Gestaltung von SpielplätzenWenn man auf der Rutsche Spiegeleier braten kann

Lesezeit: 3 Min.

Auch beim neuen Spielplatz bei der Theresienwiese in München gab es schon Beschwerden über die zu heiße Rutsche.
Auch beim neuen Spielplatz bei der Theresienwiese in München gab es schon Beschwerden über die zu heiße Rutsche.
Foto: Malin Wunderlich/dpa
  • Viele Spielplätze werden im Hochsommer unerträglich heiß, weil Bäume fehlen und sich Spielgeräte wie Rutschen stark aufheizen.
  • Experten fordern mehr Hitzeschutz durch schattenspendende Bäume, Wasserspiele und bessere Ausrichtung der Spielgeräte, doch einheitliche Standards fehlen.
  • Kommunen wie München und Nürnberg planen verstärkt Bäume und Wasserspiele, doch vollständige Beschattung ist aus Sicherheits- und Kostengründen nicht möglich.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Aufgeheizte Spielgeräte und kaum Schatten – manche Spielplätze werden im Hochsommer unerträglich heiß. Ein Umbau könnte sich aber nicht nur für Kinder lohnen.

SZ bei Google bevorzugen

Die Sonne knallt aufs Klettergerüst, Schaukeln und Rutsche werden unangenehm heiß. Auf vielen Spielplätzen lässt es sich bei Hitze kaum aushalten, weil Bäume fehlen und die Betonwüste in der Umgebung alles noch mehr aufheizt. Doch gerade in der Stadt sind Spielplätze oft der einzige Ort für Kinder, an dem sie sich austoben und an der frischen Luft bewegen können. Fachleute sehen deshalb Nachholbedarf.

Angesichts der Klimakrise gebe es inzwischen ein Bewusstsein dafür, dass auch Spielplätze Hitzeschutz brauchen, sagt Anne-Charlotta Dehler, Kinderrechts-Expertin des Deutschen Kinderhilfswerkes. „Es gibt jedoch keine einheitlichen Standards, an denen sich Kommunen orientieren könnten.“ Zwar gebe es etwa Vorgaben zur Sicherheit oder Barrierefreiheit, aber keine zu konkreten Maßnahmen für den Hitzeschutz.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

„Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Anwendungs- und ein Umsetzungsproblem“, sagt auch Rolf Schwarz, Professor für kindliche Bewegungsentwicklung von der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe. Gerade kleinere Kommunen seien damit überfordert, die Klimaanpassung beim Bau von Spielplätzen mitzudenken. Zudem sei der Aufwand höher und das Projekt damit teurer. „Das wollen schlicht und ergreifend im Zeitalter klammer kommunaler Kassen viele nicht.“

Die Stadt München unterhält dem Baureferat zufolge mehr als 820 Spielplätze. Im vergangenen Sommer eröffnete diese den neuen Spielplatz auf der Theresienwiese, der zusammen mit weiteren Spielstationen in der Nähe für 3,2 Millionen Euro umgestaltet wurde. Kurz darauf gab es Medienberichte, dass die mehr als sieben Meter hohe Edelstahlrutsche sich in der prallen Sonne aufheizte.

Dem Baureferat ist die Problematik bekannt. Die Rutsche sei nach Osten ausgerichtet, damit direkte Sonneneinstrahlung zur Mittagszeit vermieden werde, teilt das Referat mit. Dennoch könne sich die Rutsche an heißen Tagen, besonders wenn die Sonne im Zenit stehe, erhitzen – was nicht ungewöhnlich sei. Eltern empfiehlt das Baureferat, ihre Kinder zur Mittagszeit an den nahegelegenen Spiel- und Sportstationen unter den Bäumen spielen zu lassen.

