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Serie: König Ludwig II.:Sissi weilte in Feldafing

Der im Katalog abgedruckte Aufsatz von Klaus Reichold und Thomas Endl beleuchtet unter anderem die denkwürdige Rolle der Kaiserin Elisabeth im Laufe dieser Tragödie. Dass sie, Ludwigs beste Freundin und Seelenverwandte, in etwaige Fluchtpläne eingeweiht war, halten die Autoren für durchaus möglich.

Der Flügeladjutant Alfred Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin soll die Kaiserin sogar telegrafisch um Hilfe gebeten haben. Auch der preußische Diplomat Graf Eulenburg berichtete damals, "dass schon in der Nacht, als der König von Schwanstein nach Berg transportiert wurde, Komplotte zu seiner Befreiung geschmiedet worden sind" und zwar auch "von der Kaiserin von Österreich".

Tatsächlich weilte Elisabeth in jenen Tagen in Feldafing. Es gibt aber kein historisches Dokument, das ihr Eingreifen belegt. Trotzdem werden die geheimnisvollen Wagenspuren, die man in der Todesnacht vor dem Tor des Schlossparks von Berg entdeckt hat, immer wieder mit ihr in Verbindung gebracht, schreiben Reichold und Endl. Bevor er diesen Wagen jedoch besteigen konnte, habe er im See einen Herzschlag erlitten, raunte damals die Bevölkerung.

Tatsächlich war aber schon einen Tag nach Ludwigs Tod auch von Mord die Rede, wie die Autoren belegen. Der Fischer Lidl, der Augenzeuge der Ermordung gewesen sein soll, dient seit jeher als Hauptzeuge der Mordtheoretiker. Allerdings gilt das Schulheft mit seinen Aufzeichnungen als verschollen.

Elisabeth reagierte auf den Tod ihres Freundes fast hysterisch. Ihre Tochter Valerie notierte in ihr Tagebuch, dass sie ganz verstört war und sich beim Abendgebet "allerlängst auf den Boden" geworfen habe. Ob sie Ludwigs Leiche gewaschen oder aber gar nicht gesehen hat, darüber gehen die Meinungen auseinander. Jener Jasminzweig, der auf der Brust der aufgebahrten Leiche lag, war jedenfalls ein letzter Gruß Elisabeths, die Ludwig wohl als Einzige verstanden hat. Zwölf Jahre später sollte sie ähnlich tragisch ums Leben kommen wie er.

© SZ vom 04.06.2011/bica
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