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Skifahren in Bayern:So einen warmen Winter hat Huber noch nicht erlebt

Jeden Tag prüft er die Pisten, sucht mit Lawinensonden nach natürlichen Depots in Mulden und Hängen. Bei laufendem Skibetrieb sammeln Huber und seine Kollegen neben der Piste Schnee und transportieren ihn per Anhänger zu besonders dünn bedeckten Abschnitten. Flickwerk. Snowfarming schön und gut, lange können die Männer nicht mehr ohne Neuschnee arbeiten. Der tiefste Punkt des Skigebiets, die Abfahrt ins Brunntal, bleibt vorerst geschlossen. Zu gefährlich. Touristen und Wintersportler interessiert der Aufwand nicht, den Huber und seine Kollegen betreiben. "Nur Wenige wissen das zu schätzen, oder fragen überhaupt nach", sagt er.

Seit Beginn der Skisaison im November sucht Huber schon nach Schnee. So einen warmen Januar habe er noch nie erlebt, sagt er. Eher das Gegenteil, Minus 25 Grad über Wochen. Und je wärmer es ist, desto mehr Gäste wollen auf der Zugspitze Skifahren, das schadet den Abfahrten und fordert die Ausbesserer.

Sucht nach Schnee: Andreas Huber.

Sucht nach Schnee: Andreas Huber.

(Foto: Stephan Rumpf)

Erst gegen 16 Uhr, wenn die letzten Skifahrer die Pisten verlassen haben, beginnt die eigentliche Arbeit mit dem gefrorenen Nass. Neun Raupen rücken drei Stunden lang aus, um die 20 Kilometer Strecke für die Wintersportler des nächsten Tages zu bereiten. Die Quadriga übernimmt die große Piste, schiebt den Schnee vom Rand wieder auf die Bahn und walzt den Belag fest. Die beiden Windenraupen bearbeiten eingehakt am Gerüst, die Steilhänge. Die Betriebsleiter kontrollieren die Spuren. Gerade muss es sein und gleichmäßig. Schleifen und Schlamperei werden über Funk getadelt, Genauigkeit ist gewünscht. Wer schludert, muss noch mal fahren.

Seppi Reiser kümmert sich an diesem Nachmittag um das Flicken der heiklen Stellen. Er sitzt in der Schneefräse und versucht, den zusammengesuchten Schnee punktgenau auf der Piste zu verteilen. Zentimeter für Zentimeter frisst sich die Maschine durch die Schneehaufen, saugt sie ein und schleudert die Kristalle heraus. Damit die Schicht hält, wird der Schnee bis auf den Fels mit Wasser durchfeuchtet und friert über Nacht - wenn sie Glück haben. "In den letzten Tagen waren drei bis vier Zentimeter hart", sagt Huber und lacht trocken. 30 Zentimeter sind es bis zum Fels.

Behutsam steuert er den Joystick, mit sanftem Brummen hacken sich die Messer in den Boden. Zentimeter für Zentimeter schiebt der rote Zehntonner Schnee auf die Piste und walzt den Belag fest. In diesen Tagen brauchen die Männer in den Pistenraupen besonderes Feingefühl. Andreas Huber sucht die Abfahrten wie jeden Abend nach Felsen ab, prüft die Spuren der Kollegen. Stille Stunden sind das. Ab und an ein Funkspruch mit den Kollegen, sonst ist er allein mit seinen Gedanken - unter ihm 440 PS und glitzernder Schnee, über ihm die Sterne.

© SZ vom 11.01.2014/tba
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