Der Abend in der CSU-Parteizentrale Und so erfüllte sich Söders Wunsch

Am liebsten wäre es dem bayerischen Ministerpräsidenten ja, Seehofer würde sein Amt freiwillig abgeben. Genau das ist an diesem historischen Sonntag passiert. Rekonstruktion eines zähen Abends.

Von Roman Deininger und Wolfgang Wittl

Dieser historische Sonntag, der für die CSU mit einer Zäsur und für Horst Seehofer mit seinem angekündigten Rücktritt endet, beginnt zunächst mit einem scharfen Dementi. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) lässt mehrere Christsoziale sagen, was viele in der Partei denken: Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt gehörten wieder in eine Hand.

Hans Michelbach, der Vorsitzende der Mittelstands-Union, ist unter ihnen. Auch Michael Frieser, Chef des CSU-Bezirks Nürnberg und in dieser Funktion unmittelbarer Nachfolger von Markus Söder, verlangt, man müsse jetzt schnell die Weichen in der wichtigsten Personalfrage stellen. Im Klartext heißt das: Horst Seehofer soll als CSU-Chef abtreten und auch in der Partei den Weg für Ministerpräsident Markus Söder freimachen. So wird es am Abend auch kommen. Doch dazwischen vergehen einige zähe Stunden.

CSU Seehofer gibt auf
Rückzug als CSU-Chef und Innenminister

Seehofer gibt auf

Der CSU-Chef beugt sich dem parteiinternen Druck und soll im Januar seinen Posten räumen. Auch als Innenminister will der 69-Jährige offenbar zurücktreten, legt sich aber auf keinen Termin fest. Die deutlichsten Worte findet Hans-Peter Friedrich.   Von Roman Deininger und Wolfgang Wittl

Stoibers Widerspruch kommt sofort und ungewöhnlich harsch

Als prominentesten Vertreter der Söder'schen Werbe-Aktion führt die FAS den CSU-Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber ins Feld. Stoiber rate Seehofer, dem Beispiel Angela Merkels zu folgen und den Parteivorsitz abzugeben, schreibt das Blatt. Stoibers Widerspruch kommt sofort und ungewöhnlich harsch. "In der heutigen FAS wird behauptet, ich hätte Horst Seehofer geraten, dem Beispiel von Angela Merkel zu folgen und den Parteivorsitz abzugeben. Das ist falsch", lässt Stoiber schon am Vormittag ausrichten. Richtig sei, dass er eine Ämterbündelung grundsätzlich für sinnvoll halte.

Nun, das relativiert den Nachrichtenwert erheblich. Dass Stoiber lieber beide Ämter in einer Person vereint sieht, gehört zu den Wahrheiten der CSU wie das Rautenmuster zu Bayern. Horst Seehofer werde selbst entscheiden, "welche konkreten inhaltlichen und personellen Konsequenzen aus dem Ergebnis der letzten Wahlen er für notwendig hält. Das hat er ja auch öffentlich mehrfach angekündigt", teilt Stoiber noch mit.

In der sogenannten großen Lage sitzen sie am Abend zusammen

Was Horst Seehofer für notwendig hält, darüber ist man sich in der CSU lange Zeit nicht so sicher. Wird er am Abend wirklich seinen Rückzug vom Parteivorsitz andeuten? Und wenn ja: für wann? Am späten Nachmittag trifft sich die Elite der Partei zur Besprechung in der Landesleitung, der Termin ist seit Tagen vereinbart. Im ersten Stock, in der sogenannten großen Lage, sitzen sie zusammen: Seehofer und seine fünf Stellvertreter, Ministerpräsident Söder, die Fraktionschefs, der Generalsekretär, seine Stellvertreterin und die mächtigen Bezirksvorsitzenden. Offizielle Tagesordnung: Aufstellung der Liste für die Europawahl und Analyse des Landtagswahlergebnisses.

Die Erwartungen der Partei formuliert einer von Seehofers schärfsten Kritikern, der schwäbische Bezirkschef Markus Ferber. Er sagt schon vor der Sitzung all das, was Stoiber dementiert hat, und darüber hinaus noch einiges mehr. Auf die Frage nach persönlichen Konsequenzen Seehofers antwortet Ferber in der ZDF-Sendung "Berlin direkt": "Ich denke, dass die Bundeskanzlerin ein gutes Vorbild war." Und er gehe davon aus, dass mit der Entscheidung von Angela Merkel, nicht mehr als CDU-Vorsitzende anzutreten, "eine gewisse Dynamik in den Prozess gekommen ist".

Nicht mehr antreten und bis dahin CSU-Chef bleiben - darauf würde sich Seehofer wohl sofort einlassen. Anders als in der CDU endet seine Amtszeit erst im kommenden Herbst, nicht in diesem Dezember. Ferber und weitere Kritiker Seehofers denken allerdings an einen anderen zeitlichen Korridor. Wenn sie sagen, Seehofer soll es machen wie Merkel, dann meinen sie: Der Chef solle am besten vor Weihnachten seinen Hut nehmen.