Skigebiete:Immer mehr Lifte stehen im Winter still

Skigebiete: So schön kann es sein: Bietet der Winter ausreichend Schnee und scheint dazu noch die Sonne, ist am Herzogstand viel los.

So schön kann es sein: Bietet der Winter ausreichend Schnee und scheint dazu noch die Sonne, ist am Herzogstand viel los.

(Foto: Imago)
  • Vor allem kleinere Skigebiete kämpfen im Winter mit der Wirtschaftlichkeit.
  • Manche stellen dann den Betrieb komplett ein, andere öffnen nur an wenigen Tagen oder haben sie komplett stillgelegt.
  • Wenn die Pisten nicht präpariert werden, freut das wiederum die Skitourengeher.

Von Isabel Meixner, Spitzingsee

Der Schnee glitzert in der Sonne, es ist bestes Skifahrwetter, doch die Lifte am Taubenstein stehen still. Der Grund sind nicht die vereinzelt braunen Stellen. Seit zwei Jahren schon werden die Kabinenbahn am Spitzingsee und die Lifte weiter oben nicht mehr betrieben: Zu unrentabel ist das Geschäft im Winter geworden.

Eine hohe zweistellige Millionensumme wäre nötig gewesen, um das Gebiet am Taubenstein auszubauen und wieder attraktiv für Wintersportler zu machen - mit Arbeiten, die einen enormen Eingriff in die Natur bedeutet hätten. Die Kabinenbahn fährt deshalb nur noch im Sommer. Der Skibetrieb konzentriert sich seither auf der gegenüberliegenden Talseite rund um Stümpfling und Roßkopf. Auch das Sudelfeld ist nicht weit, und das Brauneck zwei Täler weiter westlich ist in den vergangenen Jahren ebenfalls stark aufgerüstet worden.

Einige Bergbahnen, die mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten können, kämpfen inzwischen im Winter mit der Wirtschaftlichkeit. Manche stellen - wie die Taubensteinbahn - in den kalten Monaten den Betrieb ein, andere öffnen ihre Skigebiete nur an wenigen Tagen oder haben sie komplett stillgelegt.

So zum Beispiel die Wankbahn bei Garmisch-Partenkirchen. Seit 15 Jahren finden sich auf der Abfahrt nur noch die Spuren von Skitouren- und Schneeschuhgängern. Die vier Schlepplifte am Gipfel sind längst abgebaut. Der Bedarf sei nicht vorhanden gewesen, sagt Peter Hubert, der technische Vorstand der für die Skiweltmeisterschaft 1978 erbauten Bahn.

Allein in Garmisch stehen Wintersportlern mit Zug- und Alpspitze sowie dem Hausberg drei große Skigebiete zur Verfügung, und auch die österreichischen Skiorte Ehrwald und Seefeld sind nicht fern. Und ohne Wintersportler rentiert sich der tägliche Betrieb der Wankbahn nicht. Lediglich in den Weihnachts- und Faschingsferien, wenn ausreichend Tagesgäste zu erwarten sind, ist sie geöffnet.

Am Herzogstand wird die Piste noch präpariert, allerdings nur an schneereichen Tagen in den Ferien und an Wochenenden - die inzwischen eher die Ausnahme sind, wie der stellvertretende Betriebsleiter Christian Held bestätigt: Nur an acht, vielleicht zehn Tagen konnte man in diesem Winter Ski fahren. Die Gondel aber fährt auch im Winter täglich, doch auch hier gibt es Licht und Schatten: Am vergangenen Dienstag, als es stark regnete, kamen nur zwei Fahrgäste; am Mittwoch brachte die Bahn bei Sonnenschein bereits eine Viertelstunde vor dem offiziellen Betriebsbeginn die ersten Winterwanderer gen Gipfel.

An anderen Bergen wurde sogar der Skibetrieb eingestellt, obwohl die Gondel im Winter noch fährt. Am Wallberg bei Rottach-Egern etwa, der als Aussichtsberg auch im Winter genug Tagesausflügler anzieht, damit sich der Betrieb der Kabinenbahn lohnt. Statt auf Skitourismus setzt man hier seit der Jahrtausendwende aufs Schlittenfahren: Von der Bergstation aus führt mit 6,5 Kilometern eine der längsten Naturrodelbahnen Deutschlands ins Tegernseer Tal, bis zu 2500 Schlittenfahrer sausen hier an schönen Tagen hinunter.

Manche Gebiete sind zu klein für Schneekanonen

Man sei vor der Entscheidung gestanden, das Skigebiet stillzulegen oder zu modernisieren, sagt Sprecherin Antonia Asenstorfer. Für den Ausbau habe sich aber "in der Region zugegebenermaßen wenig Unterstützung gefunden". Die Variantenskifahrer freut's. Auch die Eckbauerbahn setzt angesichts der großen Skigebietskonkurrenz in Garmisch-Partenkirchen auf die Schlittenfahrer. Wer nicht rauflaufen will, nimmt die Bahn und fährt auf der Skipiste runter.

Im Gegensatz zur Wallbergbahn, die im Tal Kunstschnee für die Schlittenabfahrt produziert, ist man hier allerdings auf richtigen Schnee angewiesen. Für Schneekanonen ist das Gebiet zu klein. Ein Klagelied, das auch die Betreiber kleinerer Schlepplifte anstimmen können, etwa am Gschwendner Horn bei Immenstadt, an der Kampenwand-Südseite oder an der Brecherspitze am Spitzingsee. Sie alle haben inzwischen dichtgemacht.

"Ohne Schneeerzeugung würde es seit 20 Jahren kein Skigebiet mehr hier geben", glaubt Peter Huber von der Garmischer Wankbahn. Er stellt einen Trend hin zu größeren, aufgerüsteten Skigebieten fest, "es konzentriert sich". Wintersportler, die abseits des Pistenrummels die Berge genießen wollen, stört das nicht. Der Taubenstein ist längst kein Geheimtipp mehr. Und ein Stück weit entschärft sich zumindest am Spitzingsee der Konflikt um Skitourengeher auf regulären Pisten. Denn wer will schon eine präparierte Piste, wenn er Pulverschnee haben kann?

© SZ vom 28.02.2017/bhi
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