Kinder auf dem Posseltspielplatz in München. Das Klettergerüst liegt schön im Schatten.
Kinder auf dem Posseltspielplatz in München. Das Klettergerüst liegt schön im Schatten.
Foto: Malin Wunderlich/dpa
Und auch die Spielhütte auf dem Spielplatz heizt sich nicht so leicht auf.
Und auch die Spielhütte auf dem Spielplatz heizt sich nicht so leicht auf.
Foto: Malin Wunderlich/dpa

Bei Hitze meiden – das gilt vermutlich für viele Spielplätze in Deutschland. Denn oft fehle es an hohen schattenspendenden Bäumen und anderen Pflanzen, die über Verdunstung die Umgebung kühlten, sagt Anne-Charlotta Dehler. Der Experte Rolf Schwarz nennt weitere Maßnahmen gegen Hitze: Wiese, Holzhackschnitzel und im Schatten gelegener Sand statt Kunststoffböden, schattige Spielhütten, Rutschen nach Norden ausrichten, Spielbrunnen und Sprühnebel.

Einige Kommunen denken die Klimaerwärmung bereits mit, wenn sie Spielplätze neu bauen oder umgestalten lassen. So wollen München und Nürnberg verstärkt Bäume und Sträucher pflanzen. Wasserspiele können demzufolge ebenfalls Abkühlung bringen.
Das Land Berlin will laut seines Hitzeaktionsplans eine Bestandsaufnahme öffentlicher Spielplätze in besonders betroffenen Stadtteilen durchführen und ermitteln, wie die Hitzebelastung verringert werden kann. Viele der Maßnahmen sind allerdings langfristig angelegt.

Und sie haben der Stadt Nürnberg zufolge Grenzen: Eine vollständige Beschattung aller Spielflächen werde bewusst nicht angestrebt, erläutert der Zweite Bürgermeister Andreas Krieglstein (CSU). Es müsse auch sonnige Bereiche für die kühle Jahreszeit geben. Zudem könnten Spielgeräte aus Sicherheitsgründen nicht direkt neben Bäumen aufgestellt werden. Jeden Spielplatz mit Wasserspielen auszustatten, sei ebenfalls nicht möglich, sagt Krieglstein. Diese Elemente seien wegen der aufwendigen Wassertechnik kostspielig und pflegeintensiv.

Wasserstationen auf dem Spielplatz bringen Abkühlung, sind aber auch teuer.
Wasserstationen auf dem Spielplatz bringen Abkühlung, sind aber auch teuer.
Foto: Robert Haas

Für die Städte könnte es sich aus Sicht von Professor Schwarz dennoch lohnen, in den Hitzeschutz der Spielplätze zu investieren. „Moderner Spielplatzbau ist auch immer Stadtentwicklung“, sagt er. Spielplätze an der richtigen Stelle könnten etwa dafür sorgen, dass Lüftungskanäle quer durch die Stadt entstehen und heiße Luft abziehen kann.

Gleichzeitig müssten auch diese in einem Gesamtkonzept gedacht werden, betont Schwarz. Neu gepflanzte Bäume brauchen sehr viel Wasser. Doch wo kommt das her? Eine Lösung könnte laut Schwarz ein System aus Zisternen sein, die Regenwasser auffangen. Mit aufbereitetem Wasser aus diesen könne man auch Sprühnebel und Spielbrunnen speisen, erläutert er.

Aber was ist, wenn Kinder erst durch glühend heiße Straßen laufen müssen, um auf einen schattigen Spielplatz zu kommen? Auch an diesem Punkt sieht Schwarz die Stadtentwicklung gefordert. Grüne Bänder sollten wie eine Art Stern die Städte durchziehen, sodass die Menschen es nie weit zu den grünen Oasen haben. Oder man mache es wie die Stadt Freiburg, meint Schwarz. Dort fließen kleine Wasserläufe – Bächle genannt – durch die Altstadt. „Im Sommer ist das ein einziger Spielplatz“, sagt der Experte.

© SZ/DPA - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Ungewöhnliche Architektur
:Wohnen hoch über Augsburg

Der Hotelturm ist das höchste bewohnte Baudenkmal Bayerns. Die Bewohner haben eine Concierge und eine tolle Aussicht – und oft die Polizei im Haus.

SZ PlusVon Florian Fuchs

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: