Untermerzbach Senioren sollen in Heim misshandelt worden sein

Nach mehreren ungeklärten Todesfällen von Heimbewohnern in der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf, hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben.

(Foto: dpa)
  • Gegen die ehemalige Heimleiterin, den Pflegedienstleiter und einen tätigen Arzt des Seniorenheims Gleusdorf im unterfränkischen Untermerzbach (Landkreis Haßberge) hat die Staatsanwaltschaft Bamberg Anklage erhoben.
  • Es geht um die Misshandlung von Schutzbefohlenen und versuchten Totschlag durch Unterlassen.
Von Claudia Henzler, Untermerzbach

Fast drei Jahre lang haben sich Polizei und Staatsanwaltschaft mit dem Seniorenheim Gleusdorf im unterfränkischen Untermerzbach (Landkreis Haßberge) beschäftigt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Bamberg Anklage gegen die ehemalige Heimleiterin und den Pflegedienstleiter erhoben, die sich vor zwei Jahren schon vorübergehend in Untersuchungshaft befanden. Der dritte Angeschuldigte ist ein für das Heim tätiger Arzt.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft sieht in einem Fall den dringenden Tatverdacht des Totschlags durch Unterlassen. Bei zwei weiteren Bewohnern geht es jeweils um die Misshandlung von Schutzbefohlenen und versuchten Totschlag durch Unterlassen. Dafür sollen die drei Angeschuldigten gemeinsam verantwortlich sein, weshalb die Anklage jeweils "mittäterschaftlich" lautet. Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft den dreien die Misshandlung eines weiteren Schutzbefohlenen vor.

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Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben sich die Heimleiterin, der Pflegechef und der Arzt wie "Herren über Leben und Tod" verhalten. Sie hätten kranken und hilflosen Heimbewohnern "aus Sorglosigkeit" medizinische Versorgung verweigert oder sie nicht ins Krankenhaus verlegt, obwohl dies notwendig gewesen sei, fasst Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann die Vorwürfe zusammen. Dies habe in einem Fall zum Tod eines Bewohners geführt, in zwei weiteren Fällen zu "erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen". In einem vierten Fall sollen die drei einem Bewohner schmerzlindernde Maßnahmen vorenthalten haben, obwohl er diese in einer Patientenverfügung ausdrücklich verlangt habe.

Damit nicht genug: Der Pflegedienstleiter soll einem psychisch kranken Heimbewohner mit den Worten "Halt die Fresse und schlaf!" zurechtgewiesen und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Und der Arzt, der laut Staatsanwaltschaft im Rahmen eines Kooperationsvertrages für das Heim zuständig war, soll in drei Fällen unrichtige Todesbescheinigungen ausgestellt haben.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten die Ermittlungen nach zwei Anzeigen im Frühjahr 2016 aufgenommen - zunächst ging es dabei um den Verdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen. Damals hieß es, dass in dem Heim Medikamente ausgetauscht und unangemessene Sanktionen ausgesprochen worden sein könnten. Nachdem mehrere Zeugen vernommen wurden, weiteten sich die Vorwürfe erheblich aus. Zeitweise war bei der Kriminalpolizei Schweinfurt eine zehnköpfige Ermittlungskommission mit dem Fall beschäftigt. Laut Oberstaatsanwalt Bachmann wurden im Verfahren mehr als 50 Zeugen befragt.

Noch ist das Skandalheim nicht geschlossen

Die Ermittler sichteten Patientenakten und Pflegeunterlagen und veranlassten Ende 2016 sogar die Exhumierung einer ehemaligen Bewohnerin. Insgesamt seien mehr als 50 Tatvorwürfe geprüft wurden, so Bachmann. Mangels "ausreichend konkreter Zeugenaussagen" oder wegen Verjährung habe man einen Großteil nicht weiterverfolgen können. Eingestellt wurde auch das Verfahren gegen einen weiteren Heimleiter und Mitgesellschafter. Ihm war aus Sicht der Staatsanwaltschaft keine Tatbeteiligung nachzuweisen. Außerdem sei er schon wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, "neben der eine weitere Bestrafung wegen etwaiger verbleibender Straftaten nicht mehr beträchtlich ins Gewicht fiele".

Noch ist das Skandalheim nicht geschlossen. Die Betreibergesellschaft wehrt sich juristisch gegen einen entsprechenden Bescheid des Landratsamtes und hat angekündigt, das Unternehmen zu verkaufen. Die Heimleiterin hat ihren Posten Anfang des Jahres an eine Mitarbeiterin übergeben.