Kommentar zum Abtritt von Horst Seehofer Was für ein Gewürge

CSU-Chef und Bundesinnenminister Seehofer hat den Zeitpunkt für einen würdigen Abgang längst verpasst. Er sollte mit den Spielchen aufhören.

Kommentar von Detlef Esslinger

Manchmal ist es so: Alle Welt weiß, dass ein Politiker zurücktreten muss, nur der Politiker selbst will es nicht wissen. So scheint es auch im Fall Horst Seehofers gewesen zu sein. Im Grunde ist seit Wochen klar, dass er den CSU-Vorsitz schnell wird abgeben müssen.

Er hat als Parteichef und als Innenminister das Debakel bei der Landtagswahl zu verantworten, den Sturz von 47 auf 37 Prozent. Er ist 69 Jahre alt. Wie lautet die ewig gültige Zeile aus dem Buch der Prediger? "Ein Jegliches hat seine Zeit."

Es ist die eine Kunst in der Politik, nach oben zu kommen. Es ist eine andere, oben zu bleiben - und vielleicht die größte ist es, "würdevoll bedeutungslos" zu werden, wie es der Politologe Karl-Rudolf Korte formuliert hat. Horst Seehofer hat die Gelegenheit verpasst, seinen Abgang in Würde selbst zu bestimmen. Vielleicht wollte er nur die Genugtuung haben, länger im Parteiamt zu sein als Angela Merkel, bei der am 7. Dezember die Nachfolge bestimmt wird.

Vermutlich wird Seehofer auch als Innenminister abtreten, dies aber erst später. Vielleicht. Oder vielleicht auch nicht. Er mag das Ministerium für Inneres, Bau und Heimat jetzt noch nicht abgeben, das eigens für ihn gebastelt worden war. Seehofer spielt und zaudert. Was für ein Gewürge, nur weil da ein Ego an seiner Bedeutung klebt.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Kommentars haben wir Prof. Korte fälschlicherweise als "Hans-Rudolf Korte" bezeichnet. Es muss natürlich "Karl-Rudolf" heißen.

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