Feuervergolder im Allgäu Ein Handwerker im Auftrag Ihrer Majestät

Der König ist zufrieden: Wilhelm Alexander begutachtet in Den Haag die Gläserne Kutsche, die Dirk Meyer wieder zum Glänzen brachte.

(Foto: imago/Belga)

Seit Dirk Meyer auf einem Flohmarkt ein altes Rezeptbuch für Goldfarben fand, schicken Königshäuser aus aller Welt ihre Prunkstücke ins Allgäu. Zum Feuervergolden.

Von Anna Driftschröer, Maierhöfen

Erst vor einigen Wochen am Prinzentag chauffierte sie noch König Wilhelm und seine Maxima durch die Straßen von Den Haag: die Goldene Kutsche mit roten Samtpolstern, gezogen von acht schwarzen Rappen. Nun kommt sie zur Restauration in die Werkstatt von Dirk Meyer nach Maierhöfen.

Denn der schwäbische Goldschmied ist einer der wenigen, der die alte Technik der Feuervergoldung, zumindest nach europäischer Art, noch beherrscht. Er brachte schon die berühmte Gläserne Kutsche der niederländischen Königsfamilie wieder zum Glitzern und Glänzen. Auch der Buckingham Palast hat schon angefragt.

Gast im Auftrag des niederländischen Königshauses

Inmitten von Wiesen und Feldern im Allgäu, wo sommers die Kühe grasen und ein Hof auf den anderen folgt, steht ein altes unscheinbares Bauernhaus. Im einstigen Stall findet sich nun das Atelier von Dirk Meyer. Hier stand vor sechs Jahren ein Vertreter der niederländischen Königsfamilie vor der Tür, der sich bei Meyer allerdings erst einmal als einfacher Interessent ausgab. "Er meinte, er hätte eine Uhr aus dem 18. Jahrhundert - was ich natürlich nicht wusste, dass die normalerweise im Arbeitszimmer von Königin Beatrix auf dem Kamin steht", sagt Meyer lachend.

Im Atelier ließ sich der interessierte Niederländer davon überzeugen, dass es sich bei Meyers Kunst auch tatsächlich um die heute so selten praktizierte Technik der Feuervergoldung handelte. Einige Monate nach dem Besuch kamen die ersten Aufträge aus Holland. Eines Tages fuhr Meyer auf Wunsch des Kunden, der ihm vorab lediglich von einem Termin in der Stadt erzählt hatte, nach Den Haag. "Auf einmal standen wir im Schloss", erinnert sich Meyer, der erst in dem Moment realisierte, dass er seit zwei Jahren für das Königshaus arbeitete. "Da war ich völlig baff!"

Inmitten von Wiesen und Feldern im Allgäu hat Dirk Meyer in einem einstigen Stall sein Atelier.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Anfangs waren es meist einzelne Objekte, mit der Zeit wurden die Projekte immer größer: französische Pendulen, vergoldete Barockmöbel, die Neugestaltung eines ganzen Salons. Einen seiner eindrucksvollsten Aufträge erhielt Meyer vor einigen Jahren, als die Königsfamilie ihm ihre berühmte Gläserne Kutsche zur Restaurierung überließ. Sie war 1815 zur Krönung des ersten niederländischen Königs, Wilhelm I., gebaut worden. "Etwa 300 Einzelteile waren es", erinnert sich Meyer.

Lange war der Auftraggeber geheim

Auch die Goldene Kutsche wird Meyer nun in seiner Werkstatt wieder in ihren Urzustand versetzen. Lange Zeit musste er sein "Meisterwerk" als Geheimnis bewahren. Aber als die Königsfamilie im vergangenen Jahr alle an der Restaurierung Beteiligten zu sich ins Schloss einlud, wurde die Weltpresse auf ihn aufmerksam. Bei der Gelegenheit bedankte sich sogar die frühere Königin Beatrix bei Meyer für seine exzellente Arbeit - in nahezu perfektem Deutsch.

Seitdem klingelt bei dem Goldschmied aus Bayern fast pausenlos das Telefon. Auch jetzt wieder. "Oh, das sind die Niederländer", sagt Meyer, "da muss ich mal eben rangehen." Auch andere Königshäuser aus Europa, der Fürst von Monaco und arabische Scheichs haben inzwischen Schmuckstücke zu Meyer zur Feuervergoldung geschickt.