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Coronavirus-Pandemie:Söders Symbol

Sitzung des bayerischen Kabinetts

Markus Söder in der bayerischen Staatskanzlei

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Bayerns Ministerpräsident schickt Impfstoff ins Nachbarland Tschechien. Das ist auch "eine symbolische Maßnahme", wie Söder sagt. Sie könnte aber für den Freistaat noch von Vorteil sein.

Kommentar von Andreas Glas

Es gab wohl keinen Politiker in den vergangenen Jahren, der so oft im Verdacht der Symbolpolitik stand wie Markus Söder. Er kämpft praktisch schon immer gegen dieses Image. Und jetzt? Räumt Bayerns Ministerpräsident offen ein, dass die Impfstofflieferung aus Bayern, Sachsen und Thüringen nach Tschechien auch "eine symbolische Maßnahme" sei.

Diesmal allerdings wäre es falsch, Söder und seinen beiden Amtskollegen einen Vorwurf zu machen. Im Gegenteil. Angesichts der Infektionslage in Tschechien kann Symbolpolitik ausnahmsweise nicht schaden, sondern helfen.

Absurd genug, dass hierzulande Hunderttausende Astra-Zeneca-Impfdosen von denen verschmäht werden, die sofort dran wären - während Millionen sehnsüchtig auf einen Termin warten und keinen kriegen, weil sie noch nicht an der Reihe sind.

Noch absurder aber wäre es, würden die Impfdosen in deutschen Kühlschränken vergammeln, während das Nachbarland mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz in Europa dringend Hilfe braucht.

Mit jedem Vakzin, das in Tschechien verimpft wird, sinkt zudem das Risiko, dass Berufspendler das Virus nach Deutschland tragen. Im besten Fall erfährt der Astra-Zeneca-Impfstoff sogar eine Aufwertung, wenn die Skeptiker hier sehen, wie dankbar er dort angenommen wird. Dann hätte die Symbolpolitik richtig etwas bewirkt.

© SZ/sonn
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