Besuch auf HelgolandWarum Markus Söder von einer Insel in der Nordsee träumt

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Die Nordseeinsel Helgoland gehört zu Schleswig-Holstein. Noch. Gehe es nach dem Länderfinanzausgleich, könnte es auch zu Bayern gehören, findet Markus Söder.
Die Nordseeinsel Helgoland gehört zu Schleswig-Holstein. Noch. Gehe es nach dem Länderfinanzausgleich, könnte es auch zu Bayern gehören, findet Markus Söder. Anika Börries/Imago

Weil der Freistaat führender Geldgeber im Länderfinanzausgleich ist, findet Ministerpräsident Markus Söder, dass Sylt und Helgoland bayerisch sein sollten. Nun macht er Ernst und kommt zu Besuch. Alles nur ein Scherz. Natürlich.

Glosse von Lena Hamel

Er hat es wirklich gesagt. Im Februar machte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder seine Annexionspläne öffentlich, als er witzelte: „Wenn es nach dem Länderfinanzausgleich geht, dann wären Sylt und Helgoland längst bayerisch.“ Und der Mann meint das offenbar ernst. Denn jetzt kommt er tatsächlich. Söder hat sich aufgemacht, diese Inseln im Norden zu besuchen, die seiner Ansicht nach im Grunde zu seinem Einflussbereich gehören sollten.

Der Bürgermeister von Helgoland und die Tourismusdirektorin haben ihn nämlich eingeladen – sozusagen, um ihn milde zu stimmen. Also rollt man ihm den Teppich aus, zeigt Söder Dünen, Wind und Watt, während er vermutlich innerlich die Biergartenpotenziale der Strandbars taxiert und prüft, ob das Wattenmeer nicht doch zu einem Voralpensee erklärt werden könnte.

Denn ja, Bayern gibt und Schleswig-Holstein nimmt. Der Freistaat zahlt am meisten Geld in den Länderfinanzausgleich ein. Sehr großzügig sogar, wenn auch niemals ohne Hinweis auf die eigene Opferrolle. Söder, der Robin Hood aus Nürnberg, nur eben umgekehrt: Er nimmt den Reichen mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Vermögensteuer nichts weg, aber erinnert die Armen bei jedem Fernsehauftritt daran, wie viel sie ihm verdanken.

Jetzt also Helgoland und Sylt. Die Insel der Schönen, Reichen und CSU-nahen Zweitwohnungsbesitzer. Man wundert sich fast, dass Sylt nicht längst eine Art bayerische Exklave ist. Nur eben mit Krabbenbrötchen am Strand von Westerland statt mit Weißwurstfrühstück im Biergarten. Mia san mia trifft Moin Moin. Wobei ein Moin bekanntlich reicht, wir wollen es ja nicht übertreiben mit der Redseligkeit. Manch ein bayerisches Restaurant auf Sylt tischt bereits Söders Lieblingsspeise, Nürnberger Rostbratwürstchen, auf. Der Grundstein für eine gastronomische Vereinnahmung des Nordens ist also schon gelegt. Da scheint die restliche Annexion der nordfriesischen Insel ein Klacks zu sein.

Als Norddeutsche steht die Autorin dem bayerischen Selbstverständnis mit einer Mischung aus Skepsis und Amüsement gegenüber.  Wir hier im Norden mögen es rau, direkt, ein bisschen windschief. Aber die Vorstellung, plötzlich mit Blasmusik beim Strandkorbaufstellen begrüßt zu werden, jagt einem mehr Schauer über den Rücken als ein Nordseesturm im November.

Und wenn Helgoland als Nächstes auf dem Söder'schen Zettel steht, dann sollte man sich dort schon mal warm anziehen. Am besten mit wattfester Trachtenmode. Die Bayern kommen. Aber keine Sorge, Herr Söder: Wir im Norden nehmen es sportlich. Sowieso war das Ganze ja ein Scherz. Und wenn keiner lacht, liegt das sicher nur am Gegenwind.

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