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Unterfranken:Seniorenresidenz in Untermerzbach droht die Schließung

Ermittlungen in Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf

Die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf gehört zu den schönsten Pflegeeinrichtungen in Bayern. Bezüglich der Pflegequalität gibt es aber Zweifel.

(Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa)

Das Landratsamt hat dem umstrittenen Schloss Gleusdorf den Betrieb untersagt. Doch aus der Einrichtung kommt Gegenwehr.

Die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf im unterfränkischen Untermerzbach, die 2017 sogar den Gesundheitsausschuss des Landtags beschäftigt hat, bleibt nach wie vor ein Politikum. Die Heimkontrolleure im Kreis Haßberge sind offenbar entschlossen, das umstrittene Seniorenheim zu schließen. "Das Landratsamt hat eine Betriebsuntersagung zugestellt", sagte Monika Göhr als Sprecherin des Landratsamts Haßberge, welches für die Heimaufsicht zuständig ist.

Noch aber ist unklar, ob das Heim tatsächlich seinen Betrieb einstellen muss - und wenn ja, wann. Die Einrichtung habe gegen die amtliche Betriebsuntersagung Widerspruch eingelegt und angekündigt, vor Gericht zu gehen, sagte Göhr. Angaben zu den Gründen, aus denen die Seniorenresidenz geschlossen werden soll, könne das Landratsamt nicht machen. "Wir befinden uns in einem laufenden Verfahren." Die Pressesprecherin bestätigte jedoch, dass die Behörde, wie vom Fränkischen Tag berichtet, am Montag die Angehörigen und Betreuer der etwa 65 Heimbewohner von der beabsichtigten Schließung informiert hat. Laut der Zeitung soll der Betrieb Ende Januar 2019 eingestellt werden. Die Einrichtung selbst gibt zum aktuellen Konflikt mit der Heimaufsicht keine Auskunft. "Das machen dann die Anwälte am richtigen Ort zur richtigen Zeit", sagte eine Mitarbeiterin am Mittwoch.

Gegen Mitarbeiter von Schloss Gleusdorf ermittelt die Staatsanwaltschaft Bamberg bereits seit Längerem. Ursprünglich hatten ehemals dort beschäftigte Pflegekräfte massive Vorwürfe gegen die Einrichtung in Untermerzbach erhoben. Dort seien Heimbewohner misshandelt, mit Medikamenten ruhiggestellt worden. Sogar von Todesfällen - mutmaßlich zurückzuführen auf unterlassene Hilfeleistung - war die Rede. Im Zusammenhang mit einem der Todesfälle kam es im November 2016 zu Festnahmen. Später aber wurden die Verhafteten wieder auf freien Fuß gesetzt, denn im Zuge der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ließen sich die gegen sie erhobenen Vorwürfe nicht erhärten.

Was nun die aktuelle Betriebsuntersagung betrifft, betonte Otto Heyder, Leitendender Oberstaatsanwalt in Bamberg: Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Entscheidung des Landratsamtes und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bezüglich Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf bestehe nicht. "Die Ermittlungen dauern an. Wir rechnen damit, dass wir das Verfahren in Kürze abschließen können." Welche Tatvorwürfe die Staatsanwälte nach mehr als zwei jährigen Ermittlungen noch aufrechterhalten, wollte Heyder zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Details gebe es dann, falls es zu einer Anklage komme.

Unabhängig von der noch ausstehenden Ermittlungsarbeit und der darauf aufbauenden Entscheidung der Bamberger Staatsanwaltschaft im Fall Gleusdorf sieht Ruth Waldmann, die stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, politischen Handlungsbedarf. Auch in dieser Legislaturperiode will die SPD-Gesundheitspolitikerin den Vorstoß unternehmen, jenen Pflegekräften mehr Sicherheiten zu verschaffen, die Behörden und Öffentlichkeit über mögliche Missstände in den Heimen informieren. Sogenannte Whistleblower müssten davor geschützt werden, aufgrund ihrer Hinweise vom Arbeitgeber benachteiligt zu werden - etwa durch neu zu schaffende externe Stellen, an die sie sich vertraulich wenden können.

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Der Aufnahmestopp soll aber nicht in Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen Misshandlung von Heimbewohnern stehen.   Von Dietrich Mittler