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Fußballstadion:Wie die Stadt den Verein aus seiner Verpflichtung entließ

Die Stadt, offensichtlich noch im Aufstiegsrausch, drückte beide Augen zu. Sie entließ den Verein aus der Verpflichtung, eine Fassade zu errichten. Damals, im Jahr 2011, tönte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU), die Stadt werde die Fassade "mittelfristig selbst errichten". Er sprach von einer "Vision" mit "ansprechender Fassade mit Solarmodulen, das stünde der Umweltstadt Augsburg gut zu Gesicht". Gribl ist bis heute im Amt, aber seine Vision ist vergessen.

Die offizielle Begründung der Stadt lautet: Es könnte ja sein, dass der FCA irgendwann seine Arena erweitert, in diesem Fall würde ein Fassadenbau zum jetzigen Zeitpunkt "unnötige Kosten" verursachen. Diese Argumentation kann Titus Bernhard nicht nachvollziehen: "Ich halte es für verfrüht, jetzt über eine Erweiterung des Stadions nachzudenken." Tatsächlich stellte auch der FCA klar, dass es derzeit "keine konkreten Pläne" für einen Stadion-Ausbau gibt. Auch im Stadtrat wurden die Argumente der Stadt als "an den Haaren herbeigezogen" und "durchsichtig" bezeichnet. Dennoch stimmte die Mehrheit der Räte zu, die Planungen auf Eis zu legen.

"Wir stehen für qualitätsvolle Architektur"

Das Stadion wird also hüllenlos bleiben, und die Architekten müssen hilflos zuschauen. Nun ist Titus Bernhard nicht irgendein Architekt. Er hat viele Preise gewonnen und einen Namen zu verlieren. "Wir stehen für qualitätsvolle Architektur", sagt er. "Natürlich hätten wir gerne, dass unsere Planung fertiggestellt wird."

Innen ist die Arena wohlgemerkt ein Schmuckstück. Die FAZ schrieb angesichts Architektur und Atmosphäre von der "schwäbischen Anfield-Road" - in Anspielung an das legendäre Stadion des FC Liverpools mit seiner einzigartigen Stimmung.

Im Sommer wird der FCA erstmals in der Klubgeschichte ein Pflichtspiel auf Europa League-Ebene austragen. Titus Bernhard wird dabei in der Sitzmaschine Platz nehmen. Stolz wie Bolle auf den FCA - aber auch voller Scham angesichts der Nicht-Fassade. Ob er es peinlich findet, wie sich die Stadt international präsentiert? Diese Frage lässt er lieber unbeantwortet.