Skitourismus in Bayern Sudelfeld-Ausbau geht weiter

Die Bauarbeiten zur Erweiterung des Skigebiets am Sudelfeld dürfen weitergehen. Die Bedenken der Naturschützer wurden vor Gericht abgewiesen.

(Foto: Heiner Effern)

Der Kampf der Naturschützer war vergebens: Die Bauarbeiten für einen riesigen Speichersee im Skigebiet am Sudelfeld dürfen nach einer Gerichtsentscheidung vorerst weitergehen. Damit schwindet die Hoffnung auf einen Baustopp.

  • An den 250 neuen Schneekanonen und dem Speichersee in dem Skigebiet am Sudelfeld darf vorerst weiter gebaut werden.
  • Die Beschwerde des Deutschen Alpenvereins und des Bundes Naturschutz wurde zurückgewiesen.
  • ​Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof begründet seine Entscheidung damit, dass das öffentliche Interesse überwiegt.

Urteil gegen die Proteste von Umweltschützern

Der umstrittene Bau neuer Schneekanonen im oberbayerischen Skigebiet Sudelfeld kann trotz Protesten von Umweltschützern weitergehen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat eine Beschwerde des Deutschen Alpenvereins (DAV) und des Bundes Naturschutz (BN) zurückgewiesen. Das öffentliche Interesse und das Interesse der Bergbahnbetreiberin am Fortschreiten der Baumaßnahmen überwiege, begründete das Gericht seine Entscheidung. Damit bestätigte die VGH-Kammer einen Beschluss des Verwaltungsgerichts München.

Speichersee und 250 neue Schneekanonen

Geplant ist ein riesiger Speichersee mit einem Fassungsvermögen von mehr als 150 000 Kubikmetern Wasser. Damit sollen 250 neuen Schneekanonen betrieben werden.

Naturschützer nennen Sudelfeld-Ausbau "skandalös"

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Der Deutsche Alpenverein und der Bund Naturschutz wollen nun beraten, wie sie weiter vorgehen. "Wir sind enttäuscht. Unsere Argumente sind ausreichend nicht gewürdigt worden", sagte Hanspeter Mair vom DAV. Auch SPD und Grüne im Landtag kritisierten die Entscheidung des Gerichts.

Naturschützer sehen eine Verschandelung der Natur und warnen angesichts des Klimawandels vor einem sinnlosen Irrweg, weil in niedrig gelegenen Skigebieten auf Dauer ohnehin Wintersport nicht mehr ausreichend möglich sein werde. Es müssten andere Signale für die Tourismusentwicklung in den Alpen gesetzt werden.

Die Region ist abhängig vom Tourismus

Die Verwaltungsrichter argumentierten hingegen, dass die Gewährleistung von Schneesicherheit für das Gebiet wichtig ist. Am Sudelfeld sei man vom Tourismus abhängig, somit sei das geplante Projekt auch für den Erhalt und die Förderung der Wirtschaftskraft und von Arbeitsplätzen nötig.

Streit ums Sudelfeld

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Auch artenschutzrechtliche Bedenken mit Blick auf die Brut des Birkhuhns gebe es nicht, da die Schneekanonen nur von Mitte November bis Ende Februar eingesetzt werden sollen. Außerdem seien keine nachteiligen Auswirkungen auf das Grundwasser zu erwarten.

SPD und Grünen kritisieren Entscheidung

"Es ist mir schleierhaft, wie man bei dieser völlig überzogenen Maßnahme ein öffentliches Interesse unterstellen kann", sagte die Grünen-Abgeordnete Claudia Stamm. "Das Gericht hat damit endgültig Tatsachen geschaffen, ein Zurück kann es angesichts der fortgeschrittenen Baumaßnahme auch bei einem Erfolg der Ursprungsklage nicht mehr geben. Damit büßt das Sudelfeld erheblich an Attraktivität für den Sommertourismus ein."

Der SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn verlangte die Einrichtung eines Naturschutzgebiets um die nahe gelegene Rotwand. "Damit ließen sich zwar die Umweltsünden am Sudelfeld, für die staatliche Subventionen bereits beantragt wurden, nicht ungeschehen machen, aber es wäre zumindest ein Versuch, die Folgen insgesamt abzumildern. Die Staatsregierung versagt leider komplett bei der Förderung von Konzepten für naturnahen, sanften Tourismus."

Florian Streibl von den Freien Wählern begrüßte hingegen die Entscheidung. Sie nütze der Tourismuswirtschaft in der Region. Der Speichersee dürfe eher als eine Bereicherung betrachtet werden - er füge sich ins Landschaftsbild ein.