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Debattenkultur:Der Ministerpräsident isst ein Steak - schockschwere Not!

Grillen

Ist böse wer Fleisch ist? Und noch böser, wer viel Fleisch ist?

(Foto: dpa)

In Niederbayern wird ein Weltrekord aus Schweinefleisch gebraten und der Ministerpräsident postet ein "tolles Steak". Daraufhin hagelt es Belehrungen im Netz. Mancher vergreift sich dabei im Ton.

Neulich hat der bayerische Ministerpräsident ein Steak gegessen. Für den neutralen Beobachter warf das zwei Fragen auf. Erstens: Braucht's das? Dass nämlich Markus Söder ein Bild seiner Mahlzeit über soziale Medien präsentieren muss, wie es manche Menschen heutzutage gewohnheitsmäßig tun, vom Frühstücksei bis zum Schlummertrunk. Und zweitens: Schmeckt das denn? Arg durchgebraten sah das Fleischstück aus, da konnte auch der Klecks Kräuterbutter wohl nicht mehr viel ausrichten.

Beides interessierte die meisten Kommentatoren im Netz aber nicht, sondern eine Welle der Empörung machte sich breit: Söder! Steak! Wie kann er nur! Mon Dieu! Skandalon! Schockschwere Not! Die Stimmung wirkte mitunter so aufgeheizt, als hätte der CSU-Politiker ein süßes Fohlen verspeist, lebendig. Am selben Tag hatte Söder im ARD-Sommerinterview mit seinen Klimaschutzplänen geprahlt - das sei ja jetzt unglaubwürdig, meinten viele User, "der grüne Anstrich hat nicht lange gehalten". Eine Frau echauffierte sich: "Ein Stück Fleisch zu posten von einem gequälten Tier, was leben wollte, und das als Politiker, das ist wirklich nur noch unterirdisch." Es hätte eigentlich nur noch eine Rücktrittsforderung gefehlt.

Nun ließe sich schmunzeln über den Vorfall, aber es scheint sich doch ein Muster zu entwickeln in solchen Debatten. Bei allen hehren Zielen, bei allen Argumenten, die man zu Klimaschutz, Konsum, Tierwohl oder einer Fleischsteuer aufführen kann - man kann hier eine Art Fleisch-Stasi beobachten, die nach vermeintlich rügenswerter Lebensweise fahndet, um mit der Keule der Belehrung zuzuschlagen; die sich progressiv gibt, tatsächlich aber individuelle Freiheiten in der Gesellschaft abbestellen will. Und die wohl erst Ruhe gibt, wenn sich Söder als Liebhaber von Tofubratlingen zu erkennen gäbe. Ein Glück zumindest, dass es ein Steak war und kein pfundschweres fränkisches Schäufele. Oder die in Söders Heimat beliebte Schlachtschüssel mit Kesselfleisch, Leber-, Blut- und Bratwurst. Oder gar ein 1000-Kilogramm-Schnitzel.

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Ein solches soll in ein paar Wochen in Mengkofen im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau fabriziert werden. Bei einem Familienfest will man den Weltrekord für XXL-Schnitzel erringen: in Form eines 70 Quadratmeter großen Fleischlappens mit einem Gewicht von einer Tonne. Akut laufen allerlei Vorbereitungen, es ist ein logistischer Kraftakt. Zehn Stunden sind am Tag der Tage anberaumt für Transport, Fleischzusammenfügung, Panieren, Braten mit Tausenden Litern Öl und vor allem das aufwendige Wenden. Das Rekordschnitzel von Mengkofen soll in 4500 Portionen zerteilt von den Festbesuchern verspeist werden; der Erlös kommt einem karitativen Projekt zugute. Die Idee hatte Rudi Dietl, ein Unternehmer aus der Nähe von Straubing, der 2017 schon mit einem Rekord-Burger Aufsehen erregte und auch weitere kuriose Events betreibt. In Niederbayern sehen sie das Projekt mit Regionalstolz, so soll Mengkofen endlich seinen Platz im Guinnessbuch der Rekorde erhalten, heißt es. Der Gartenbauverein packt an, die heimische Wirtschaft tritt zahlreich als Sponsor auf, Plakate künden von der Vorfreude auf das Spektakel Mitte September.

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Nicht erfreut sind freilich unzählige Leute, die nach den ersten Medienberichten über das Fest Facebook vollschreiben. Verbot, Verbot, Verbot, liest man da zum Beispiel, die Lebensmittelbehörden müssten umgehend bei dem "Frevel" einschreiten. Oder: "Zum Kotzen", "eklig", "sowas von krank, Fleischfressen zum Spaß". Einer doziert: "Gefordert ist ein grundlegender Wandel der aktuellen klimaschädlichen Muster von Produktion und Konsum." Eine andere Stimme sieht ein "erbärmliches und respektloses Treiben gegenüber dem Leben", an dem Kran, mit dem der Fleischbrocken in die Höhe gezogen wird, hingen 50 Schweine. Und kann nicht mal einer an die Kinder denken! Denen werde ein falsches Bild vermittelt. Eine Frau zürnt, man solle den Unternehmer selbst zu Schnitzel verarbeiten.

Auch in Mengkofen lässt sich einwenden: Braucht's das? Und schmeckt das? Aber selbst wenn Dietl die Tonne Schnitzel persönlich verschlänge, stellt sich die Frage, ob denn die Devise von "Leben und leben lassen" (wenngleich nicht für die Schweine) gar nichts mehr gilt. Ob der Ministerpräsident dem Fest beiwohnt, ist noch nicht bekannt.

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