Franz Josef Strauß Ein Mann, ein solcher Mann

Franz Josef Strauß und seine Frau Marianne besuchten im Mai 1977 Ägypten.

(Foto: )

Franz Josef Strauß wirkte in der Politik und auf die Frauen: Eskapaden gab es genug, doch sein Ruhepol war seine Marianne.

Von Von Max Hägler

Das Urteil über seine Frau Marianne, geborene Zwicknagl, klingt hart und berechnend. "Ich habe gut geheiratet, nicht sehr gut, aber gut" schreibt Franz Josef Strauß an einen Freund, kurze Zeit nach der Heirat mit Marianne im Jahr 1957. Es ist die Zeit vor seinen Affären, vor seinen Krisen, und Strauß weiß noch nicht, welche Untertreibung er zu Papier gebracht hat.

Die gelernte Volkswirtin aus bestem Hause wird sich durchaus als hervorragende Partie erweisen. Sie ist nicht nur klug, schön, weitgereist, konservativ und voller Tatendrang, sondern auch loyal. Und sie stellt ihre eigenen Karrierepläne hintan, um ihrem Mann Kinder und Karriere zu ermöglichen.

"Meine Mutter hatte die Kraft, zu verzichten und zurückzustehen, obwohl sie meinem Vater intellektuell ebenbürtig war", erzählte Tochter Monika Hohlmeier dazu vor wenigen Jahren dem Strauß-Biographen Werner Biermann. "Aber sie sagte sich, da steht ein Genie, gewiss auch ein schwieriger Mensch, ich muss ihm den Rücken freihalten, damit er dieses Genie wirklich entfalten kann." Ein Vierteljahrhundert wird Marianne diesen Kampf durchhalten, der oft auch abseits der politischen Bühne geführt wurde.

Vorteilsnahme Feiern wie in "Kir Royal"
Pompöse Politikerpartys

Feiern wie in "Kir Royal"

Prunkvolle Feiern in bester Gesellschaft gehören unter Politikern seit Langem zum guten Ton. Übertreiben auch. Das hat schon Franz Josef Strauß vorgemacht.   Von Anna Günther

Denn Franz Josef entfaltete Wirkung, nicht nur in der Politik. Auch auf Frauen. Er hatte Macht und Geld und war ein Lebemann - was der Welt nicht verborgen blieb. Im New Yorker Central Park etwa wurde Strauß 1971 mitten in der Nacht von zwei Prostituierten ausgeraubt, eine davon laut Strauß eine "dürre, greißlige Henn'". Wer mit wem angebandelt hat, blieb unklar.

Ein paar Jahre zuvor ging es ernster zu. Ende der 60er Jahre, als Bundesfinanzminister, lernte Franz Josef Strauß in Bonn ein junges Büromädchen kennen. Ulli hieß sie, 17 Jahre alt und viel mehr als eine Bettgeschichte. Strauß war verliebt. Einen gebrauchten VW schenkte er ihr gar. Die Hauptstadtjournalisten aus dieser Zeit erinnern sich, wie der Mann aufblühte, glücklich wirkte.

Alles wollte Strauß hinschmeißen wegen dieses Mädchens. Doch seine Frau Marianne kämpfte. Fuhr nach Köln, zu Ullis Eltern. Ihr Mann sträubte sich und klammerte, doch letztendlich gewann Marianne. "Er weinte bittere Tränen, als er sich von Ulli trennte", notierte ein Strauß-Vertrauter damals in sein Tagebuch. Schwierig waren die folgenden Monate, aber am Ende schienen die Bande zwischen Marianne und Franz Josef unverbrüchlich, daran änderten auch peinliche Eskapaden wie in New York nichts.

Die selbstbewusste Marianne gab dem engagierten Politiker Stabilität, organisierte die Finanzen, beriet ihn in politischen Angelegenheiten, war ein Ruhepol mit eigener Meinung. Franz Josef Strauß brauchte so einen Menschen, wie sich Tochter Monika später erinnerte.

