Aufregung nach Söder-Tweet:CSU, Corona und Cannabis

Lesezeit: 1 min

Bayerischer Landtag berät über schärfere Corona-Regeln

Hat auf Twitter einiges vermengt: Markus Söder

(Foto: dpa)

Markus Söder verrührt in einem Tweet die epidemische Notlage mit der Legalisierung von Drogen. Das löst Empörung und Belustigung aus - und ist ein Vorgeschmack auf den Landtagswahlkampf 2023.

Glosse von Maximilian Gerl

Der Gedanke ist natürlich rein hypothetisch, aber durchspielen kann man ihn trotzdem. Wenn man sich also - nur mal angenommen - ständig Kritik anhören muss, warum im eigenen Land ein Virus wütet, warum so wenige Menschen dagegen geimpft sind und warum man zu spät reagiert, um das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren, ja dann könnte man - rein hypothetisch - an die politische Konkurrenz anderswo denken und folgende Antwort ins Smartphone tippen: "Die Ampel hat die Situation falsch eingeschätzt. Es ist unangemessen, die epidemische Notlage abzuschaffen und parallel Drogen zu legalisieren. Das ist ein grundlegender Fehler."

Zumindest die Sätze dieses - sonst natürlich rein hypothetischen - Beispiels lassen sich seit Montag, 13.51 Uhr, ganz real lesen: auf dem offiziellen Twitteraccount von Ministerpräsident Markus Söder. Nun ist Twitter, wo gerne in wenigen Zeichen viel geschimpft wird, gesellschaftlich wenig repräsentativ. Doch ausweislich der Antworten, die sich unter dem Tweet sammelten, schienen sogar hartgesottene User bei Söders Sätzen fast vom Stuhl zu fallen. Während die einen nach einem Zusammenhang zwischen Corona und Cannabis suchten, warnten andere vor dem übermäßigen Konsum von Cola light. Dritte vermuteten die Satire-Seite Postillon am Werk oder dass die CSU eine Künstliche Intelligenz teste, die automatisiert Partei-Positionen zusammenwürfele. Besonders komisch aber konnten die Erwiderungen jener anmuten, die vor ein paar Monaten noch am liebsten einen "Freedom Day" von der Pandemie gefeiert hätten. "Bayerns Krankenhäuser laufen voll und Sie halten auf Twitter Aschermittwochs-Reden", befand etwa FDP-Fraktionschef Martin Hagen: "unwürdig."

Die Macht allerdings, die Söders ausbalanciertem Wortgefüge innewohnt, erkannte offenbar kaum ein Twitter-User. Sätze, die aufs Herz zielen und das Hirn treffen, bleiben einfach hängen. Nicht-Twitter-Bayern darf sich damit schon einmal auf den Landtagswahlkampf 2023 und einen Schwung ausgeruhter Slogans freuen. Der von der CSU könnte dann - rein hypothetisch - so lauten: "Die Ampel hat die Situation falsch eingeschätzt. Es ist unangemessen, Markus Söder nicht zu wählen und parallel Drogen zu legalisieren. Das ist ein grundlegender Fehler."

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