„Der Lampl“. So, in der dritten Person, hat Sixtus Lampl manchmal über sich selbst gesprochen, wenn er aus seinem Leben erzählt hat. Und er hatte viel zu erzählen. Von der Kindheit als Bauernbub am Schliersee zum Beispiel, wo die Pfarrkirche dem Heiligten Sixtus geweiht ist, oder über die Internatszeit bei den Schäftlarner Benediktinern, wo er sein Instrument gefunden hat, die Orgel.
Viele Jahre später ist dieses Schäftlarner Instrument dann ganz buchstäblich in seinen Besitz übergegangen, genau wie Dutzende andere Orgeln. Die meisten stammten aus Kirchen, in denen sie ausrangiert werden sollten. Etwa die große Orgel aus St. Martin in Landshut, deren romantisches Klangbild dem Trend zur alten, barocken Trennschärfe nicht mehr entsprach. Sie wurde 1983 zum ersten Stück von Lampls Sammlung, die nach und nach zur größten Orgelsammlung der Welt angewachsen ist.
Lampl war längst promovierter Kunsthistoriker und Musikwissenschaftler und im bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für die Oberpfalz und das westliche Niederbayern zuständig – und seit 1980 auch für alle historischen Orgeln in Bayern. Niemand wollte den Landshutern die alte Orgel abnehmen, also hat Lampl – ein bayerischer Sturkopf – sie selbst gekauft und vier Jahre später noch das damals ziemlich marode Alte Schloss in Valley im Landkreis Miesbach.
Sixtus Lampl hat das Gemäuer saniert, zeitweise auch gegen gewisse Widerstände im Denkmalamt, und er hat das Alte Schloss plus etliche Nebengebäude mit Orgeln aller Art gefüllt. Viele sind spielbereit aufgebaut, darunter eine Kino-Orgel, die einst der Live-Begleitung von Stummfilmen diente. Andere wie die frühere Münchner Domorgel und die Orgel aus dem Kloster Schäftlarn liegen zerlegt in Hallen und etlichen Etagen des riesigen Speichers unter dem steilen Dach des Schlosses.
Doch Lampl sammelte nicht nur Instrumente, sondern auch Musik. In Klöstern grub er alte Musikstücke aus, übertrug die Notenschriften in eine heute lesbare Notierung und veröffentlichte sie im eigenen Verlag. Bei alldem ist Sixtus Lampl stets selbst ein guter Musiker gewesen, als Organist auf seinen eigenen Instrumenten, als Dirigent und als Leiter etlicher Chöre und Ensembles. Sein vielfältiges Engagement wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter das Bundesverdienstkreuz und der Bayerische Verdienstorden.
Zusammen mit seiner 2024 verstorbenen Frau Inge, einer ausgebildeten Konzertpianistin, hatte er sein Orgelmuseum in Valley vor fünf Jahren in die Dr. Sixtus und Inge Lampl Stiftung überführt. Sie soll all dem, was er selbst geleistet hat, eine gesicherte Zukunft geben, und auch dem Vielen, was er dort selbst noch hätte tun wollen. Wie die Stiftung nun mitgeteilt hat, ist Sixtus Lampl am vergangenen Freitag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben.