Bayerns letzter König

mehr...

Eines Morgens etwa, mitten im Kanzlerwahlkampf gegen Helmut Schmidt, saß der nach außen unverwüstliche bayerisch-barocke Kämpfer in seinem Wohnzimmer und weinte. Er konnte nicht mehr umgehen mit dem Hass, der ihm von so vielen Seiten entgegenschlug. An seiner Seite in dieser Stunde: Marianne.

Umso härter traf Strauß die Nachricht vom Tod seiner Frau. Am 23. Juni 1984 war er zu einem Staatsbesuch in Jugoslawien. Plötzlich hielten die Wagen, Strauß wurde zu einem Telefon in einer Kneipe am Wegesrand geführt. Er erfuhr, dass seine Frau mit ihrem Auto in einen Graben gefahren ist. Sie war tot. "Wie, was?" fragte er schockiert. Bei der Totenmesse einige Tage später liefen ihm die Tränen übers Gesicht. Hatte er seine Frau vernachlässigt?

In den Jahren zuvor hatte Marianne häufig Trost gesucht bei ihrer Freundin Renate Thyssen. "Einsam und überfordert" sei Marianne zuletzt gewesen, diese Frau, die eigentlich in Brüssel Karriere machen wollte und ihr Leben doch ganz ihrem Mann geschenkt hat.

"Mami", wie Strauß seine Marianne nannte, blieb in der Familie unvergessen. Doch einige Jahre später traf der über 70jährige noch einmal eine Frau, die ihm viel bedeutete. Bei einer Party von Strauß-Filius Franz-Georg haben sich die beiden kennengelernt. Überraschungsgast Strauß senior schwadronierte an diesem Abend von seinen Kriegserlebnissen, die Leute waren hingerissen. "Plötzlich fiel in diesem Knäuel von 50 Menschen sein Blick auf mich und ließ mich nicht mehr los", schrieb Renate Piller in ihren Erinnerungen. "Seine ersten Worte waren, wo ich denn dies schöne Pepita-Kostüm mit Samtstehkragen gekauft habe."

Ego-Riesen auf Zwergenformat

mehr...

Die überraschte, 30 Jahre jüngere Piller beendete alsbald den Flirt, denn Franz Josef Strauß war "nicht mehr ganz so frisch". Doch schon am nächsten Mittag klingelte das Telefon bei Renate Piller: "Hier Strauß!" Abends holte der Verehrer sie ab, in Händen hält er sein Ledertäschchen samt Pistole und einen bunten Herbststrauß. Nachts geht es dann im BMW 325iX zum Essen ins Canale Grande in Nymphenburg. Und auf der Heimfahrt stellt der ungestüme Strauß schließlich die ungelenke Frage: "Wollen Sie meine Freundin werden?" - "Ach dazu haben Sie doch gar keine Zeit", antwortete sie. Und wurde es doch.

Das Fürsorgliche an ihm habe sie neben seiner Intelligenz am stärksten angezogen. Oft trug er abends einen Tütenberg von Feinkost Käfer hinauf in den fünften Stock zu seinem "schönen Mädi", das sogar Lateinvokabeln büffelt, um ihm zu gefallen. Man radelt gemeinsam, man plant gemeinsam. Man lebt gemeinsam.

Offiziell aufrücken in die Familie durfte Renate Piller nicht, die geplante Ehe wurde nicht mehr rechtzeitig geschlossen. Und so blieb sie am Ende ausgeschlossen aus der Strauß-Familie. Nur mit Mühe und Not brachte der Strauß-Freund Peter Gauweiler Renate Piller ans Sterbebett des Ministerpräsidenten. Bei der Beerdigung verweigerten die Kinder der letzten Liebe ihres Vaters einen Abschiedsgruß auf dem Sarg.

Mehr zu Franz Josef Strauß