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Instrumente aus Franken:Mehr Menschen denn je spielen Schlagzeug

Die günstigen Modelle begründeten den Erfolg. Das Image des Billig-Beckenbauers loszuwerden und von Profi-Drummern ernst genommen zu werden, dauerte. Mitte der Achtziger begannen auch die anderen Hersteller, Anfänger-Equipment zu produzieren. Die Existenz der Franken war bedroht und Meinl beschloss, ins Profi-Geschäft einzusteigen. 1994 übernahm Reinhold Meinl das Unternehmen und setzte alles daran, die Marke zu stärken. Er stoppte die Auftragsarbeiten für andere Firmen, konzentrierte sich auf die Entwicklung. "Aber wir haben jahrelang mehr investiert, als wir verdient haben", sagt er.

Zahlreiche Arbeitsschitte sind nötig, bis alles richtig klingt.

(Foto: Meinl)

Der Umschwung kam 1998. Zwei türkische Geschäftsmänner standen vor der Tür und boten an, Becken für Meinl zu bauen. Erst mit dieser Zusammenarbeit gelang 2000 der Durchbruch. "Plötzlich wurden wir auf den Messen ernst genommen", sagt Meinl. Die Becken-Rohlinge kommen bis heute aus den Werken in der Türkei, der klangliche Feinschliff wird in Gutenstetten gemacht. Ein Teil der Profi-Becken hämmern die türkischen Schmiede von Hand. Im Orient liegt der Ursprung der Beckenschmiedekunst. "Das können sie einfach. So wie wir gute Autos bauen, machen die Türken gute Becken", sagt Marketing-Mann Saemann.

Die Rohlinge kommen aus der Türkei

Das Rohmaterial kommt als Klotz aus Süddeutschland, in der Türkei wird die Bronze gegossen und so lange ausgewalzt und wieder erhitzt, bis dünne Scheiben entstehen. Das Metall wird in Form gehämmert, bevor die Becken abgedreht werden. Dabei fräst ein Stahlstück Rillen in die Bronze und macht sie leichter. Den Unterschied im Klang machen Legierung, Oberfläche und Dicke der Bronze. Die Zusammensetzung von Kupfer und Zinn ist entscheidend für den Ton. Je höher der Kupferanteil, desto rötlicher wird das Metall und desto durchdringender der Klang. "Das ist wie ein weinendes Baby auf einem Bahnsteig voller Menschen", sagt Saemann, "das hört man". Zinn ist heller, die Becken glänzen silbrig, sind weicher und flexibler - der Klang fügt sich ein.

Und dann kommen die Instrumente auch in großen Orchestern zum Einsatz.

(Foto: Meinl)

In Gutenstetten werden die Rohlinge maschinell bearbeitet. Mit jedem Schlag donnern 60 Tonnen auf Bronze, entsprechend laut ist es in der Fertigung. Nach dem Polieren und Reinigen werden die Becken lackiert, kontrolliert und mit Logo versehen. 1000 Becken stellt Meinl pro Tag in Gutenstetten her, in der Türkei brauchen zehn Schmiede dafür einen Monat. Die Produktion in Deutschland läuft in zwei Schichten, die Nachfrage könne kaum befriedigt werden, sagt Saemann. Der größte Markt ist Nordamerika, ein Drittel der Becken geht dorthin, gefolgt von Europa und dem deutschsprachigen Raum.

Die Musikindustrie klagt über fehlende Einnahmen, die Instrumente-Produktion betrifft das nicht. Mehr Leute denn je spielen Schlagzeug. Meinl blickt entspannt in die Zukunft, Sohn Alexander, 27, engagiert sich schon in der Firma. Wichtig für den Erfolg sei das Internet, das die Musikindustrie so verflucht. Meinl stellt Festival-Clips oder Klangproben ins Netz, das vereinfacht den Kauf und bringt PR. Die Wirtschaftskrise ist spurlos an der Firma vorbei gegangen. "Wir haben auch überlegt, wieso", sagt Saemann. Aus seiner Sicht ist es ganz einfach: "Wenn es den Menschen schlecht geht, machen sie Musik, weil es ihnen dann gut geht. Und wenn es ihnen gut geht, machen sie sowieso Musik."