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Nach Söder-Rückzug:Herzflattern in der CSU

Söder und Blume informieren über Konsequenzen aus Maskenaffäre

"Verdammt gutes Angebot": CSU-Generalsekretär Markus Blume am Dienstag über die Kandidatur seines Parteichefs.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Wie die Partei auf den Rückzug ihres Vormanns Markus Söder reagiert - und wie Christsoziale einen Wahlkampf mit Laschet sehen.

Von Johann Osel

Jeder Kardiologe musste in Sorge geraten. "Herzkammer" nennt sich die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag selbst, und der Umstand, dass Markus Söder Chancen auf die Kanzlerkandidatur haben könnte, hatte den Herzschlag mächtig hochgetrieben - bester Bewerber, fähigster Mann, idealer Kanzler, derlei Superlative und viel Euphorie. Am Dienstag, kurz nach Söders Rückzug zugunsten von Armin Laschet, tagt die Fraktion. Keine rasende Stimmung mehr, alles maximal heruntergedimmt. "Ernüchterung", "Enttäuschung", "vertane Chance", melden Abgeordnete aus den Beratungen. Und auch: "Erschütterung über das Spektakel, das der CDU-Vorstand gestern aufgeführt hat". Auf was sich alle einigen können: "Kanzlerkandidat der Herzen".

So formuliert es mittags auch CSU-Generalsekretär Markus Blume, mit Söder in der Parteizentrale. "Die Würfel sind gefallen", hebt Söder Laschet auf den Thron, doch sein General hat Ergänzungen. Es sei ein Angebot von Söder gewesen, und zwar "ein verdammt gutes Angebot". Söder habe "begeistert", er habe gezeigt, welche "Zugkraft" er bundesweit besitze. Nun aber eben: Mehrheitsentscheid des CDU-Bundesvorstands, "innerparteiliche Demokratie". Also Glückwunsch, Armin Laschet, jetzt beginne der gemeinsame Wahlkampf. "Gemeinsam" - das Wort fällt so häufig wie in der gesamten Woche. Nur dass es diesmal definitiv gelten soll.

Die Stärke der Grünen ist auch bei der CSU ein Thema

In der Landtagsfraktion freilich, der Blume angehört, tut man sich noch schwerer mit dem Verdauen. "Jedem ist bewusst, wie stark die Grünen aufgestellt sind", meint ein CSU-Mann dort. Soll bedeuten: Wie soll das klappen, Wahlkampf mit einem "beschädigten" Laschet? Die CDU habe es "selber verbockt", analysiert ein Kollege - schon bei der Wahl Laschets zum Parteichef, obwohl es schon damals Bedenken gegeben haben müsse. Er malt sogar ein Schreckgespenst, das in der erfolgsabonnierten CSU (mit immerhin 37 Prozent bei der Wahl 2018) wie eine Dystopie klingt: die Gefahr des Niedergangs der Christdemokratie in Deutschland, wie einst bei der Schwesterpartei in Italien.

Nach außen wird indes optimistischer gesprochen. Von Fraktionschef Thomas Kreuzer zum Beispiel, der im Landtag vor die Presse tritt. Kreuzer ist nicht nur als Söderianer bekannt, der seine Fraktion gern mal mit der Linie des Ministerpräsidenten, man könnte sagen, harmonisiert. Er tat sich zuletzt sogar als oberster Fanboy des Kandidaten Söder hervor. Er war mit der Idee eines Mitgliederentscheids in der Union vorgeprescht. Es sei bekannt, sagt Kreuzer nun, dass er sich nicht nur Söder als Kandidat gewünscht hätte, sondern auch eine "breitere" Entscheidung. Nun sei es anders gekommen. Daher bitte alle Zeichen auf Wahlkampf, auch mit Laschet. Es gehe ja nicht nur um eine Person, betont der ausgewiesene Konservative Kreuzer, sondern darum: "Welche Richtung nimmt Deutschland?" Die falsche ist seiner Ansicht nach eine "Regentschaft der Grünen mit ihrer Verbots- und Gängelungskultur".

Wahlkampf mit Laschet stelle er sich schwierig vor, sagt ein CSU-Abgeordneter

Doch ein starker Wahlkampf nach dieser Vorstellung? Dass Laschet die Plakate selber kleben müsse, liest man am Vormittag auf mancher Twitter-Hauswand in der Schwester CDU, gerade in der jüngeren Generation. Und in Bayern, wie stark wird sich die Basis reinhängen? "Stelle ich mir schwierig vor", sagt ein CSU-Abgeordneter. In Parteikreisen ist aber davon die Rede, dass "diese Stunde null" nicht maßgeblich sei für die nächsten Monate, dass es "halt ein paar Tage zum Verkraften" brauche. Wenn das Programm komme, wenn es Konfrontation mit den politischen Gegnern gebe, wenn Laschet loslege - dann lege auch die CSU-Basis los.

In der Jungen Union in Bayern, oft Speerspitze im Wahlkampf, soll mancher im ersten Ärger bekundet haben, er wähle im September die FDP. Diplomatischer sieht die Sache Nicola Gehringer, Landesgeschäftsführerin der JU und Kommunalpolitikerin im Kreis München. Natürlich sei "heute ein Tag der Enttäuschung", natürlich sei Armin Laschet "nicht der Wunschkandidat" gewesen - aber sie sei gespannt auf seinen Wahlkampf. Es gehe auch darum, die eigenen CSU-Leute in den Bundestag zu bringen, da komme schon auch "hohe Motivation" auf. Gehringer empfiehlt mit bayerischem Zungenschlag: "Zamreißen und anpacken."

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