreiben das von den sogenannten sozialen Netzwerken erzeugte Elend: verbale Verwahrlosung, Hetze, Morddrohungen.

Beim Schnelldurchlauf durch die vergangene Woche mag man am eigenen Verstand zweifeln. Die folgenden drei Phänomene haben sich allesamt in Nordbayern zugetragen, in einem Umkreis von kaum 30 Kilometern.

Erster Vorfall: Ein mittelfränkisches Dorf, in dem keine 50 Einwohner leben, wird von mehreren hundert Menschen belagert. Die Herrschaften haben sich über sogenannte soziale Netzwerke zu einem "Fest" verabredet, zu einem Fest des Hasses. Ihr Anlaufpunkt ist das verwahrloste Haus eines jungen Mannes, der auf Youtube Filmchen ins Netz stellt. Diese sind meist dümmlich, manchmal erbärmlich, oft ärgerlich, fast immer belanglos. Dorfcholeriker wie diesen Mann gibt es seit Jahrhunderten, früher wäre er der schlicht-verschrobene Typ von nebenan gewesen, den man nicht mögen muss, um den man sich aber kümmert. Jetzt hält sich der Mann für einen Internetstar. Und der Mob feixt, verabredet sich in dessen Dorf, fährt mehrere hundert Kilometer, um gemeinsam Hass zu zeigen. Die Dorfbewohner fühlen sich terrorisiert, die Polizei muss Überstunden machen.

Zweiter Vorfall: In Nürnberg tobt der Kampf um den Abschuss von Wildgänsen an einem städtischen See. Das Ganze wurde wochenlang diskutiert. Die einen sagen, vor allem für Kinder sind die Kothaufen der Gänse gefährlich. Die anderen sagen, Gänse schießen geht gar nicht. Beides wird man vertreten können. Dann werden acht Gänse geschossen und eine muss, einem privaten Facebook-Film zufolge, offenbar lange leiden. Das ist Mist, das muss man sagen können. Dabei aber bleibt es nicht. Der verantwortliche Bürgermeister bekommt Morddrohungen, Beschimpfungen in vierstelliger Anzahl, in seinem Vorgarten liegt ein Backstein, Aufschrift: Heute liegt er vor der Tür, morgen im Haus. Man werde ihm in den Kopf schießen, schreibt ihm ein anderer.

Dritter Vorfall: Über Erlangen kreist 90 Minuten lang ein Polizeihubschrauber. Die Sozialnetzwerker geifern: Wie können die unseren Feierabend ruinieren? Es wird ein Vermisster gesucht, aber das kümmert die Hasser natürlich nicht.

Die Netz- werden zu Hetzwerken. Wer wohl diese Woche dran ist? Gemüseverkäufer, Rückenschwimmer, Salbeiteetrinker, Abendspaziergänger? Fast ist es egal. Der Hass wird sich seinen Weg bahnen.

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