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Smileys im Autoverkehr:Bitte lächeln

Neue Geschwindigkeitskontrolle: Smileys statt Blitzer.

Mund hoch, alles gut: Ein lächelndes Smiley signalisiert, dass man nicht zu schnell unterwegs ist.

(Foto: dpa)

Wer das grüne Smiley sieht, fährt nicht zu schnell: Sogenannte Dialog-Displays sollen Autofahrer daran erinnern, auf die Verkehrsregeln zu achten. Ein Verkehrspsychologe ist von den Anzeigen überzeugt, doch viele Kommunen lehnen sie ab - weil sie zu Schabernack verleiten.

Breitbrunn am Ammersee hat es, die Landeshauptstadt diskutiert darüber, Bad Königshofen in Unterfranken ist schon wieder darüber hinweg: Es geht um das Dialog-Display. Ein Wort, das sich nach Willen seiner Entwickler bald ebenso in den Wortschatz der Verkehrsteilnehmer einfügen soll wie dies Ampel oder Starenkasten schon geschafft haben.

Aber welchen Dialog führt das Display und mit wem? Es geht um den Autofahrer. Fährt er am Ortseingang mehr als 50 Kilometer pro Stunde, zeigt das Display am Straßenrand einen traurigen, roten Smiley. Fährt der Autolenker vorbildlich, lächelt das Männlein zustimmend und grün.

Mancher hält das einfach nur für infantil - und das bei immer älter werdenden Autofahrern. Andere glauben, die Dialogdisplays seien ein sinnvoller Belohnungsanreiz. So auch der Verkehrspsychologe Gerhard Laub vom TÜV Süd. Der Smiley erzeuge Freude bei denen, die sich an die Regel halten. Und das sei wichtig, denn im Straßenverkehr seien Rückmeldungen auf Verhaltensweisen bisher eher negativ, sprich: Verwarnungen, Bußgelder, Punkte. "Aber niemand lobt einen, wenn man etwas richtig gemacht hat." Bis auf den Smiley.

"Es wirkt", sagt der Verkehrspsychologe

Auf ähnlichen Displays ist ein kleines, blondes Mädchen mit Brille zu sehen, das "Danke" sagt, wenn der Vorbeifahrende die vorgeschriebene Geschwindigkeit eingehalten hat. Wenn nicht, mahnt es, "Langsam" zu fahren. Das kann auch schlechte Laune machen. "Ja", sagt Laub, "aber das Danke ist eine angenehme Nettigkeit."

Auf Landstraßen verliere man das Gefühl für die Geschwindigkeit, die Straße verändert sich trotz Ortseingangsschild oft kaum und schließlich gebe es lediglich jenes gelbe Schild mit dem Ortsnamen, das uns daran erinnert, 50 zu fahren. Kein Extra-Schild weist darauf hin. "Das Display erinnert die Autofahrer daran, dass die Schilder ernst zu nehmen sind", sagt Laub. Nicht zuletzt sei auch die Vorbildwirkung von Vorder- oder Hintermann nicht zu unterschätzen. Man wolle den grünen Smiley auch haben, wenn der Vordermann ihn hatte - und wenn nicht, dann erst recht. "Es wirkt", sagt Laub.

Münchner Stadtrat lehnt Smileys ab

So sieht man das auch im Kreisverwaltungsreferat (KVR) der Landeshauptstadt München. Die Behörde beantragte 2011 zehn solcher solarbetriebener Tafeln anzuschaffen, die paarweise in Tempo-30- und Tempo-50-Zonen in der Stadt aufgestellt werden sollten. Für eine Laufzeit von vier Jahren hätte das die Stadt 180.000 Euro gekostet.

Das KVR hatte sich damals auf Pilotversuche in München und anderen Städten wie Berlin, Frankfurt am Main, Chemnitz und Gütersloh bezogen. In allen Städten hatte man Fahrverhalten ausgewertet, teils unterstützt von Wissenschaftlern etwa von der Technischen Universität Dresden und der in München. Demnach fuhren die Autofahrer an Displays mit Kindergesicht bis zu drei Kilometer pro Stunde langsamer. An Tafeln, die nur die aktuelle Geschwindigkeit anzeigten, verlangsamten Fahrer kaum ihr Tempo, zudem sei dieser kleine Effekt nach dem Abbau der Tafeln wieder verschwunden.

An Dialog-Displays mit Danke-Anzeige hingegen habe man keinen Gewöhnungseffekt festgestellt. Das klang ganz und gar vielversprechend. Doch der Stadtrat lehnte ab. Dabei soll München die Stadt sein, in der am schnellsten gefahren wird, wie vor Jahren einmal die Abendzeitung feststellte - fast 64 Kilometer pro Stunde.

Vielleicht hatten die Stadträte auch einfach nur vorher in Bad Königshofen angerufen. Dort hatte man vor ein paar Jahren einige Dialog-Displays für einen Versuch kostenfrei bekommen und festgestellt: Die Displays brachten nichts - außer Schabernack. "Manche wollen dann ausprobieren, ob die Anzeige bei 120 immer noch etwas anzeigt", sagt ein Stadtsprecher, und das sei natürlich das Gegenteil von dem, was man erreichen wollte.

Auch die Dialog-Displays in Bad Königshofen hatten einen Zählmechanismus, der Geschwindigkeit und Fahrzeugtypus aufzeichnete. Die Auswertung habe keine Besserung erkennen lassen, sagt der Mann. Spätestens nach dem Abbau der Schilder sei alles gewesen wie zuvor. Als langfristige Erziehungsmaßnahme eignen sich nur Bußgelder, ist man sich in Bad Königshofen nach dem Versuch sicher. Zu schnell fahren müsse weh tun; nett sein zu denen, die es ohnehin richtig machen, bringe nichts. Die Displays hat man als Spielerei ad acta gelegt. Vielleicht ist es angenehmer, Geld durch Blitzer einzunehmen, als für freundliche Anreize auszugeben.

© SZ vom 16.08.2013
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